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Den badischen Goldern dicht auf der Spur:

"Goldwaschen auf dem Stundenplan"


Seit 16 Jahren beschäftigen sich die MINIFOSSIs der Friedrich-Ebert-Schule aus dem südbadischen Schopfheim intensiv mit der Goldprospektion und der Goldwäsche. Im Rahmen der Begabtenförderung des Landes Baden-Württemberg arbeiten die Schüler in ihrer Freizeit fächerverbindend und interdisziplinär an geologischen, aber auch an montanhistorischen Projekten.

Um die Eigendynamik auch als methodisch-didaktisches Element zuzulassen gehören neben diesen Arbeitsbereichen auch das Quellenstudium von Fachliteratur, die Makro- und Mikrofotographie, das freie und maßstäbliche Zeichnen, der Modellbau sowie ein umfangreiches Exkursionsprogramm zur erlebnispädagogischen Intention. Die Kooperation mit in- und ausländischen Experten ist dabei ebenso ein wichtiger Bestandteil wie auch der Besuch von Museen und Bergwerken unserer Region im Dreiländereck. Genauso wie der Kommunikations- und Medienbereich - mit Hörfunk- und Fernsehproduktionen sowie dem selbständigen Handling von PC, Scanner, Notebook, E-Mails und Internet. Sie finden uns unter minifossi.pcom.de - ein Besuch lohnt sich!

MINIFOSSI - eine Wortverknüpfung aus Mineralien und Fossilien - blickt auf insgesamt 16 Jahre intensiver Goldwäschererfahrung zurück. Dabei war der Rhein aus naheliegenden Gründen ein bevorzugtes Zielgebiet. Mit insgesamt 226 Rheingoldproben aus unterschiedlichen Waschstandorten des Vorder-, Hoch-, Ober- und Niederrheins haben wir eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, die neben REM(SE/BSE)-Aufnahmen auch die jeweiligen chemischen Analysedaten beinhaltet. Neben dem Gold sind auch die Platinfunde des Rheines interessant - vor allem aber das farbenprächtige Schwermineralienkonzentrat überhaupt: Wohl eines der schönsten Europas!

Rheingold mit Schwermineralien
Rheingold mit Schwermineralien (Badischer Altrhein, 1 - 6 mm)
Foto: AG MINIFOSSI Sammlung: AG MINIFOSSI

Ein Teil dieser Datenbank können Sie unter der Homepage www.goldwaschen.de im Internet abrufen. Dazu gehören alle relevanten Informationen über das Goldwaschen im deutschsprachigen Raum: Fachliteratur, Organisationen, Experten, Fachzeitschriften, Fundberichte, Fundstellen, Exkursionstermine, Werkzeuganbieter, Museen - kurz: Alles was einen Goldwäscher interessiert und was er braucht!

Der Arbeitsbereich Mikroskopie ist gerade in den letzten Jahren durch die Fundbearbeitung von Goldstäuben aus dem Schwarzwald sehr wichtig geworden. Ein spezielles Forschungsprogramm bezieht seit 6 Jahren die Schwarzwaldflüsse mit ein, die als Goldbringer fungieren. So gelangen uns in allein den letzen 4 Jahren 26 Erstnachweise.

Neben der geowissenschaftlichen und montanhistorischen Forschungsprojekten laufen spezielle landeskundliches Projekte: So standen die letzten zwei Jahre ganz im Zeichen der Erforschung von vier mittelalterlichen Glashüttenstandorten - in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt. Wir sind im Rahmen von Prospektionsarbeiten zunächst auf Gold, dann auf Gold mit Quecksilberspuren und schliesslich auf Glasreste gestossen. Dieser kurze Ausflug in nur scheinbar "artfremde" Arbeitsbereiche soll den fächerverknüpfenden Aspekt unseres Projektes verdeutlichen.

