Logo  Münchener Mineralienfreunde e.V.
   Verein zur Förderung der Geowissenschaften, MM e.V.
   Schriftführung Ingrid Bode
   Ideeller Träger der Frühjahrsmesse und der Mineralientage München

Zurück
zum Archiv
"Wie es begann"

Interview mit Prof. Dr. Anton Gößwein, dem stv. Vorsitzenden der Münchner Mineralienfreunde

MM-online: Jeder von uns erinnert sich gern an seine Anfänge als Steinsammler. Wie hat es bei Ihnen begonnen?

Gößwein: Es war 1972, mein Schwager zeigte mir einige kleine glitzernde Steine - Pyrit, Bergkristall. Er hatte sie auf der Mineralien-Börse im Messegelände für einige Pfennige, wie er sagte, gekauft. Nun, ich bin mit meiner Frau auch hingegangen und habe nicht schlecht gestaunt, nicht nur über die Vielfalt und Größe der Stücke, nein, 150 Mark war schon damals kein seltener Preis.

MM-online: Dann haben Sie begonnen, wild einzukaufen... ?

Gößwein: Nein, das nächste Mal kam ich am Sonnblick mit Steinen in Berührung. Wir waren auf einer Tour vom Maltatal zum Glockner und rasteten auf der Rojacher Hütte. Das Wasser war gerade ausgegangen und die Wirtin brachte mich dazu, einen neuen Vorrat mit der Kraxn aus der Umgebung herzuschaffen. Jetzt wollte auch ich meinen Durst löschen, Irrtum: "Dös is mei Wasser, euer Wasser müaßts euch scho selber holn". Die schrullige Frau, die übrigens den Weg zur Hütte öfters im Lastenaufzug abkürzte, hatte damals schon ein Feindbild: "Die Stoasucher, die machen da alles kaputt". Neugierig habe ich mich dann an einigen der von Sammlern hinterlassenen Scherbenhaufen umgeschaut, gefunden habe ich nichts.

MM-online: So richtig zu sammeln haben Sie aber noch nicht begonnen?

Gößwein: Nein, Auslöser war ein Abend im Furtschaglhaus. Ein Mann hatte einige schöne Stücke Talk gefunden und zeigte sie den Gästen. Ich fragte ihn, wo es so etwas gibt: "Ja mei, i bin scho so lang unterwegs, dös weiss i nimmer". Er war tatsächlich lang unterwegs, denn ihm waren die Teebeutel ausgegangen. Ich hatte genug davon und konnte ihm aushelfen. Dann wurde er gesprächig. Wir zogen am nächsten Tag an die von ihm beschriebene Stelle und haben das erste Mal "was gefunden". Talk und Magnetit. Freilich, auch wir haben unsere Anfängerfehler gemacht...

MM-online: ...und die Kristalle sorgfältig vom Muttergestein befreit. Wie gings dann weiter?

Gößwein: Jetzt wollten wir ernsthaft suchen und sind auf die Alpenrose im Zemmgrund im Zillertal gegangen. Der Wirt war gleich hilfsbereit: "Gehts da bei de Erln nauf und oben sehts dann scho die Stell im Graben". Wir kämpften uns den Hang hinauf, von den Büschen streiften wir massenweise Wollläuse ab, oben haben wir gleich fünf Gräben gesehen. Also den ersten hinauf,...nichts. Den zweiten? So geht das nicht, habe ich mir gedacht und das Geröll am Ende der Gräben näher angeschaut. Unscheinbare Stücke wiesen den Weg, die richtige Rinne hinauf. Abends zeigten wir die gefundenen Breunnerite dem Wirt. "Habts es gleich gefunden?" fragte er verschmitzt. "Bei deiner guten Beschreibung war das keine Kunst", wir hatten seine "Steinsucher-Prüfung" bestanden.

MM-online: Sind Sie dann dem Zillertal treu geblieben?

Gößwein: Ja und nein, wir haben uns Fundstellenführer besorgt. Granat am Hornkees und dann das Pfitschtal. Dort haben wir einen alten Sammler getroffen, der den legendären Gasser noch gekannt hat. Der Pyrophyllit vom Wolfendorn hatte es uns damals angetan. Außer Brösel schien es am beschriebenen Ort nichts zu geben, aber die Unterseite eines Blockes war wohl bisher übersehen worden. " Ja so guat hab i sie net" sagte der alte Mann, als wir ihm später den Fund zeigten. Wir waren stolz.

Viel haben wir dann auf Elba gefunden.

MM-online: War das damals der Anlass dafür, dass Ihre Frau mit Mineralien zu handeln begonnen hat, oder wie kam es dazu?

Gößwein: Auf der Börse in München wollte meine Frau zuerst an einem Stand aushelfen. Es hatten sich aber schon viele Steine bei uns zuhause angesammelt und wir beschlossen, selber einen Stand aufzumachen. Es lief recht gut. Nur die Konkurrenz war nicht gut auf uns zu sprechen. "Seids ihr der billige Jakob?" fragte man uns. Weitere Börsen folgten und wir begriffen, dass die Frau des Steinsammlers als Kundin eine wichtige Rolle spielt. Meine Frau kaufte und verkaufte die ersten 14 indischen Ketten.

MM-online: Und wo blieb das Mineraliensuchen?

Gößwein: Recht viel Zeit bleibt heute für meine Sammlung nicht mehr, sie ist etwas ungepflegt und staubig..., aber Sie können ja mal mitkommen.

MM-online: Da haben Sie ganz schön übertrieben. Liebevoll und überlegt ausgewählte und präsentierte Schaustücke, eine umfangreiche Kleinstufensammlung, alles sauber katalogisiert. Alle Achtung.

Gößwein: Der erste Pyrit von Elba und der Granat vom Hornkees stehen da unten...

MM-online: ...und der Breunnerit ist mir schon beim Hereingehen aufgefallen.


Last update 01.05.2001

Münchener Mineralienfreunde e.V., Münchener Straße 23, 85540 Haar