Logo  Münchener Mineralienfreunde e.V.
   Verein zur Förderung der Geowissenschaften, MM e.V.
   Schriftführung Ingrid Bode
   Ideeller Träger der Frühjahrsmesse und der Mineralientage München

Zurück
zum Archiv
"Hauyn"
  • Farbe: blau, grünblau, rot, weiß, grau
  • Strich: bläulich, weiß
  • Glanz, Refraktion: Ggl., fettig, 1.490 bis 1.505
  • Transparenz: durchsichtig, durchscheinend
  • Härte: 5,5-6
  • Dichte: 2,4-2,5
  • Spaltbarkeit: sehr gut
  • Bruch: muschelig
  • Ausbildung: isometrisch, würfelig, derb, körnig
  • System: kubisch
  • Vorkommen: eingewachsen, Auswürflinge, Tuffe, Laven
  • Begleitminerale: Leucit, Nephelin
  • Ähnliche: Sodalith, Nosean, Lasurit
  • Formel: (Na,Ca)8-4(SO4)2-1[(AlSiO4)6]
Oft wurde Hauyn (benannt nach dem franz. Mineralogen Haüy) als Nosean bestimmt oder auch einfach nur als Sodalith "deklassiert"....Hiermit sollte man sich aber nicht zufrieden geben.

In der Gruppe der Sodalith-Mineralien gehört Hauyn als CaSO4-haltiger Foid in den SO2 armen Magmagesteinen zu den leukokraten (hellen) Mineralien. Seine chemische Zusammensetzung kann aufgrund von Mischkristallisationen differieren.

So ist dieser Feldspatvertreter oft als verwachsener Bestandteil in den Eruptivgesteinen der Eifelvulkane anzutreffen.
Diverse Basalte, Tuffe, Sande und Schlacken aus den verschiedensten Ausbrüchen enthalten ihn.

Sehr beliebt ist auch heute noch der Bruch der Fa. Schmitz, wie in allen Steinbrüchen verbieten Schilder am Eingang das Betreten. Trotzdem wird hier fleißig gehortet und gesammelt.
  

Die derben oder körnigen Einsprenglinge im Mendiger trachitischen Bimstuff zeigen selten Kristallflächen. Einige Millimeter große lose Kristallfragmente lassen sich in bestimmten Schichten finden.
Es wird wohl keinen Bruchbesitzer geben, der so ohne Weiteres das Betreten seines Betriebsgeländes erlaubt.
Zum einen stellt sich die Haftungsfrage und zum anderen lagern in solchen Firmen auch Betriebsmittel von beträchtlichem Wert.
Wer sieht schon gerne ein Kind mit seinem Bagger spielen oder weit vorgebeugt über den Schlund eines Brechers hängen?
In der ganzen Region finden sich umgelagerte Sande, die ebenfalls als Fundmöglichkeit für viele Mineralien dienlich sein können. Einen "normalen" Sandsammler wird die mineralogische Zusammensetzung zwar wenig interessieren, trotzdem möchte ich auf das faszinierende Erscheinungbild solcher Fraktionen unter dem Mikroskop hinweisen !
Diese Umlagerungen fanden unmittelbar während nach und nach der Eruption statt, noch heute kann man die teilweise wieder aufgefüllten Erosionsfurchen um den Laacher See wiedererkennen.
Auf den Feldern um den Laacher See findet man in den sogenannten Gleeser- oder auch Laacher-Lesesteine (subvulkanischen Auswürflingen aus einer Tiefe von mehr als 10 km) oft xenomorphe Fragmente, selten auch Einzelkristalle vieler Minerale, darunter auch Hauyn.
Diese "Gleesite" aus Eruptionen von rund 11000 Jahren (Hauyn-Sanidin-Gabbro, Hauyn-Monzodiorit, Hauyn-Syenit und andere) sind oft leicht an ihrem hohen spezifischen Gewicht zu erkennen und erscheinen beim Zertrümmern als hochinteressante Schwermineralkonglomerate.
Auch älteren Vulkanite , wie z.b. in dem Hauynnephelin-Leucitophyr und dem Hauynnephelin-Leucitophyrtuff (Leuco-Hauyn-Nephelin-Leucitit) des Perlerkopf (Bl 5508) ( 320000-390000 Jahre) ca. 4 km nordöstlich von Kempenich enthalten Hauyn. Mit ca. 8,1 Vol% ist es also hier nicht besonders schwer, einige Muster zu finden.
Durch die gute Spaltbarkeit und den muscheligen Bruch bleiben meist nur körnige Bruchstücke erhalten.
In Poren oder Blasenräumen der quartären Vulkanite findet man Übergängen zwischen Würfel und Rhombendodekaeder, oft auch nur farblos und klar, dann meist unscheinbar und daher auch schwer zu erkennen.
Verschiedene kräftige Färbungsvarianten sind möglich und eigentlich auch recht verbreitet.
Dem dann auffallenden Mineral verleiht dies zusammen mit anderen Eigenschaften seine eigene Faszination, so bemerkte ich eine leuchtend rote Lumineszenz im UV-Licht und das bei einem tiefblauen Hauyn-Kristall in einem Basaltanschnitt aus dem Mayener Leucit-Nephelin-Tephrit der MAYKO.
Im nachhinein betrachtet sollte diese Eigenschaft durch seine Gruppenzugehörigkeit eigentlich nicht verwundern.

