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Exkursion der Arbeitsgruppe Micromounter nach Ungarn
Ein Reisebericht von Peter Köhlen


Wunderschöne Weinlandschaft
Am 10.10.1998 frühmorgens um 6.00 Uhr verließen wir München auf der Autobahn in Richtung Salzburg. Um 7.30 Uhr trafen sich alle Teilnehmer hinter Salzburg an der Raststätte am Mondsee. Die Teilnehmer waren Elfriede Bog, Arpad Hertl, Peter Köhlen und und Wolfgang Schönfeld mit Ehefrau.

Nach einer kurzen Rast ging es weiter über Wien nach Sopron (Ödenburg) in Ungarn, nach Sarvar und weiter auf der Straße Nr. 84 bis Sümeg, wo wir um die Mittagszeit ankamen.

Sümeg ist eine kleinere Stadt im Balaton mit einer imposanten, gut erhaltenen Burgruine auf einem 87 Meter hohen Kalkriff. Der Ursprung der Burg geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Nach dem Bezug der einfachen, aber sauberen Quartiere in einem Privathaus (nur Arpad wohnte nicht mit uns zusammen, er war bei Bekannten untergebracht) lud das schöne Herbstwetter zu einem Stadtbummel mit Kirchenbesichtigung ein.
Natürlich durfte eine Besichtigung der Burg nicht fehlen. Wir hatten Glück; im Burghof wurden Ritterspiele gezeigt. Die Geschicklichkeit der Darsteller im Umgang mit den Pferden, ihre Treffsicherheit bei Lanzen-, Bogen- und Axtübungen war beachtlich.

Den Abend verbrachten wir in einem Restaurant bei sehr gutem Essen und Rotwein (1 Liter unter 5,--). Überhaupt: das Essen und Trinken war in allen Gaststätten sehr reichlich und gut. Allein daher schon ist eine Ungarnreise zu empfehlen.

Am Sonntag, den 11.10. ging es in zwei alte Steinbrüche bei Sümegpraga, die gut versteckt im Wald lagen. Der obere Bruch bot in einigen kleineren Drusen im Gestein Natrolithe, Phillipsite und Calcite. Fündiger waren wir im unteren Bruch, der schon stark überwachsen war und ohne genaue Ortskenntnis kaum zu finden ist. Das Gestein ist hier stark durchzogen von Calcit- und Quarzadern und läßt sich daher gut zerkleinern. Hier fanden wir auf Calcit aufgewachsenen Aragonit.

sechsseitige Basaltsäulen
Am Montag, den 12.10. brachte uns unser Führer Istvan Pajor, der Bahnhofsvorstand von Sümeg, in einen Kalksteinbruch ganz in der Nähe von Sümeg. Neben Fossilien (Hippurites) waren hier Calcitkristalle zu finden. Am Nachmittag suchten wir noch einen aufgelassenen Basaltbruch bei Halap/Zalahalap auf. Äußerst eindrucksvoll waren die sechsseitigen Basaltsäulen, die im mittleren Teil der Wände liegend geschichtet waren, im oberen Teil dagegen senkrecht standen. Der Basalt war unglaublich hart, die Suche nach Mineralien erfolglos. Auf der Rückfahrt besuchten wir noch einen alten Bauxitabbau neben der Straße.

Am Dienstag, den 13.10. fuhren wir morgens zu einem Aussichtspunkt in einem Naturschutzgebiet bei Saghegy. Aus einer Höhe von 278 Meter über NN konnten wir deutlich die Ablagerungen von Lava und Asche in diesem Krater ausmachen. Nachmittags ging es in einen Basaltbruch bei Bazsi. Der Steinbruch gehört der österreichischen Strabag und wird von Herrn Winkler, einem deutschprechenden Ungarn geleitet. Herr Winkler war sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Die Fundmöglichkeiten von Calcit, Manganoxyd, Natrolith, Phillipsit, Pyrit waren nicht schlecht. Jeder von uns schleppte einige Plastiktüten voll mit Material zum Auto.

Am Mittwoch, den 14.10. ging es in einen anderen, ebenfalls noch aktiven Steinbruch der Strabag nach Uszabanya. Hier ist (im Gegensatz zu den bisherigen Fundstellen) der Basalt fast etwas morsch und daher sehr viel leichter zu bearbeiten. In dem weiträumigen Gelände boten sich gute Fundmöglichkeiten. In den Drusen im Gestein konnten Calcite, Natrolithe, Phillipsite, Chabasite, Analcime und Katoite geborgen werden.

Am Donnerstag, den 15.10. fuhren wir in Richtung Plattensee zu einem bekannten Thermalbad namens Hevis. Ein Teil unserer Gruppe wollte unbedingt die heilkräftige Wirkung des Wassers ausprobieren. Alle waren danach begeistert. Der Kommentar einer Teilnehmerin: "Jetzt war ich drin und hab' es gesehen, jetzt reicht es".

Am Freitag, den 16.10. war allgemeiner Ruhetag. Einige Teilnehmer fuhren an den Plattensee, andere fuhren mit unserem Führer Istvan in eine Apfelplantage, um dort Äpfel zu ernten. Den Abend verbrachten wir in der Familie von Istvan, seiner Frau Susanne und ihren netten Töchtern, sowie dem Großvater, der den Wein beisteuerte. Die Familie war äußerst gastfreundlich. Es ist fast nicht vorstellbar, welche Mengen an Speisen und Getränken bei dieser Gelegenheit aufgefahren wurden. Es war ein ungemein harmonischer und geselliger Abend.

Am Samstag, den 17.10. ging es in aller Frühe los in Richtung Heimat. Leider standen wir zu Mittagszeit im Stau vor der österreichischen Grenze. Jeder Kofferraum mußte geöffnet werden. Der Zöllner interessierte sich nachhaltig für das Gewicht und den Wert der von mir gesammelten Steine. Gott sei Dank gab er die Befragung nach einiger Zeit auf. Gegen 16 Uhr waren wir wieder in München.


06.02.1999

Münchener Mineralienfreunde e.V., Münchener Straße 23, 85540 Haar

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