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"Habachtaler"

Legbachscharte im Herbst, rechts oberhalb des Quarzfelsens befindet sich das BergwerkFür die einen ein alter Hut, für andere eine Sucht, für manch einen gänzlich unbekannt.

Ich muß zugeben, es hat auf mich schon einen gewissen Reiz dargestellt, seinerzeit als ich als Jugendlicher noch in Nordhessen wohnte - das Smaragdvorkommen in Salzburg. So jedenfalls stand es in meinem ersten kleinen Buch "Mineralien und Gesteine":

    Smaragd ... Vorkommen:... Salzburg.
Nichts stand da von Habachtal oder Leckbachrinne im Oberpinzgau. Lediglich Salzburg - eine sehr dürftige Angabe für einen "Preiß'n" , der es dann auch geschafft hat, als er das erste mal 1978 in Salzburg war zu fragen, wo es denn hier nun die Smaragde gäbe.

Einige Zeit später als "Zuagroaster" in München hab ich mir dann das Buch "Die Mineralien der Alpen" von Carlo Maria Gramaccioli zugelegt. Hier fand ich dann in Band 2 Kapitel 44 "Die Hohen Tauern" genauere Hinweise:

    "Ein weiteres Seitental mit überaus reichen Mineralvorkommen ist das Habachtal, das durch seine für die Alpen einmaligen Smaragde berühmt geworden ist. Sie sind zwar klein, aber nicht selten gut ausgebildet und schön gefärbt."
war hier zu lesen. Weiter hieß es:
    "In der Leckbachrinne fand ein regelrechter bergmännischer Abbau statt um Sammlerstufen aber auch schleifbares Material zu gewinnen. Auch heute noch kommen besonders bei Wascharbeiten im Schutt gute Stücke zum Vorschein."
Aha, interessant, bei Wascharbeiten kann man...., aber was versteht sich eigentlich darunter? Unter Wascharbeiten?

Naja, im Sommer 1988 war es soweit, als ausgeprägter Morgenmuffel begab ich mich gegen 09.30 in München ins Auto.
Über Kufstein, St. Johann, Kitzbühel, Paß Thurn, Mittersill und Bramberg erreichte ich das Habachtal. Eine Schranke am Taleingang versperrte den Weg für die Weiterfahrt. So bin ich gegen 12.00 Uhr los. Rein ins Tal, entlang den romantischen Weg. Jeder Quarzbrocken, der nicht schon von meinen Vorgängern "pulverisiert" war, wurde es von mir. Man weiß ja nie, ob nicht irgendwo ein Smaragd drinsitzt!

Einer der besten Kristalle meiner Sammlung Fund 1990, Kristall ca. 1,8 cm Auf der Alpenrose hab ich gerastet und auf die Frage nach den Smaragden zeigte die Bedienung ‘gen Osten. "Da oben, immer der Karawane nach", meinte sie. Ich tat wie mir geheißen. Auf meinem Weg zum Sedl begegneten mir schon die ersten Sammler die abstiegen. Sie hatten einige Krümel gefunden und zeigten sie mir. Ich war glücklich, festzustellen, es gibt sie wirklich. Mein grüner Traum" war zum Greifen nahe. Gegen 16.00 Uhr kam ich im Sedl an. Ein breites Geröllfeld, in dem sich über Jahrhunderte der Schotter der darüber liegenden Berge und damit auch der Leckbachrinne gesammelt hatte. Nun wurde mir schlagartig klar, was Waschtätigkeit bedeutete. Etliche seltsam anmutende Leute, mit bizarren Sieben - auch "Smaragdfallen" genannt - betätigten sich am Rande des Wassers, um aus dem Schotter grüne Kristalle zu bergen. Wo kein Wasser war, halfen diverse Feuerwehrschläuche. Ein mühseliges Geschäft, wie mir erschien, und da ich keine geeignete Ausrüstung dabei hatte, beobachtete ich noch eine Weile das Treiben der Leute, um dann abzusteigen und nach Hause zu fahren. Mir war klar, mit einem Tagesausflug ist hier nicht viel zu holen. Eine Übernachtung in einer der beiden Hütten der Enzian und der Alpenrose erschien mir notwendig und so bin ich seit 1987 Stammgast der Enzianhütte geworden.



Aquamarin aus dem Bereich der Wiesbachrinne Fund 1992 Kristall 1,4 cm In nunmehr dreizehn Jahren reizen mich am Habachtal nicht nur die Smaragde. Auch andere Minerale gibt es zu finden. Fauna und Flora suchen ihresgleichen.

Im Laufe der Jahre war ich aber auch immer wieder im Bereich der Leckbachrinne - am Smaragdbergwerk, welches seit einigen Jahren von der Familie Alois Steiner Bramberg gepachtet ist. Sie bewahren die Anlagen vor dem Verfall und gehen auch noch einer gewissen Abbautätigkeit nach. So kommt es, dass unterhalb des Bergwerks in der Rinne immer wieder etliche Sammler im Abraum nach ihrem grünen Traum suchen, ihn selten auch finden. Allerdings muss dazu gesagt werden, daß die Angelegenheit hier oben seit ca. 4 Jahren sehr gefährlich ist. Unmittelbar oberhalb des Stollens befinden sich größere Mengen lockerer Felsen, die dafür sorgen, dass - besonders bei Regen und bei direkter Sonneneinstrahlung - sehr häufig Felsen die Rinne herabstürzen. Im Frühjahr, wenn der Frost aus dem über dem Bergwerk liegenden Nasenkopf weicht, kommt es ebenfalls regelmäßig zu Steinschlägen und fast jedes Jahr muß Alois Steiner den Stollengiebel sowie die Waschanlagen vollständig erneuern, da sie von den herabstürzenden Felsen zerschlagen wurden. Trotz all dieser Gefahren ist der Reiz der Smaragde groß genug, etliche "Goldgräber" anzulocken, die hier oben ihr Glück suchen.

Weitere Möglichkeiten, Smaragde zu finden, gibt es im gesamten Bereich von der Leckbachrinne bis hinab zur Alpenrose entlang des Leckbachs.

Mancher, der die ganzen Mühen und Risiken scheut, hat aber seinen Fundort in die Alpenrose oder Enzianhütte verlegt, wo gegen den ein oder anderen Schilling schon mancher "Fund" getätigt wurde.

Das erst am 27.Juli 1988 im benachbarten Untersulzbachtal entdeckte Vorkommen kleinerer aber giftgrüner Kristalle, brachte seinerzeit ebenfalls einige schöne Sammlerstufen. Es liegt heute im Sonderschutzgebiet "Untersulzbachtal" des Nationalparks Hohe Tauern, was jegliche Sammlertätigkeit untersagt.

Rainer Timm

Literatur:

  • H. Pech Smaragde - Gauner und Phantasten Pinguin-Verlag, Innsbruck - vergriffen (1976)
  • Grammaccioli, Die Mineralien der Alpen, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart (1978)
  • Dr. G. Grundmann, Smaragd, extra Lapis No.1, C. Weise Verlag München - vergriffen (1991)
  • G. Niedermayr, Mineralien, Geologie und Smaragdbergbau im Habachtal/Pinzgau, Bode Verlag (1991)


    Last update 01.09.1999

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