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"Sammeln in den Tauern (verboten)"



Aktuell von den Mineralientagen 2000

Interview mit Dr. Georg Kandutsch, Kristallsucher und Buchautor

1. Fragt man nach den erfolgreichsten Kristallsuchern der letzten beiden Jahrzehnte in den Tauern, so würde man die Namen Kandutsch, Nowak und Steiner hören. Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

    Kurzgesagt auf Hirn und Risikobereitschaft. Scharf beobachten, sich denken, genau da muss sie sein, und da ist sie dann auch, die Kluft.- Das fasziniert mich und bringt den Erfolg.
2. Zu den üblichen Widrigkeiten des Steinsuchens im Gebirge ist in den letzten Jahren noch das Sammelverbot, unterstützt durch die Androhung von Geld- und Gefängnisstrafen gekommen. Welche Sammelbeschränkungen gelten momentan für den Kärntner Anteil der Tauern? Besonders interessieren würden uns die bekannten Gebiete Hannoverhaus, Auernigg und Reißeck. G. Kandutsch auf den Mineralientagen München 2000
    Zunächst einmal gilt für ganz Kärnten seit 1986 das Kärntner Naturschutzgesetz. "Das mutwillige Zerstören von Mineralien ist verboten", besagt es. In der Praxis erlaubt es das Sammeln mit üblichem Hammer und Meißel. Ästhetisch und wissenschaftlich wertvolle Funde unterliegen der Meldepflicht. Im Nationalpark ist das Sammeln mit Werkzeug verboten, allerdings ist das Aufklauben gestattet. Konkret heißt das, beim Hannoverhaus und am Auernigg geht nichts, am Reißeck darf man mit Werkzeug sammeln. Frei sind auch noch die Zirknitz und die Wurten sowie die Fleißtäler, in letzteren haben aber seit kurzem Einheimische Verbotstafeln aufgestellt. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass mit dem Regierungswechsel auch die Grundbesitzer ihre Rechte gestärkt sehen und das in der Verfassung garantierte Recht auf Betreten der freien Natur gerne eingeschränkt hätten.
    Zu erwähnen wäre noch, dass für die Zirknitz die Aufnahme in den Nationalpark angestrebt wird.
3. Für den Salzburger und für den Kärntner Anteil der Tauern gibt es - allerdings nicht für jeden - Sammelgenehmigungen (wenn auch da der jeweilige Grundbesitzer noch Verbote aussprechen kann). Für Osttirol gibt es das unseres Wissens nicht. Warum?
    In Salzburg hat das Steinsuchen Tradition und die Gemeinden, die der Nationalparkidee zunächst reserviert gegenüber standen, haben es fast erzwungen, dass ihre Bürger weiterhin suchen dürfen. So kam es zu der Lösung, die bestimmten Personen (etwa 150) das Sammeln in der Kernzone gestattet. Für Kärnten wurden auch Bewilligungen eingeführt (ca. 35), die wissenschaftlichen Berichte werden im Gegensatz zu Salzburg zentral erstellt (Anm. von MM-online: Das macht G.Kandutsch). Die rechtliche Grundlage liefert das Nationalparkgesetz, in dem es (sinngemäß) heißt, dass auf die Belange der einheimischen Bevölkerung Rücksicht zu nehmen ist. Ich selbst bin von der Lösung nicht begeistert. In Osttirol war das anders. Die Verbindung der Osttiroler untereinander ist schlecht. Es gab keine einheimischen Wissenschaftler, die sich der Mineralien angenommen hätten. Sammlervereine sind erst spät entstanden. In der Mentalität "jeder gegen jeden" standen sich die Kalser, die Virgener und die Lienzer gegenüber. Eine gemeinsame Position konnte nicht erzielt werden. Zwar gab es Versuche, zuerst über mich, dann über einen Innsbrucker Kollegen, etwas zu erreichen, aber es endete damit, dass Sammler von den zuständigen Stellen hinausgeworfen wurden. Sammeln mit Werkzeug ist in der Osttiroler Kern- und Außenzone nicht genehmigungsfähig.
4. Gibt es Bestrebungen, Patente nach Schweizer Vorbild einzuführen, um das aktive Sammeln zu legalisieren?
    Nein, das Problem sind die Grundbesitzer.
5. Über bekannte Kristallsucher kursieren in Sammlerkreisen viele Geschichten. Dürfen wir eine authentische Geschichte von Ihnen selbst erfahren? Vielleicht die vom Calcit aus Kals?
    Für die ständige Ausstellung im Maltatal hab ich noch einen Stein zum Anfassen gebraucht. Einen ohne Wert, den man nicht unter Glas legen muss. Da lag in der Gegend von Kals noch eine 150 kg-Platte mit Calcit und Adular herum, das Problem war nur der Abtransport. Bei einer Bergrettungsübung u. a. mit Kalsern im Februar haben wir dann den Stein mit Skiern nach Kals heruntergebracht. Mit dem Auto gings weiter. Doch nicht lang. Ein einheimischer Sammler hatte eine Anzeige gemacht. Der Abtransport endete damit, dass der Stein von der Gendarmerie beschlagnahmt auf einer Wiese in Huben lag. Ich habe dann wegen illegaler Beschlagnahmung geklagt. Beim folgenden Prozess hatte die Gegenseite inzwischen aus dem Stück eine Bergkristallstufe mit 100.000 Schilling Wert gemacht. Highlight aus dem Prozessverlauf: "Auf Grund welcher Indizien haben Sie beschlagnahmt? Haben Sie den Abbau beobachtet? War Werkzeug dabei? Wies der Stein Abbauspuren auf?" Der Polizist musste tiefbetrübt zugeben, dass kein Indiz zutraf und der Gutachter Dr. G. musste einräumen, dass die Stufe nur die Bergungskosten wert ist. Der Alpenverein wollte den Prozessausgang nicht hinnehmen und versuchte ein Verfahren wegen Diebstahls anzustrengen, daraus wurde dann aber nichts. Der Stein, der alles ins Rollen brachte, liegt heute soweit ich weiß, in irgendeiner Garage in Kals.
MM-online: Wir danken Ihnen für die viele Zeit, die sich für dieses Interview genommen haben.

PS: Wer mehr über die Kristalle und das Suchen im Gebirge wissen will, der lese in "Die Kristallsucher" (2 Bände), erschienen im Oktober 2000 im Christian Weise Verlag.


Last update 31.10.2000

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