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"Mineralienexkursion in die Toskana mit der Micromountergruppe 23.9-30.9.2000."

von Manfred Früchtl (e-mail)

Oder wie ein behindertes Mitglied der Münchener Mineralienfreunde mit Freunden in der Toskana Mineralien finden konnte.
Gewidmet meinen Freunden, den Micromountern.

Vorwort zu meiner Person.
Die meisten kennen mich, Manfred Früchtl, von meiner Funktion als Bibliothekar der Vereinsbibliothek. Vor gut 2 Jahren verlor ich durch Krankheit mein linkes Bein und nur durch den Zusammenhalt der Familie und der Freundschaft aller Mitglieder der Micromountergruppe bekam ich wieder Freude am Leben und am Mineraliensammeln.

Die Teilnehmer an der Reise.
Elfriede Bog, Joachim Esche als Gast aus Stuttgart, Heinz Hublitz, Gertrud und Peter Köhlen, Traudl und Hannes Osterhammer, Erwin Schuhbauer, Wolfgang Schönfeld, Elfriede und Ludwig Siebler, Manfred Winkler, meine Frau Sabine und ich.

Die Reise.
Im Frühjahr 99 diskutierten wir an einem MM-Abend, wohin wir im Jahr 2000 eine Exkursion unternehmen könnten. Es kam bald der Vorschlag, doch mal in die Toskana zu fahren. Da sich viele dafür interessierten und wir in Elfi Bog eine Kennerin der Toskana fanden, war bald klar, wir fahren in die Toskana. Nachdem einige Organisationsprobleme gelöst waren, hatten sich 14 Personen zur Reise entschlossen, und ich hatte den Mut gefasst eine solche Reise mitzumachen. Wir reisten am Samstag den 23.9.00 mit 4 PKW ganz individuell von München nach Massa Maritima in der Toskana an. Mir war vor der Reise schon etwas bange, denn ich wußte nicht, ob ich die lange Fahrt , ca. 9 Stunden, ohne Probleme durchhalten könne. Mit mir als Fahrer waren noch meine Frau Sabine und der Wolfgang im Auto.

Bei schönem Wetter und wenig Verkehr fuhren wir über den Brenner nach Verona, Bologna, Florenz bis Siena. Ab hier gings dann durch toskanisches Hügelland. Ein Hügel reihte sich an den anderen und bei einer Strecke von 70 km von Siena bis Massa Maritima war gerade mal ein 1 km langes gerades Straßenstück.

Nur ca. 15 km von Siena entfernt sind die Halden der Antimonitgrube Le Cetine nahe der Ortschaft Rosia. Hier machten wir eine Fahrpause und schauten uns das Haldenmaterial an. Weiter gings an Kiefern, Pinien, Oleander und Maronibäumen durch kaum besiedeltes Land mit immer wieder schönen Aussichten nach Massa Maritima.

Gegen 17:00 Uhr kamen wir als letzte Gruppe im Hotel Duce del Mare an. Ich hatte die Fahrt gut gemeistert und fühlte mich wohl, und alle waren guter Stimmung. Die Zimmer waren sehr klein, manch einer musste zum Duschen seitlich in die Duschkabine steigen. Ein gutes Abendessen in entspannter Atmosphäre und ein Glas guter Wein schloss den Abend ab.