Doch zurück zum Gold: Während die Rheingoldflitterchen bei Karlsruhe nur noch im Bereich unter einem Millimeter zu waschen sind - also fast schon dem Goldstaub zuzuordnen sind, erreichen die Flitterchen des südlichen Oberrheins - wo wir waschen - immerhin noch 2 - 4 mm. Wir haben einmal die wichtigsten Informationen über das Rheingold zusammengestellt:

Zur Beschaffenheit: Flitterchen bei Istein 2 - 4 mm groß (bei Karlsruhe 0,2 mm), sehr selten "grobes" Gold oder Bleche, 1 Gramm ca. 20.000 Flitterchen (bei Karlsruhe 1 Gramm = 200.000 Flitterchen) durchschnittlich 22 Karat, der Goldgehalt schwankt jedoch zwischen 92 - 98 Prozent, der Silbergehalt zwischen 2 - 8 Prozent. Die Herkunft des Rheingoldes kann bislang - trotz anderweitiger Literaturangaben - nicht eindeutig bestimmt werden. Wir haben 5 unterschiedliche Goldarten isolieren können.

Unser Golder-Claim am Altrheinn
Unser Golder-Claim am Altrhein
Foto: AG MINIFOSSI

Das Schwerkonzentrat: Granat, Magnetit, Quarz, Hämatit, Ilmenit, Zirkon, Rutil, Zinnstein, Korund, Platin etc.. "Beifang" beim "Goldern": "Rheinkiesel" (abgerollter Bergkristall) : Sie wurden in der Breisgaumetropole und Münsterstadt Freiburg zu beliebten Schmucksteinen geschliffen. Sehr wichtig war der "Streusand" (oder "Schwarze Sand") für die Amtsstuben und Kanzleien - der Verkauf brachte für die Golder mehr Erlös als das gewaschene Gold, das von der Karlsruher Münze oft unter dem amtlichen Goldpreis angekauft wurde (Schwarzmarkt).

Über die Gewinnungsmethode, die Golderträge, die Verwendung und Literatur können Sie sich umfassend unter
minifossi.pcom.de/rheingld.htm informieren.

Mikronuggets aus dem Rhein (3 mm, 5 mg)
Eine wirkliche Seltenheit: Mikronuggets aus dem Rhein (3 mm, 5 mg)
REM-Foto: Dr. Rudolf Pock Sammlung: MINIFOSSI

Sie sehen: Das "Verdichten" in der Waschpfanne gelingt uns genauso gut wie das von Informationen. Es macht Spass, sich mit vielen unterschiedlichen Aspekten zu einem Thema auseinanderzusetzen. Neben Ausstellungen - insgesamt 26 im In- und Ausland - sind die Führungen von Gästen, die zum Goldwaschen kommen, zu einem bei den Schülern begeistert aufgenommenen Programmpunkt geworden.

Da sich die Mineralienfreunde München für unsere Arbeit interessieren und uns - alles via Internet - auch schon einmal mit Rat und Tat zur Seite standen - möchten wir uns dafür nicht nur an dieser Stelle recht herzlich bedanken, sondern uns gleich revanchieren: Wir bieten Ihnen einen speziell geführten Waschgang zur deutschen und französischen Rheinseite (mit Fundgarantie), ein richtiges Golderzertifikat mit Analysewerten des gefundenen Goldes sowie einen Dia-Vortrag über die aktuellen Forschungsergebnisse des legendären Rheingoldes und des sagenumwobenen Schwarzwaldgoldes. Vor Ort erhalten Sie eine Führung durch die Rheinauelandschaft und erfahren Wissenswertes über Fauna und Flora - und alles über das Gold! Und vorab eine Probe unseres berühmten Markgräfler Gutedels - damit die Flitterchen "nachher" ein bisschen grösser werden! Na, wie wär´s?

Den Münchner Mineralienfreunden - aus dem befreundeten Ausland - ein ganz besonderes Glückauf - für alle Dinge des Lebens!

Für das Minifossi-Team: Werner Störk, AG- und Projektleiter
Last update 14.11.1998

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