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Goldfieber ´98 - Klondike goes Bavaria

Ein Interview mit Ludwig Koch, Erich Menzel und Thomas Stuhrmann.

Goldgräber, Goldwäscher - krummbeinig, zerlumpt, abgearbeitet, dreckstrotzend mit wettergegerbtem Gesicht- so ähnlich stellt sich wohl jeder diese Spezies Mensch vor. Zu meiner Überraschung hatte ich jedoch drei Herren vor mir, die so ganz und gar nicht in das erwartete Bild paßten.

MM: Hey Thomas, - wie aus gut informierten (schlecht situierten ) Kreisen verlautete, hat Euch das Goldfieber gepackt. Seit wann ist diese "Krankheit" bei Dir ausgebrochen?

TS: Seit mir ein guter Freund von seinen sagenhaften Goldfunden (meterdicke Goldadern) im Bayerischen Wald berichtete.

LK: Stimmt, Klaus-Peter Martinek hat uns drei infiziert. Begonnen hat alles mit einer Einladung zu der Eröffnung einer Goldausstellung (Mitte Juli ´98) im Fremdenverkehrsbüro in Riedelhütte.

TS: Die Einladung bekamen wir so im April ´98 und seit diesem Zeitpunkt ist die latente Faszination, die vom Gold ausgeht, in ein regelrechtes "Goldfieber" umgeschlagen.

LK: Schon Wochen vorher fieberten wir der Ausstellung entgegen. Wir sind also zu viert, mit VW-Bus und Zelt nach Riedelhütte, das im Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien liegt, hinuntergefahren. Dank Klaus-Peter Martinek, Forschungsmitglied der Fa. Nachtmann Glasherstellung, der auch Initiator für diese Ausstellung war, klappte das Management ausgezeichnet. Der Standplatz für den VW-Bus und der Platz für das Zelt waren bereits vorbereitet.

TS: Es gab ein umfangreiches Rahmenprogramm auf dieser Ausstellung mit Square Dance und eben Goldwaschen. Zunächst hatten wir Gelegenheit, jeder für sich, die Schau zu begutachten. Wer bisher noch gezweifelt hatte, hier bekam er die Inspiration zum Goldwaschen. Viele aktuelle und historische Funde wurden, durch Bildmaterial und historischen Gerätschaften ins richtige Licht gerückt, hier präsentiert. Bei dem Anblick dieser Funde wuchs die Faszination noch weiter und das "Fieber" stieg.

LK: Nach der offiziellen Eröffnung der Ausstellung, einer Ansprache des Bürgermeisters und einem Vortrag der Fa. Nachtmann über die Historie der Gold-Rubin-Glasherstellung, lauschten wir gespannt dem Vortrag von Klaus-Peter Martinek über seine Diplomarbeit "Goldfunde im Bayerischen Wald". Hier ging es um Funde in den Flüssen und Bächen rund um den großen Falkenstein. Es wurde uns immer heißer.

EM: Gut daß es ein kaltes Buffet und Freibier gab, so konnten wir wenigstens unser "Goldfieber" innerlich etwas kühlen.

LK: Gut angeheitert haben wir dann noch die Square-Dance-Gruppe am Lagerfeuer getroffen. Es wurde eine feucht fröhliche und noch etwas laute Nacht. Klaus-Peter hat sich am nächsten Tag fürchterlich für uns geschämt, na ja so schlimm waren wir auch wieder nicht.

TS: Immerhin wurde uns von den Einheimischen bestätigt, daß wir gute Bayern sind.

LK: Erich war vor allem sehr darum bemüht und mußte etwas getragen werden.

EM: Dazu fehlt mir leider jegliche Erinnerung, ich kann mich nur noch an das letzte Bier erinnern.

MM: Nach den Erfahrungen mit dem "Gold im Glase", - wann habt Ihr Eure ersten Erfahrungen im Goldwaschen gemacht?

LK: Gleich am nächsten Tag. Gustav Steier - ein "alter Hase" in diesem Metier, der auch die Ausstellung mit seinen Funden, Photos und Informationen bestückt hat, hat uns zum Goldwaschen an den Großen Regen bei Zwiesel mitgenommen.

MM: Ist der Bach bekannt für Gold?