Sonntag der 24.9.00 war unser erster Sammlertag. Wir fuhren auf der Staatsstraße SS1, auch Aurelia genannt, an Grosseto vorbei nach Montalto di Castro, das schon in der Provinz Latium liegt. Auf der SS312 fuhren wir weiter, bis kurz nach einem römischen Viadukt links der Straße ein großes Eisentor zu sehen ist. Dies ist die Zufahrt zum Basaltbruch Campomorto. Durch das Tor an einem eingezäunten Fabrikgelände vorbei fuhren wir bis zum Zaunende an der Felswand. Hier parkten wir und benutzten den Sammlereinstieg. Der Zaun ist an der Felsmauer gelockert und niedergetreten. Ich ging also ohne Prothese mit Krücken den steilen Pfad etwa 5 m zum Zaun. Hannes drückte den Zaun weg und mehrere Hände halfen mir durch die Lücke. Wir waren drin im Basaltbruch. Der Bruch ist schon länger stillgelegt, aber an den Wänden entlang liegt noch viel Material, in dessen Hohlräumen immer wieder schöne Calcitkugeln zu finden sind. Soviel ich gesehen habe, hat jeder mit viel Schweiß bei ca. 30° einige schöne Stufen bergen können. Traudl brachte mir vom anderen Ende des Bruchs eine schöne Calcitstufe, die Hannes mit dem Vorschlaghammer dem Berg entrissen hat. Nach einer Brotzeit im Schatten großer Blöcke beschlossen wir den Bruch zu verlassen, um zu einer anderen Fundstelle zu fahren. Während ein Teil schon zum Zaun ging, die anderen noch zusammenpackten, hörten wir einen lauten Zuruf in italienisch, der uns aufforderte, den Bruch zu verlassen. Als wir bei den Autos waren, sprachen Elfi, Peter und andere mit den beiden Männern. Es stellte sich heraus, dass diese Jäger waren und jetzt das Gelände verlassen und das Tor zusperren wollten. Nach einem Arrivederci stellten wir fest, es waren zwei nette Menschen, sie hätten uns auch einsperren können und wir hätten bis Montag dort übernachten müssen. Übrigens Elfi saß bei mir im Auto und dirigierte unseren Konvoi aus vier Autos zu den Fundstellen. Geplant waren noch zwei Antimonitfundstellen hier in der Nähe. Auf Peters Vorschlag hin fuhren wir aber zuerst nach Vulci, einer alten Wasserburg inmitten einer großen Metropole aus der Etruskerzeit. Im Burghof tummelten sich allerlei Lebewesen, ein Brautpaar mit Fotografen, eine Gottesanbeterin ca. 5 cm groß und wir. In der Burg, heute ein Museum, konnten wir schöne Artefakte der Etrusker bewundern wie Vasen, Keramiken, Gläser, Schmuck, Fibeln aus Bronze, auch eine goldene Fibel war zu sehen. Von einer Turmterrasse hatten wir eine schöne Aussicht auf das Umland und einem Bachlauf in seiner kleinen Schlucht.

Weiter ging die Fahrt nach Manciano zu einem alten Fabrikgebäude, Fattoria Montauto. Auf einer kleine Anhöhe nahe Montauto gibt es alte Halden, aus der Zeit der Antimonitaufbereitung, aus dem Gebiet Tafone und den Minen aus Pereta. Es liegt hier viel Gips in bis zu faustgroßen blättrigen Brocken herum. Wir aber suchten nach Antimonit und seinen möglichen Begleitmineralien. Diese Landschaft und ein kleiner Fluß nennt sich Tafone und ist mit seinen Halden das bekannte Fundgebiet Tafone. Von der Anhöhe konnten wir schon unseren nächsten Fundpunkt, ein Aufbereitungswerk, welches aber nicht mehr in Betrieb ist, sehen. Hier liegen auf einer steilen Halde, erreichbar durch einen ausgewaschenen Mini-Canyon, Antimonbrocken. Mir war der Aufstieg zu steil, ich blieb mit meiner Frau und mit Gertrud bei den Autos. Wir haben auch nichts versäumt. Die Rückfahrt zum Hotel erfolgte individuell, denn der eine wollte Kurven, der andere lieber die bequemere Aurelia in Küstennähe fahren. Vorbei an Pinienwäldchen, Olivenhainen und abgeernteten Weinbergen gings wieder nach Massa Maritima.

