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"Klassenführungen bei den Mineralientagen München"
Dr. Günter Grundmann

Schulen erhalten von den Münchener Mineralienfreunden fachliche Beratung und Betreuung in Form von Führungen und Exkursionen. Daraufhin haben sich bei den Mineralientagen 1999 vier Schulklassen vor Beginn ihres Rundganges durch die Messehallen einen kurzen mündlichen Einstieg gewünscht.

Wenn eine Schulklasse zusammen mit ihrem Lehrer an einem Freitag der Geofa/Mineralientage die Messehallen betritt, dürfte sie im ersten Augenblick eher ratlos und überwaltigt sein von der Vielfalt an Ausstellungen und Verkaufsangeboten. Für diese Schnupperphase stehen die Münchener Mineralienfreunde den Gästen gerne beratend zur Seite und dienen nach Wunsch als Orientierungshilfe.

Auf diesem Wege können sich Lehrer und Schüler über unsere Aktivitäten und das Thema Sammeln von Mineralien und Fossilien direkt informieren. Ansprechpartner sind Dr. G. Grundmann, P. Neujean und W. Zahnleiter.

Als erster Treffpunkt in den Messehallen eignet sich die Hauptinformation. Von hier aus können die Gruppen in den Sonderschaubereich und zu anderen Zielen geführt werden. Doch bevor die Lehrer und Schüler sich in den Hallen selbständig umsehen, wollen sie etwas über den Sinn und die Struktur der Mineralientage München, ihre spannenden Sonderschauen und das unendlich große Reich der Steine erfahren.

Als Standort für diese ca. 15 Minuten dauernde Einführung diente auf den Mineralientagen 1999 der großzügig angelegte Freiraum zwischen den Sonderschaubereichen der Ammoniten, der Zwillingskristalle und der faszinierenden Kieselstein-Ammoniten-Installationen von Mary Baumeister.

Dann folgte ein beliebtes, aber auch gefürchtetes Frage- und Antwortspiel mit ein paar grundlegenden Fragen zum Thema "Erde":

  • Was ist ein chemisches Element?
  • Was ist ein Kristall?
  • Was ist ein Mineral?
  • Was ist ein Gestein?
  • Was ist ein Fossil?

    So mancher Schüler, aber auch Lehrer, ging hierbei ein wenig in Deckung. Denn versuchen auch Sie, lieber Leser, einmal aus dem hohlen Bauch heraus diese relativ schwierigen Definitionen widerspruchsfrei zu beantworten. Weiterhin beschäftigten die Schüler folgende Fragen: "Warum ist eine aufwendig in Stein geschnittene Figur billiger als ein unansehnlicher Brocken von nebenan?"

  • "Wie billig ist der billigste Stein?"
  • "Wie lange braucht ein Kristallwachstum?"
  • "Wie tief in der Erde bildet sich ein Kristall?"
  • "Wie alt sind die Saurier geworden?"

    Und dann kam die uns alle am meisten bewegende Frage aller Fragen: Was ist das wert? - Was ist das wert? -- Was ist das wert?

    An dieser Stelle entzündet sich sehr flott eine heftige Debatte, wobei ein jeder von uns heute den Preis der meisten Dinge kennt, deren wahren Wert aber herzlich wenig.

    Jeder Wert ist ein Austauschwert. Tausche zum Beispiel hässliche Klamotte gegen Bündel Geldscheine, oder: Tausche Isarkiesel gegen Rheinkiesel. Wer den Tauschwert am besten erahnen oder gar vorhersagen kann, ist der König. Da zählt vor allem die langjährige Erfahrung.

    Was empfinden wir als schön? Was hat sich in der Vergangenheit als selten und deshalb besonders begehrt herausgestellt? Was ist gefragt, weil historisch wertvoll?

    Eine unansehnliche Mineralstufe mit original handgeschriebenem Fundortzettel von Alexander von Humboldt dürfte selbstverständlich tausendmal wertvoller sein als ein wasserklarer fingerdicker Bergkristall aus Brasilien.