TS: Nein, Einheimische waren sehr verwundert, daß wir dort Gold gefunden haben. Das ist auch Grund dafür, daß dort der "Goldrausch" noch nicht ausgebrochen ist.

LK: Gustav Steier, führte uns an eine Fundstelle, die zu diesem Zeitpunkt sehr trächtig war. Wir haben tatsächlich in jeder Pfanne zwischen null und acht Stück gefunden.

MM: Wie muß man sich die Goldfunde vorstellen - Klumpen, große Körner?

TS: Nein, die "Flinserl" bewegen sich im Schnitt zwischen 0,3 mm und 2 mm. Den größten Fund des Tages hatte der Erich mit einem Nugget von 5 mm. Ein Riesenglück und purer Zufall.

EM: Dem Zufall habe ich wohl nach dieser Nacht leid getan.

MM: Und wie war die Ausbeute des Tages?

LK: Wir haben den ganzen Tag lang gewaschen. Am Abend hatte jeder zwischen 85 und 100 Körnchen in Größen von 1-2 mm gefunden.

MM: Ludwig hat vorher von einer Pfanne gesprochen, wie muß man sich das "Goldwaschen vorstellen?

TS: Zunächst brauchst Du eine Waschpfanne, am besten aus schwarzem Kunststoff.

MM: Wieso muß die denn schwarz sein?

TS: Wegen der besseren Sichtbarkeit der Nuggets. - Du siebst den Flußkies mit einem weitmaschigen Gartensieb vor, so daß die größeren Steine bereits verworfen werden. Das vorgesiebte Material wäschst Du dann in der Pfanne.

MM: Klingt ja fast wie ein Kochrezept.

TS: Durch die kreisende Bewegung der Pfanne werden die leichteren Teilchen herausgeschwemmt, bis nur noch ein Konzentrat aus schweren Mineralien wie Schörl, Granat und Saphir übrigbleibt. Darunter findet sich mit etwas Glück auch das Gold.

MM: Die erste Million ist ja bekanntlich die schwerste, wie lange denkst Du, wirst Du brauchen?

TS: Sieben Stunden für ein Gramm Gold - das Gramm liegt derzeit bei ca. 15 DM, na ja rechne mal selber ...

MM: Auf gut Deutsch, die nächsten Zahnkronen sind gesichert.

TS: Auf jeden Fall haben wir unsere Funde am Abend gefeiert. Auch den "Hosentüalwetza" haben wir gelernt.

MM: Hosentürl - was?

TS: Auf Hochdeutsch .... den Schieber.

MM: Danke für diese Einführung in den bayerischen Dialekt - und wie gings weiter?

TS: Kein Kommentar - aber ausgiebig. Einige Frauen wollten, nachdem sie unsere Funde gesehen hatten, sogar mit auf die Suche gehen. - Sie waschen wohl lieber Gold als die Wäsche ihrer Männer.

LK: Leider hat es am nächsten Tag geregnet. Wir sind also in den Nationalpark gegangen. Hier ist es strengstens verboten, von den markierten Wegen abzugehen, das heißt Goldwaschen ist hier nicht möglich. Ein "ich habe mich verlaufen", sollte man sich hier nicht erlauben.

MM: Damit war Euer "Goldfieber" dann wohl beendet.

LK: Nicht ganz, Mitte Juli bin ich mit dem Thomas nochmals an den Großen Regen gefahren und wir haben wieder sehr ordentlich gefunden. Auch mit Gustav Steier bin ich in der Zwischenzeit unterwegs gewesen. Zunächst haben wir den "Goldbach" aufgesucht, der kurz hinter Bamberg liegt. Der "Goldbach" ist ein etwa 30 cm breites Rinnsal, der durch eine Wiese fließt und der so jung ist, daß die Goldkristalle nicht durch die Fließgeschwindigkeit des Wassers "zusammengedengelt" werden. Hier bleibt das Gold in Blechen bzw. teilweise sogar in kristalliner Form erhalten. Hier haben wir sehr gut gefunden. Am nächsten Tag haben wir einen weiteren Bach mit ähnlich gutem Erfolg besucht.

MM: Thomas, wie oft warst Du jetzt schon in Sachen Gold unterwegs?

