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"Die Lithothek"

ein Projekt der Arbeitsgruppe Micromounter (e-mail)

Lithothek? Was ist denn das, so werden wir immer wieder gefragt. Uns gefällt dieser Begriff. Vielleicht gerade weil niemand auf Anhieb versteht, was damit gemeint ist. Und weil uns diese Frage Gelegenheit gibt, unser Projekt vorzustellen.

Die Antwort ist einfach: Eine Lithothek ist eine Bibliothek aus Steinen. Wir hätten unser Projekt also auch (leichter verständlich) mit "Referenzsammlung der Arbeitsgruppe Micromounter" bezeichnen können. Dann aber würden wir weniger häufig danach gefragt.

Ich möchte die Gedanken vorstellen, die uns auf dieses Projekt gebracht haben und die Ziele, die wir mit der Lithothek verfolgen.

In den Sammlungen unserer Mitglieder befinden sich zahlreiche Stücke von hohem sammlerischen Wert. Dabei gibt es viele Aspekte, die diesen Wert ausmachen können: Oft ist die Schönheit gerade kleiner und kleinster Stufen unübertroffen. Viele Stufen stammen von Fundstellen, die geschlossen und für den Sammler nicht mehr zugänglich sind. Manche Sammlungsstücke sind so selten, dass sie nur an einer einzigen Fundstelle weltweit überhaupt vorkommen.

Dieser Wert wird aber oft nur vom Fachkundigen erkannt. Werden Sammlungen aufgelöst, dann finden sich immer Interessenten für größere Stufen. Wenn es aber darum geht, Tausende gedoster Micromounts unter dem Mikroskop auf ihren Sammlerwert hin zu prüfen, dann ist der Weg zum nächsten Entsorgungsbehälter leider oft der einfachere. Wertvolle, teilweise sogar unersetzliche Sammlungsstücke gehen verloren.

Jeder von uns hat solche Situationen bereits erlebt. Viele von uns haben niemanden, der sich für unsere Micromount-Sammlungen dann interessiert, wenn wir unsere Sammeltätigkeit aus welchen Gründen auch immer einstellen. Unseren eigenen Sammlungen droht also zum Teil genau dieses Schicksal. Dem wollen wir mit unserer Lithothek entgegenwirken.

Natürlich liegt jedem von uns seine persönliche Sammlung mehr am Herzen als die Lithothek, die der Arbeitsgruppe insgesamt gehört. Es besteht aber kein Widerspruch zwischen dem Arbeiten an der eigenen Sammlung und der Mitarbeit an der Lithothek.

Wir haben damit begonnen, auf der Grundlage gespendeter Stufen unsere Lithothek aufzubauen. Diese Stufen sind Einzelstücke aus privaten Sammlungen unserer Mitglieder, oder sie stammen aus deren Tauschmaterial. Einige von uns haben bereits verfügt, dass ihre Sammlungen später einmal ganz oder teilweise in die Lithothek übernommen werden sollen.

Noch stehen wir mit unserer Arbeit ganz am Anfang. Bald aber wird die Lithothek eine umfassende Systematiksammlung enthalten, in Form von Lokalsammlungen wird sie Auskunft geben können über die Mineralien bestimmter Fundorte, sie wird für bestimmte Mineralien deren vielfältige Ausbildungsvarianten zeigen und vieles mehr. Dabei sind wir bemüht, die Qualität und Schönheit der Sammlungsstücke in der Lithothek ständig zu erhöhen.

Wie immer bei Sammlungen von Micromounts wird die Zahl der Stufen sehr schnell anwachsen. Es ist daher absolut notwendig, die Lithothek vom ersten Augenblick an mittels einer PC-gestützten Sammlungsverwaltung zu dokumentieren.

Die Forderung, dass Mineralien, Fundorte und Sammlungsstücke in Dateien beschrieben werden können, die einerseits voneinander unabhängig, andererseits aber miteinander verknüpft sind, gilt heute wohl für jedes Sammlungsverwaltungsprogramm. Für unsere Lithothek fordern wir aber zusätzlich eine mit den Sammlungsstücken verknüpfte Datei der Spender.

Die Spender der Sammlungsstücke sollen sich in dieser Datei selbst vorstellen können mit ihren persönlichen Daten, mit einem Photo und vor allen Dingen mit einigen Aussagen zu ihren persönlichen sammlerischen Lebensläufen: Wie sie zum Sammeln gekommen sind, welche Sammelschwerpunkte sie haben, was das Sammeln ihnen bedeutet, wie sie ihre Sammlung gestalten, solche Informationen möchten wir gerne festhalten.

Wir werden die gespendeten Sammlungsstücke nicht umdosen. Die unveränderte Aufbewahrung in der Lithothek zusammen mit den Aussagen in der Datei der Spender führt dazu, dass nicht nur die Sammlungsstücke selbst, sondern auch die Sammelleistung der Spender auf Dauer erhalten bleibt.

Wozu das Ganze? Unsere Lithothek wird Anschauungsmaterial bereitstellen können für alle möglichen wissenschaftlichen und sammlerischen Zwecke, für Veröffentlichungen, zum Anfertigen von Photos, für Bestimmungshilfen und vieles mehr. Eine endgültige Antwort auf die Frage nach ihrem Nutzen kann im Augenblick noch nicht gegeben werden. Dies ist auch nicht erforderlich. Die Nutzungsmöglichkeiten werden in dem Maße steigen, in dem Quantität und Qualität der in der Lithothek enthaltenen Sammlungsstücke zunehmen.

Es erscheint uns wichtig, dass das Wissen um die Lithothek auf Sicht nicht auf die Mitglieder unserer Arbeitsgruppe beschränkt bleibt, sondern einem möglichst großen Kreis interessierter Sammler zugänglich gemacht wird. Im Zeitalter des Internet erscheint es uns durchaus realistisch, die Datei der Sammlungsstücke eines Tages ins Netz zu stellen.

Eine Beteiligung an der Lithothek ist aber auch heute schon nicht nur auf die Mitglieder unserer Arbeitsgruppe beschränkt. Ich würde mich z.B. sehr darüber freuen, wenn ich aufgrund dieses Artikels Reaktionen aus Sammlerkreisen erhielte: Ihre Meinung, Kritik und Anregungen aller Art nehme ich gerne entgegen.

Gez.
Dr. Manfred Seitz


Last update 01.05.2001

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