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    Mineraliensuche in Utah und Nevada (USA)




    In den Pfingstferien 1998 machten sich die Vereinsmitglieder Paul Schäfer, Hermann Brunner, Armin Hanneberg sowie Martin Klöckner aus Stuttgart auf eine abenteuerliche Reise in den "Wilden Westen". Nach 15 anstrengenden Stunden im Flugzeug erreichten wir Salt Lake City in Utah, am östlichen Rand des "Great Bassins", einer von Sierra Nevada und Rocky Mountains begrenzten Hochebene.
    Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Städten macht Salt Lake City einen sehr ordentlichen aufgeräumten Eindruck. Etwa 80% der ca. 200.000 Einwohner gehören der Religionsgemeinschaft der Mormonen an, die hier ihr geistiges und kulturelles Zentrum hat. Für fast zwei Wochen sollte dies die letzte größere Siedlung sein, die wir zu Gesicht bekamen. Wir mieteten hier einen Chevrolet-Kleinbus mit Allradantrieb, der sich auf den Schotterstraßen als sehr nützlich erwies.

    Unsere Route führte zunächst von Salt Lake City auf dem Highway No. 15 in Richtung Provo. Im Westen erkennt man riesige Halden im Gebirge, die von der Kupfergrube Bingham Canyon stammen, einem der größten und tiefsten Tagebaue der Welt. Einige Meilen südlich von Provo zweigten wir auf den Highway No. 6 in Richtung Eureka ab. Der Ort liegt im Tintic Mining District und hat schon glanzvollere Zeiten gesehen. Viele Häuser bzw. Hütten sind bereits seit langer Zeit verlassen. Von 1869 bis 1978 wurden hier neben Blei, Kupfer, Zink auch Gold und Silber gefördert. Seit einigen Jahren werden wieder alte Halden der "Mammoth Mine" zur Goldgewinnung abgefahren; eine gute Möglichkeit einige der mehr als 160 von hier beschriebenen Mineralien zu finden: z.B. Tirolit, Olivenit, Brochantit, Malachit, Azurit, Konichalcit und ein noch nicht bestimmtes gelbgrünes hexagonalblättriges Mineral.

    Dem Bergbau interessierten Besucher bietet sich auch die Gelegenheit, eine Goldgewinnungsanlage in Betrieb zu sehen. Auf einer etwa fußballplatzgroßen mit Plastikplanen abgedeckten Fläche wird das Erz durch Sprinkleranlagen mit einer giftigen Cyanidlauge benetzt, um das Gold aufzulösen. Die goldhaltige Lösung wird anschließend abgepumpt und das Edelmetall mit Elektrolyse abgeschieden. Derartige Anlagen sind wohl nur in einer fast menschenleeren Gegend möglich!


    Thomas Range
    Vorbei an den großen Sanddünen der Little Sahara, an deren Flanken zahlreiche Motorcrossmaschinen und Buggies entlang jagen, ging es weiter nach Delta (Entfernung Salt Lake CityDelta ca. 200 km), dem Ausgangspunkt für die Thomas Range.

    Wir kamen im Motel "The Rancher" unter, das für sein sehr gutes "Seafood" bekannt ist. Für wenig Geld kann man hier auch einmal einen Hummer probieren. Das typische amerikanische Frühstück ist allerdings auf Dauer nichts für den deutschen Geschmack. Sehr viel, wenn auch cholesterinfreies Fett!
    Auf einer befestigten Straße fuhren wir jeden Tag etwa 70 km bis ans Südende der Thomas Range. In der einsamen und weiten Steppe waren Antilopen und Erdhörnchen unsere Wegbegleiter. Die Fundstellen im Gebirge sind über Schotterwege gut erreichbar. Die Gegend hat aufgrund ihrer Höhenlage zwischen 1400m und 2100m Seehöhe Kaltwüstencharakter. Die Temperaturen steigen im Sommer nicht über 40 Grad, während im Winter bis zu -12 Grad herrschen.