Am Montag 25.9. nach Frühstück und Einkaufen gings an eine Fundstelle ganz nahe ca. 8 km bei Massa Maritima. Es sind die Halden von Serrabottini. Hier wurde seit der Etruskerzeit etwa 500 v. Chr. schon Bergbau auf Kupfer betrieben. Auch Massa Maritima bezog seine Wohlhabenheit im Mittelalter aus dieser und anderen Minen. Von der Straße führt ein sehr ausgewaschener Weg über Haldenteile zur oberen ergiebigeren Halde. Ich hätte mit Prothese diesen steilen Weg nicht gehen können, und ohne Prothese war es mir zu weit. Ich fuhr also mit dem Auto rauf, auch Heinz schaffte mit seinem VW-Bus diesen Weg. Es war schon möglich und ging ohne Schäden an den Autos. Peters Mercedes, dieser ist tiefergelegt, und der Wohnwagen von Traudl und Hannes blieben unten stehen. Vom oberen Parkplatz waren noch weitere steile 150 Meter zur Halde, Kennzeichen eine alte Korkeiche, zu laufen. Die ging ich dann mit Krücken hinauf. Den Rucksack mit Werkzeug und Brotzeit konnte ich rauftragen, beim Zurücktragen der Funde zum Auto fand sich immer jemand, der mir Rucksack oder Werkzeug trug. Ich hatte ja viele Freunde dabei. Jetzt zur Halde. Es waren bestimmt schon viele Sammler da, aber sie sah so aus als könne man immer wieder was finden. Elfi sagte uns, was wir hier eventuell finden könnten, Adamin, Baryt, Brochantit, Granat, Anglesit, Antlerit, Aurichalcit, Chrysokoll, Cuprit, Jarosit, Malachit, Sphalerit, Smithsonit, Woodwardit und andere. Am Fuß der Halde fand sich gleich viel Smithsonit, dann verteilte sich die Gruppe und jeder suchte sich ein Loch zu buddeln. Dann die Stimmen "da gibt's ja nix, ui i hab was, was grüns, Elfi was is den des, scho wieder Smithsonit", waren ganz lustig. Immer wieder lud der schattige Platz unter einer andern Korkeiche zum Ausruhen und Brotzeitmachen ein. Es wurde also geklopft, gegraben, mit der Lupe geschaut, getrunken, denn es war heiß, und Funde eingewickelt bis es irgendwann am Nachmittag hieß, "reichts jetzt? Dann gehn ma Linarite suchen". Also wieder runter zum Parkplatz 2, Gepäck in die beiden Autos. Wir zwei Fahrer brachten die Autos heil runter, die anderen sind gelaufen. Rechts von Parkplatz 1 ging wieder ein ausgewaschener Fahrweg rauf zu einer weiteren Halde von Serrabottini. Es war nicht weit zu laufen, für mich aber zu schwierig, also fuhr ich mit dem Auto rauf. Ich schaffte es, habe mir aber erst links dann runterwärts rechts einen langen Kratzer eingehandelt. Naja ich werd's überleben. 50 Meter durch Gebüsch und Ranken dann tauchte eine kleine Halde auf. Hier soll's also Linarit geben. Es dauerte eine Zeit bis der erste rief: "jetzt hab ich einen Linarit". In einer bestimmten Schicht der Halde gab es eine blau und grüne 2-5 cm dicke Zone, in welcher dann ab und zu ein Brocken mit Linarit zu finden war. Ich denke, dass jeder noch was gefunden hat, wenn nicht, bekommt er bestimmt von anderen ein Stück ab. Elli hat auch was gefunden, die Korkrinde von einem dicken etwa 1 Meter langen Ast. Danach zurück zum Hotel, duschen und dann ein kühles Getränk vor den Abendessen am Pool. Trotz der Wärme von 27° C, in den Pool traute sich noch keiner, denn das Wasser war einfach "saukalt".

Dienstag der 26.9.2000. Wieder war sehr schönes Wetter. Wir fuhren wieder die Aurelia diesmal in nördlicher Richtung bis zur Ausfahrt Piombino, kurz vorm Ort geht die Straße nach Baratti ab. Vorbei an einem Schutzgebiet für Wasservögel zum Strand, hier gibt es mehrere Parkplätze. Wir parkten am Besucherparkplatz zum "Parco Archeologico di Baratti e Populonia". Vom Kiosk geht ein Fußweg gut 500 Meter zum Infocenter des Parks. Eine junge Dame in der Info erklärte in einem ungeheurem italienische Wortschwall, was alles zu besichtigen und zu beachten sei und was zur Zeit nicht möglich ist. Elfi hat bald aufgegeben, zuzuhören und zu übersetzen. Leider finden es die Parkbetreiber nicht für notwendig außer etwas Englisch auch Info`s in anderen Sprachen zu geben. Wir bekamen also eine Führung in ein etruskisches Rundgrab in italienisch natürlich. Ich versuchte auch in das Grab zu gelangen, es ging leider nicht. Der Zugang, ein 3-4 m langer Gang von 1,15 m Höhe und gerade mal Schulterbreite war für mich mit Prothese und Krücken nicht begehbar. Während die anderen innerhalb des Grabes waren, schaute ich mir die kleineren Rundgräber in der Nähe an. Diese waren frei zugänglich, da sie kein Kuppeldach mehr besaßen. Anschließend liefen wir noch etwas zwischen den Fabrikresten irgendwelcher Erzaufbereitungsgebäude herum. Für 12 DM Eintritt war wenig zu sehen.