In den grauen Laachersee-Tuffen kommen Hauyne zusammen mit metamorphem Gestein aus dem Untergrund besonders oft vor. Die neu entstandenen Mineral-Kompositionen sind in den umgewandelten Auswürflingen meist weitaus interessanter als das umgebende weiße Vulkanglas.
Wenn man sich nun vorstellt, dass z.B. Kupferkies, Baryt, Bleiglanz, Mangan oder einfach auch nur quartärer Ton mit diesem Brutofengestein reagiert, so sind die berechtigten Erwartungen an differente Fundmöglichkeiten groß.
Auch stark umgewandelte Fossilien (Äste, Wurzeln usw.) lassen sich mit etwas Glück in einigen Schichten finden.

Hier entstehen ebenfalls neue Mineralien, manchmal wurden diese dann zusammen mit den bereits vorhandenen Mineralien durch Gasaustritte oder einfach nur Grund- oder Mineralwasser zu interessanten Gemeinschaften vergesellschaftet.


Die Schlacken des Hochsimmers enthalten etwas größere blaue Kristalle. Im Basalt muß man etwas länger danach suchen, dafür ist dieser besonders kräftig in der Farbe.

Weitere Hauyn-Fundorte in der Eifel sind z.B. der Leucit-Nephelin-Basalt des Firmerichs bei Daun (BL5707) oder der Leilenkopf bei Niederlützingen (BL5509), bei letzterem haben Mineralwassereinwirkungen des Brohltals oben beschriebene Sekundärmineralisierungen hinterlassen. 
Auch im LAPIS JANUARY 1998 (http://mineralogie.com/lapiseng/vol23/) wurde ein interessantes Thema angeschnitten:
" Remarkable Find: Hauyn Crystals from Teneriffa by Conrad Linde", hier sieht man ebenfalls, dass dieses Mineral oft nicht sofort als solches erkannt wurde ...
Obwohl Hauyn mit seiner Härte von 5,5-6,0 eigentlich nur bedingt als Schmuckstein zu gebrauchen ist, wird er oft, besonders von Einheimischen als solcher verwertet.
Fragen Sie einen Mendiger z.B. nach Hauyn, so werden Sie erstaunliche und merkwürdige Geschichten hören ... ( :-) lol). So sagte eine ältere Frau aus Mendig zu mir: "Dat hileft jähn de bühse Blick"...
Zuletzt möchte ich es jedoch nicht versäumen, den Bellerberg als Fundort zu erwähnen. Als Bewohner von Ettringen habe ich einen ganz besonderen Bezug zu dieser wirklich einmaligen Eifeler MM-Schatzgrube.
Ein Tag in diesem Bruch beschert Wochen an Auswertungen, wobei die vielen stark metasomatisch veränderten Xenolithe jeden Tag neue Überraschungen zu zeigen wissen.

So ist die Vielfalt der Mineralien in räumlicher Nähe derart erstaunend, dass man über so manche gut gemeinte und eigentlich sachlich richtige Fachliteratur lächeln kann.

Die lokalen Mikroreaktionsöfen in kontaktmetamorphem Gestein bringen so einige berauschende Anblicke im Mikroskop zum Vorschein.

Es findet sich z.B. Tridymit in relativer Nachbarschaft zu Hauyn, zwei Welten treffen aufeinander...

Hierzu vielleicht (wenn Timm hartnäckig genug ist) später mehr.

Bernd Klein, An der Pumpe 8, 56729 Ettringen Tel: 0049/2651/5547


Last update 14.09.1999

Münchener Mineralienfreunde e.V., Münchener Straße 23, 85540 Haar

Zum Seitenanfang