    Fundort für Topas und Beryll: die Thomas Range
    Das Arbeiten im zähen Rhyolith ohne schattenspendende Büsche war sehr anstrengend. Aber die Funde ließen alle Mühen vergessen: sehr schöne Topase (Kristalle von mehreren cm), Bixbyit, Pseudobrookit (4 cm) und als Seltenheit kleine Morganite.

    Nach vier sehr erfolgreichen Tagen in der Thomas Range verließen wir die Gegend und fuhren auf Schotterstraßen entlang der Pony-Express-Route etwa 160 km nach Gold Hill. Beeindruckend waren vor allem die großen Weiten und die Einsamkeit. Während der ganzen Fahrt nach Goldhill sind wir einem oder zwei anderen Fahrzeugen begegnet. In diesem Bergbau Distrikt wurden seit der Entdeckung Gold, Silber, Blei, Zink, Kupfer, Wismut, Wolfram und Arsen abgebaut. Das reichhaltige Elementangebot und eine tiefgreifende Oxidation lieferten mehr als 100 verschiedene Mineralien. Uns gelangen Funde von Quarz (Japaner Zwilling), Austinit, Cuproadamin, Olivenit, Konichalcit, Mixit, Cuprit, Malachit, Andradit, etc. Im Gebiet kommen Klapperschlangen vor! Unachtsamkeit beim Umdrehen von Steinen könnte tödliche Folgen haben.
    Mit genügend Rotwein hielten wir eine kalte Nacht im Freien aus. Am nächsten Tag überschritten wir die Grenze zwischen Utah und Nevada und machten einen kurzen Abstecher in den Great Bassin National-Park. Hier säumten viele blühende Kakteen die Straßenränder. Auch die Tropfsteinhöhle Lehmann Cave ist sehenswert. Zwischenzeitlich zogen dunkle Wolken auf, die für unsere weitere Reise in Nevada und Kalifornien ständige Begleiter waren. Nach Aussage Einheimischer war für dieses außergewöhnliche Wetter in der Wüste das Wetterphänomen El Nino verantwortlich.

    In Ely bezogen wir wieder ein Motel und wuschen uns den Wüstenstaub ab. Ely, ein Bergbauort, ist in Sammlerkreisen bekannt für die Fundstelle schöner scharfkantiger Granatkristalle am Garnet Hill. Einige Stunden an der Fundstelle im Kiefernwald genügten, um für jeden ein schönes Stück zu finden. Am Abend waren wir bei einem aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Sammler eingeladen, der uns mit herzhafter serbischer Küche und viel "Slivo" verwöhnte.

    Am nächsten Tag ging es weiter auf dem Highway No. 50, der angeblich der einsamste Highway der USA sein soll. Wir unternahmen einen Abstecher zu einer Geisterstadt namens Berlin und dem in der Nähe liegenden Ichthyosaurier-Park. Das Vorkommen von etwa 10 bis 15 m langen Saurierskeletten wurde während der Goldgräberzeit Anfang dieses Jahrhunderts entdeckt.

    Nach einer Gesamtstrecke von ca. 600 km erreichten wir am Abend den Mono Lake am Fuße der noch schneebedeckten Sierra Nevada. Aus dem Mono Lake bezieht die kalifornische Großstadt San Francisco das Trinkwasser. Sorgloser Umgang mit Wasser führte zu einem starken Absinken des Wasserspiegels, so daß durch Quellwasser entstandene Tuffsäulen bizarr einige Meter aus dem Wasser herausragen.
    Für den nächsten Morgen planten wir einen Ausflug in den Yosemite-National-Park. Leider blieben wir schon am Tigora Pass in ca. 2900 m SH hängen. Hier lag noch mehr als ein Meter Schnee und die Straße war gesperrt. So fuhren wir wieder aus der Sierra Nevada in die Ebene und erreichten am Nachmittag Carson City, die Hauptstadt Nevadas. Sehenswert ist das in der ehemaligen Münze untergebrachte Bergbaumuseum. In den Antiquitätengeschäften der Gegend kann man einiges über den alten Bergbau finden (Lampen, alte Fotos, etc.). Am Abend besuchten wir eine der zahlreichen Spielhallen, um günstig zu essen (Buffet für 7 $) und unser übriges Kleingeld dem einarmigen Banditen anzuvertrauen.