Wir holten also unsere Badesachen, einen Hammer und Tüten, um damit am Strand nach Schlacken zu suchen. Schlacke liegt in Unmengen herum, aber es ist nur selten ein Stück Kupferschlacke zu finden in welcher sich vielleicht die gesuchten Minerale verbergen. Es gibt z.B.: Anglesit, Azurit, Gips, Atacamit, Cuprit, Kupfer, Malachit, Langit usw. Ich setzte mich also in das warme Wasser der schönen Barattibucht und suchte nach bunter Schlacke. Die Sonne brannte vom Himmel und mir wurde bald zu heiß auf dem Kopf. Deshalb unterbrach ich mehrmals das Suchen und kühlte mich ab, indem ich ein Stück ins Meer hinaus schwamm. Es ist eine schöne Fundstelle, bei der man sich auch entspannen kann. So nach und nach verschwand eine Autogruppe nach der anderen, um in der Nähe irgend ein kühles Getränk zu finden. Wir trafen uns alle wieder in dem alten Ort Populonia, der auf einem Hügel oberhalb des Golfes von Baratti liegt. Hier gabs einen schattigen Garten mit kühlen Getränken, ein Bier 8 DM, ein Eis 12 DM. Im Ort gibt's kaum was zu sehen. Nur ein kleines privates Museum mit Keramiken und Steinzeug der Etrusker. Nicht mal einen Ausblick auf Meer, alles mit Mauern verschlossen. Also fuhren wir wieder zurück ins Hotel. Allmählich sprachs sich's herum, dass Heinz am Donnerstag seinen 60. Geburtstag hat. Wir wollten ihm natürlich eine Freude bereiten. Da wir feststellten, Heinz mag gerne Obst in jeder Form, beschlossen wir ihm frisches Obst aus der Toskana und einige Fl. Wein zu schenken.

Dazu gingen wir am Mittwoch morgen wie üblich Einkaufen und teilten uns so auf, dass zwei das Geschenk kaufen konnten und Heinz nicht merkte, was wir vorhatten. Dafür schlug Erwin zu, in verschiedenen Einkaufskörben war zwischen der Brotzeit plötzlich Hundefutter oder ein 10kg schwerer Hinterschinken.

Für heute hatten wir vor keine Mineralien zu suchen, sondern eine Stadtbesichtigung von Massa Maritima zu machen mit Führung ins Bergwerksmuseum. In Stollen im Stadtbereich, wurde das Baumaterial für den Dom und für die alten Häuser gebrochen. Dort wurden aus alten Bergwerken der Umgebung, Maschinen und Geräte mitsamt den Verbauungen geborgen und hier wieder aufgebaut. Anschließend schauten wir uns in der Altstadt um, enge Gassen, furchtbares Kopfsteinpflaster und alles im gleichen Grauton des Travertins, aus dem all dies gebaut wurde. An der Plazza beim Dom gab es eine große Pizzeria mit riesigen Sonnenschirmen. Hier trafen wir uns wieder. Die Pizza war wirklich gut und so groß, dass Sabine und ich eine zusammen verzehrten. Nachmittags sind alle Läden zu und man bekommt nichts hier. Es gibt einen gut bestückten Mineralienladen, in dem man auch toskanische Mineralien kaufen kann. Unterhalb von Massa Maritima befindet sich eine Schildkrötenzuchtstation. Auch hier war Nachmittag geschlossen und wir mussten warten, bis wir eingelassen wurden. Früher lebten in der Toskana Schildkröten wie bei uns die Mäuse. Jetzt sind sie vom Aussterben bedroht. In dieser Station werden toskanische, aber auch Schildkröten aus aller Welt gezüchtet, um ein Überleben zu sichern. Auch Störche werden hier gepflegt und dürfen sich in Ruhe vermehren um dann wieder ausgewildert zu werden. Die Schildkrötengehege, zumeist im Freien, liegen über einem Hügel, ziemlich steil, verstreut. Viele der Schildkröten konnten wir nicht sehen, da in den Gehegen viel Gestrüpp war. Ich glaube das ist für die Tiere gut, sie haben Platz und Schatten. Die steilen Wege zu den Gehegen waren sehr anstrengend für mich. Nach dem Abendessen, es war wieder sehr gut, gelang es Manfred und Erwin, Heinz zu überreden, heute als erster auf sein Zimmer zu gehen. Wir konnten dann noch ein Geburtstagsständchen einstudieren.