    Im Zusammenhang mit dem Kapitel "Wert" lohnt es sich, die immense Bedeutung der Bodenschätze bewusst zu machen. Hier sind vor allem die Bergleute zu würdigen, die sie für uns zu Tage fördern - angefangen vom einfachen Kieselstein aus der Kiesgrube, der als Baustoff in einer Hauswand unser berühmtes Dach über dem Kopf trägt - oder die unzähligen Rohstoffe, die wir tonnenweise tagtäglich verbrauchen, bis hin zum kostbarsten Edelstein, der von uns besonders gehütet wird.

    Ein Blick in die atomaren Dimensionen der Erdkruste offenbart uns die verblüffende Tatsache, dass wir im Prinzip auf einer dichtesten Kugelpackung aus riesigen Sauerstoffatomen herumlaufen, die durch vergleichsweise winzige andere Atomarten zusammengehalten werden. Dies sind im wesentlichen Silizium, Aluminium, Eisen, Calcium, Natrium, Kalium und Magnesium als Hauptelemente unserer weitaus häufigsten Gesteine wie Granit und Basalt.

    Nach dem einführenden Frage- und Antwortspiel berichten die Lehrer und Schüler, wie sie mit den Themen Erdkunde, Mineralogie, Geologie und Geographie umgehen. Da werden zunächst die Naturgeografie und Erdgeschichte mit der Plattentektonik, Vulkanologie, Erdbeben und Eiszeiten behandelt. Über das Relief, die Gewässer und das Klima werden die Landschaften und die Meere bewusst als Kultur- und Wirtschaftsraum begriffen. Und dementsprechend arbeitet man gemeinsam an einer Strukturanalyse unserer Umwelt.

    Doch spätestens nach 10 bis 15 Minuten gibt es für die Gruppe kein Halten mehr, denn es warten auf sie liebevoll zusammengestellte Sonderschauen und Hunderte von Händlern aus aller Welt. Nun gilt es die Schätze der Erde zu entdecken.

    Fazit dieser ersten Kontaktaufnahme mit Schulklassen ist, dass die Münchener Mineralienfreunde auch in Zukunft gerne den Lehrern und Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen möchten. Hier gilt es Exkursionen zu nahegelegenen Fundgebieten zu organisieren (zum Beispiel Isarkiesel sammeln und bestimmen), beim Anlegen von Lehrsammlungen und Ausstellungen zu helfen, oder bei den Mineralientagen vor Ort einfach als erste Orientierungshilfe zu dienen.

    "Bei den Mineralientagen 2000 stand die kleine aber feine Sonderschau Diamant im Mittelpunkt. Hier konnten auf engstem Raum, in Tresorvitrinen gesichert, berühmte Diamantschätze in Form von Rohsteinen, geschliffenen Steinen und Schmuck bestaunt werden.
    Heuer begrüßten wir Gäste der folgenden Schulen: Joseph von Fraunhofer Realschule (6. Klasse, Herr Kaul), Michaeli-Gymnasium (Klasse 9d, H. Schmidtler), Staatliche Berufsfachschule fur Glas und Schmuck, Kaufbeuren-Neugablonz (Abt. Goldschmiede, Herr Opperskalski).

    Zum Thema Diamant befassten sich die Schulklassen mit seiner Entstehungsgeschichte und seinen hervorragenden chemisch-physikalischen Eigenschaften. An erster Stelle steht sein feurig funkelnder Glanz und die unübertroffene Härte. Ohne Diamant kommt die Technik heute nicht mehr aus. Denn diese kleinen Zwerge in Diamantwerkzeugen sparen Zeit und Geld. Bauindustrie, Computerei, Kerntechnik, Hochdruckforschung, Elektronik und Mikroeletronik, ja sogar Medizin und Zahnmedizin verbrauchen weit mehr Diamanten als sämtliche Juweliere der Welt. Die Goldschmiede interessierte natürlich in erster Linie die Besonderheiten der Diamantbearbeitung wie Spalten, Sägen und Schleifen sowie das Fassen von rohen und geschliffenen Steinen."


    Last update 29.10.2000

    Münchener Mineralienfreunde e.V., Münchener Straße 23, 85540 Haar