    Von Carson City erreicht man mit dem Auto in einer guten halben Stunde den auch aus vielen Western bekannten Bergbauort Virginia City, heute eine Touristenmetropole. Um 1859 wurde hier eine der reichsten Edelmetallvorkommen der Welt - die Comstock Lode - entdeckt. Virginia City, Nevada
    Die ersten Digger suchten hier eigentlich Gold und ließen den schwarzen Silberglanz unbeachtet. Bald wurde aber die Bedeutung dieses bis zu 100 m mächtigen Erzkörpers erkannt und ein Silberboom setzte ein. Von der Entdeckung bis zum Ende des großen Booms um 1890 hatte die Lagerstätte etwa 4800 Tonnen Silber und 300 Tonnen Gold geliefert. Die Arbeitsbedingungen untertage waren extrem. In einigen 100 m Teufe erreichte man schon Temperaturen von fast 70 Grad Celsius. Viele Bergleute überlebten die Strapazen nicht lange. Auf dem Friedhof kann man zahlreiche Grabsteine jung verstorbener Bergleute entdecken.
    In Virginia City ist die Bergbauvergangenheit noch allgegenwärtig. Das Stadtbild hat sich ca. 100 Jahren nicht mehr wesentlich verändert. Heutzutage wird man aber nicht mehr mit Silberadern, sondern mit Andenkenläden reich. Möchte man dem Touristenrummel entkommen, dann empfiehlt es sich den Stadtbummel sehr zeitig anzutreten. Auf jeden Fall einen Besuch wert ist das Bergbaumuseum und der Mark Twain Bookshop (Bergbauliteratur). Die von uns besichtigte Chollar Mine ist nicht so eindrucksvoll. Für 5 $ Eintritt war nicht viel zu sehen. In der Umgebung von Virginia City soll es auch eine Amethyst-Fundstelle geben. Das Regenwetter ließ uns aber von einem Besuch Abstand nehmen.

    Das letzte Ziel unserer Reise war die ca. 60 km nördlich von Reno an der Grenze zu Kalifornien gelegene Petersen Peak Kette. Hier werden einige Claims auf Szepteramethyst betrieben. Die wohl schönsten und bis zu 40 cm großen Amethyste liefert die Hallelujah Junction. Gegen eine Gebühr von ca. 100 $ darf hier gesammelt werden. Das schwere Räumgerät inklusive Caterpillar stellen die Claimbesitzer. An unseren Besuchstagen war der Claim leider belegt, so daß uns nur die Abraumhalden und die Felswände außerhalb blieben. Trotzdem konnten einige schöne rauchige oder violette Szepterquarze gefunden werden. Die freien Stunden vor unserer Abreise nutzten wir in der Spielerstadt Reno noch zum Einkaufen und Stadtbummeln. Am nächsten Morgen nach 14 Tagen im Wilden Westen brachte uns eine Boing 767 wieder wohlbehalten nach "Old Germany" zurück.

    einige Literaturhinweise:

    • Holfert, J., Mroch, W. & Fuller, J., 1999. A Field Guide to Topaz and Associated Minerals of the Thomas Range, Utah (Topaz Montain); Vol. 1, im Druck.
    • Kokinos, M. & Wise, W.S., 1993. The Gold Hill Mine, Tooele County, Utah; The Mineralogical Record, Vol 24, No. 1, pp. 11-22.
    • Schuhbauer, E., 1988. Mineraliensuche in Nevada und Utah; Lapis, 13, Nr. 5, pp. 11-27, München.
    • Wallace, R., 1995. Goldgräber und Bergarbeiter, Time-Life, Amsterdam.
    • Wilson, J.R., 1995. A Collector s Guide to Rock, Minerals & Fossil Localities of Utah; UGS Publication, ISBN 1-55791-336-6.
    AH 1999

    Last update 13.02.1999

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