Donnerstag 28.9.2000. Heinz hat heute 60sten Geburtstag. Wir sind alle früher aufgestanden, um vor Heinz am Frühstückstisch zu sein. Traudl und Hannes dekorierten seinen Platz mit dem besorgten Wein und dem frischen Obst. Heinz kam und holte sich seinen Tee. Ich glaube, er spürte schon, dass heute etwas anders war. An seinem Platz angekommen, sangen wir ihm sein Geburtstagsständchen, und weil es so schön war gleich noch ein zweites mal. Nach einem fröhlichen Frühstück fuhren wir nach Pereta. Die Gruben von Pereta(-Zolfiere) sind auch als Schwefelgruben von Scansano bekannt und wurden schon von Etruskern auf Schwefel abgebaut. Wir fuhren auf der Aurelia südlich bis Albinia, von hier weiter Richtung Manciano und nach Marsiliana. Dreimal links dann rechts und wieder links ab, schon erreicht man die aufgelassenen Tagebaue von Pereta. Am Gatter eines Landgutes sieht man noch das alte Schild "Le Zolfiere" der früheren Schwefelgruben. Wir suchten auf zwei Halden des Antimonitabbaus und fanden Gips, Antimonit, Schwefel, Stibiconit, Valentinit, Klebelsbergit, Peretait, Senarmonit. Weiteres wird sich erst nach dem Aufarbeiten des gesammelten Materials ergeben. Ich habe gleich zu Beginn eine schöne Gipsstufe gefunden, auch Antimonit und Schwefel ist überall dabei. Nahe der großen Halde befindet sich noch eine zweite Halde und anstehender Fels mit großen Blöcken, in denen schöner farbloser Fluorit zu finden ist. Der Fluorit ist in einer Kombination von Würfeln mit Oktaedern ausgebildet. Da mir der Weg für mich als zu schwierig beschrieben wurde, bin ich nicht mit auf die obere Halde gegangen, sondern habe auf der Großen weitergesucht. Hannes brachte mir eine schöne Fluoritstufe mit. Aber auch sonst bekam ich von allen anderen immer wieder mal ein Stück mit der Frage, "hast du schon so ein Mineral gefunden"? Die alten Tagebaue darf man nicht betreten, auch wenn kein Schild zu sehen ist. Es ist lebensgefährlich, da aus dem Boden laufend giftige Gase wie Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und Schwefel/Arsen-Verbindungen austreten. Der Untergrund ist immer noch vulkanisch aktiv. Ein vulkanisches Ereignis war auch unser nächstes Ziel, das aber nur wir vier in meinem Auto anfuhren, Saturnia. Nahe des Ortes Saturnia gibt es die bekannten Schwefelquellen, ein Sanatorium und die Sinterterassen mit Wasserfall. Wir vier, Elfi, Sabine, Wolfgang und ich fuhren nach Saturnia. Bevor wir die Sinterterassen sehen konnten, konnten wir sie schon riechen. Der Schwefelgeruch liegt weit über der Landschaft. An der frei zugänglichen Badestelle sind ausreichend kostenlose Parkplätze. Baden kann man im Fluß oberhalb und unterhalb der Sinterterassen. Wir entspannten uns in den rund ein Dutzend Becken und unter dem Wasserfall, der aus ca. fünf Metern in die Becken fällt. Es war sehr schön und beruhigend, in dem etwa 32° warmen Schwefelwasser zu baden. Ich fühlte mich etwas unsicher mit Krücken ins Wasser zu gehen, da die Ufer steinig und das Wasser trüb durch den Wasserfall war. Ich würde jederzeit wieder in diesen Sinterterassen baden. Zurück mit leichtem Schwefelduft auf der Haut fuhren wir durch die alte Stadt Scansano auf kurvenreicher Straße nach Grosseto und von da wieder auf der Aurelia nach Massa Maritima.

Als wir im Hotel ankamen saßen einige schon am Pool bei einem Glas Bier, das Heinz wegen seines Geburtstags ausgegeben hatten. Beim Abendessen wurde viel erzählt und noch ein paar Flaschen toskanischer Wein geleert. Ein schöner Tag, an den wir alle gerne denken.