TS: Bisher nur am Wochende, insgesamt drei Mal. Von München aus ist man ja schnell drunten. Ca. 2 ½ Stunden und man ist an der "Waschstelle".

MM: Wie ihr mir bestätigt habt, kann man ja mit der Goldsuche nicht besonders reich werden. Was macht für Euch den besonderen Reiz am Gold aus?

LK: Das ist eigentlich ganz einfach. Es sind mehrere Faktoren. Wir sind ja Mineraliensammler und somit ist das Element Gold von Haus aus schon Reiz genug. In welcher Größe ist dabei vollkommen egal. Zum zweiten ist man den ganzen Tag an der frischen Luft, bei jedem Wetter, ob es regnet oder die Sonne scheint. - Es ist natürlich schöner, bei knallender Sonne mit der Badehose im Bach zu stehen und zu waschen.

TS: Mich reizt, das Gold selbst zu finden. Natürlich auch die Erinnerungen, die wie ein Pokal für einen schönen Tag sind.

EM: Für mich ist einfach die Atmosphäre reizvoll, das ganze Drum herum. Nicht ausschließlich das reine Finden macht den Reiz. Nach einem anstrengenden Tag, am Abend bei ein paar Bier oder einem Flascherl Wein zusammen zu sitzen und das Erlebte nochmal revuepassieren zu lassen, das gehört dazu. Für mich ist aber immer der erste Tag entscheidend. Wir hatten Glück und haben gut gefunden. Wäre es nicht so gewesen, bin ich mir nicht sicher, ob ich weiter gemacht hätte.

LK: Für mich ist ein wichtiger Grund natürlich auch die körperlich Anstrengung. Wenn man den ganzen Tag gebuddelt und gewaschen hat, ist man Abend todmüde, fix und fertig - ein gutes Gefühl. Nicht vergessen, darf man auch die Spannung, die beim Goldwaschen dabei ist. Der Reiz, wenn man 4-5 Kilo Sand durchgewaschen hat, festzustellen, ob Gold mit dabei war. Das Streben, ein größeres oder schöneres Stück bzw. ein Nugget oder ein Stück auf Muttergestein bzw. eine Gold-Quecksilberverbindung zu finden.

Es gibt aber gerade bei Erich noch einen wichtigen Grund für das "Goldfieber". Als Micromounter ist es natürlich immer interessant, ob man jetzt z.B. kleinste Monazite oder Goldflinserl in den verschiedensten Farben und Formen sucht, - es ist ein Micromount. Es ist Illusion, Nuggets von ein paar Gramm in Bayern zu finden, aber unter dem Mikroskop sehen die Funde phantastisch aus.

MM: Ein sehr zeitaufwendiges Hobby kann ich mir vorstellen. Gab es denn schon "Verluste" zu beklagen?

TS: Im wahrsten Sinne des Wortes. Gitti, die Lebensabschnittsgefährtin von Ludwig ist beim Goldwaschen ausgerutscht und hat sich ein Bein gebrochen. Ertrunken ist noch niemand. Weitere Opfer sind natürlich die Ehefrauen und Freundinnen, die aber für unser "Goldfieber" das nötige Verständnis aufbringen.

MM: Wie lange wollt Ihr dem "Goldfieber" eigentlich noch nachgeben?

LK: Also jahrelang möchte ich das nicht machen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Gustav Steier das macht, über Jahre in die selbe "Ecke" zu fahren. Ich möchte mir aus den verschiedenen Bächen und Fundstellen eine kleine Kollektion zusammenstellen. Augenmerk lege ich dabei auf die verschiedenen Größen, Formen und Farben. Das eine oder andere Mal werde ich wohl noch dorthin fahren.

MM: Wie sieht Eure weitere Planung konkret aus?

TS: Geplant ist, die umliegenden Bäche nach neuen Fundstellen auszukundschaften, denn alle Wasserläufe rund um den Großen Falkenstein könnten goldhaltig sein.

MM: Bleibt uns nur zu hoffen, daß wir viele Eurer Funde in der nächsten Vereinsvitrine "Eigenfunde ´98 " bewundern dürfen.

Herzlichen Dank für das Interview

Christoph Schuhmann