Freitag 29.9.00. Dichter Nebel zieht vom Meer her. Wir fahren wieder die Aurelia südl. und verlassen diese vor Grosseto Richtung Roccastrada. Unser erstes Ziel heute ist ein kleiner Antimonitabbau, Poggio Peloso. Auf der Fahrt nach Paganico, weg von der Küste setzte sich immer mehr die Sonne durch und es wurde wieder warm. Durch eine Allee von Pinien fahren wir viele Kilometer und biegen nach Paganico ab. Bei einer kleinen Brücke links der Straße steigt ein Feldweg zu einem Olivenhain an. Wir fuhren diesen Weg bis zur Absperrung. Am anderen Ende des Olivenhains im Gebüsch versteckt liegt die Halde des Versuchsabbaus Poggio Peloso. In dem hohlraumreichen Triaskalk sind Antimon-Mineralien wie Valentinit, Stibiconit zu finden. Valentinit tritt hier sehr formenreich auf. Beim Umdrehen eines Stein saß auf diesem ein etwa zwei cm großer Skorpion. Ich zeigte diesen her, bis aber Wiggerl seine Kamera klar hatte wurde dem Skorpion der Trubel zu viel. Er lies sich fallen und verschwand in den Hohlräumen der Halde. Es wurde Nachmittag, und Wolken zogen am Himmel auf. Wir wollten heute noch zur Grube "Le Cetine".

Wieder zurück nach Paganico, dann die SS223 Richtung Siena. Bei Ponte Macereto bogen wir links ab in Richtung Monticiano und dann auf der SS441 Richtung Rosia. Die Straße zwischen Ponte Macereto und Monticiano ist sehr schön. Man fährt hier durch Laubwälder, die Straße ist gesäumt von Korkeichen und Maronibäumen mit vielen herrlichen Maroni. Ca. 300 Meter vor dem Ort Rosia findet sich eine nach links abfallende nicht befestigte Straße. Sie ist mit Le Cetine beschildert. Bei der unteren Halde können zwei bis drei Autos parken. Wir hatten die Halde kaum erreicht, als die Besitzerin des Anwesens uns äußerst heftig von dem Gelände verwies. Es war unser Fehler, auch wenn kein Schild da war, nicht zu fragen. Elfi kannte die Besitzerin vom Campen, war aber noch nie beim Sammeln hier. Die zwei verständigten sich rasch, und ich durfte dann im Vorplatz des Hofes parken. Der Grund der Aufregung liegt in der Beschaffenheit der unteren Halde und den darauf stehenden Geräteschuppen. Die Halde ist sehr steil und besteht aus Schlacke, die sehr lose aufliegt. Wird hier gegraben, so rutscht bei Regen immer wieder ein Teil der Halde nach unten. Mit Erlaubnis der Besitzerin gingen wir also durch ihren Hof, dahinter befinden sich mehrere Halden mit den demselben Material. Die Schlacke ist sehr ausgebrannt, fast nur noch Glas. Findet man einen Brocken, der noch Reste von Antimonit oder andere Erze enthält, so kann man Cetineit, Mopungit, Calcit, Fibroferrit und viele andere mehr finden. Die Schlackenhalden sind riesig aber die Fundmöglichkeiten sind eher gering, wir wussten auch nicht, nach welchen Material wir suchen sollten. So nach und nach verloren einige die Lust am Suchen, zumal der Himmel immer dunkler wurde. So hörte ich, während ich Schlackenstücke zerschlug, den Ausruf "wenn's nur boad renga dat, dass ma Hoam fahrn kanntn". Was dann auch eine Viertelstunde später geschah.

Samstag 30.9.00. Es hat sich eingeregnet. Beim Frühstück beschlossen wir daher einen Tag früher abzureisen. Nachdem viele Tragetaschen und Kisten mit Steinen verstaut waren, fuhren wir, jeder für sich, von Massa Maritima nach München zurück. Jetzt gibt es für viele Wochen Arbeit mit Formatieren, Sortieren und Bestimmen der Mineralien. An unseren Micromounterabenden werden wir noch öfters Mineralien aus Toskana anschauen und tauschen, so bekommen auch diejenigen aus der Gruppe, die nicht dabei waren, schöne MM`s für ihre Sammlung. Ich danke allen unserer Gruppe, dass sie mich so wie ich jetzt bin akzeptieren und mich immer wieder unterstützt haben. Ihr habt mir wieder ein großes Stück Sicherheit auf meinen weiteren Lebensweg gegeben.

Mit herzlichem Glückauf

Manfred Früchtl


Last update 01.05.2001

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