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"Das Flussspatrevier Wölsendorf"

von Armin Hanneberg (e-mail)

Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus bei Wölsendorf stammt aus dem Jahre 1472. Damals war der Bleiglanz als Silberträger und vor allem als Zuschlagsstoff für den Seigerhüttenprozess (Entsilberung von Kupfer) sehr gesucht. Der Flussspatbergbau setzte erst im 19. Jahrhundert ein. Die wichtigsten Anwendungsgebiete für Flussspat lagen im Hüttenwesen als Flussmittel und als Rohstoff für die Flusssäureherstellung. Zunächst wurden oberflächennahe Vorkommen in bäuerlichen Kleinbetrieben abgebaut. Nach dem ersten Weltkrieg konzentrierte sich der Bergbau auf wenige industrielle Betreiber. Das Wölsendorfer Flussspat-Revier gehörte vor einigen Jahrzehnten mit ca. 10% der gesamten Weltförderung zu den größten Flussspatproduzenten der Welt. Die Erschöpfung der Vorkommen beendete diese Blütezeit bald. Der letzte Hunt im Wölsendorfer Revier wurde im Jahre 1987 aus der Grube Hermine gefördert. Von der ehemaligen Bedeutung zeugen viele Jahre nach der Schließung noch einige Fördertürme und Betriebsanlagen.

Cäcilia

Die Grube Cäcilia liegt im westlichen Teil des Reviers etwa 2,5 km nordwestlich von Stulln. In den 50er Jahren war die Cäcilia mit einer durchschnittlichen Tagesförderung von 180 t das größte Flussspatbergwerk der Welt. Die Gangaufschlüsse erreichten eine Teufe von 320 m. Wegen Erschöpfung wurde der Betrieb 1973 eingestellt. Seit dieser Zeit diente der Förderschacht zur Wasserhaltung der benachbarten Grube Hermine. Ganz in der Nähe liegt auch der zum Besucherbergwerk ausgebaute Reichart-Schacht (Freihung 2, D-92551 Stulln, Tel. 09433-1555).



Cäcilia 2000





Venetianer 2000



Hermine

Die südwestlich der Ortschaft Lissenthan gelegene Grube Hermine stellte im Jahre 1987 als letztes bedeutendes Flussspatbergwerk des Wölsendorfer Reviers den Betrieb ein. Etwa 250 m südlich wurde der sogenannte Venetianer Schacht angetroffen, der tonnlägig in mustergültiger Schlegel- und Eisenarbeit bis ca. 40 m Teufe führt. Die Anlage dieses Schachtes erfolgte um 1500 und diente sicherlich der Prospektion nach Bleiglanz. Abbauwürdige Bleierzvorkommen konnten hier aber nicht entdeckt werden.

Erna

Die Grube Erna befindet sich 1,5 km nordöstlich von Stulln im Zentrum des Wölsendorfer Reviers. Der ca. 18 m hohe Holzförderturm wurde während des 2. Weltkrieges erbaut, als andere Baumaterialien Mangelware waren. Wenig östlich steht die ebenfalls teilweise in Holzkonstruktion errichtete Zentralaufbereitung, die bis zuletzt Flussspat aus dem Revier verarbeitete. Aus einem am Hang liegenden Erzbunker wurde der Spat über eine in schwindelnder Höhe liegende Brücke dem Aufbereitungsprozess zugeführt.



Erna 2000





Roland 1999



Roland

Die Grube Roland liegt auf dem Mühlberg am östlichen Abfall ins Naabtal und erreichte eine Teufe von ca. 200 m. Im Jahre 1961 kam für dieses Bergwerk das Ende. Der Förderschacht wurde demontiert und bei der Grube Hermine wieder in Betrieb genommen. Heutzutage deuten nur noch einige Grundmauerreste sowie Pingen und Halden auf den ehemaligen Bergbau hin.

Johannesschacht-Marienschacht

Die östlich der Naab gelegene Gruben Johannes-Schacht und Marienschacht waren in Mineraliensammler-Kreisen die berühmtesten Gruben. Im Jahre 1971 wurde eine Verbindung zwischen beiden Bergwerken hergestellt und der Betrieb zusammengelegt. Die Schließung des Bergwerkes erfolgte 1979. Außer einigen zugemauerten Stollen sowie Pingenreihen und Grundmauern ist leider nicht mehr viel erhalten geblieben. Dem Besucher ist ein Abstecher zum Kocherstollen zu empfehlen. Etwa 300 m Stollen wurden in Privatinitiative freigelegt und als Besucherbergwerk hergerichtet.



Heinrich-Kocher-Stollen 2000



Quellen:
Bald, G. (2000): Wölsendorfer Flussspatrevier.- Aufschlüsse zur Erdgeschichte Bayern, VFMG-Sommertagung 2000 in Amberg, S. 38 - 48, Amberg.
Grundmann, G. & Wolf, H. (1995): Das Oberpfälzer Flußspatrevier: Nabburg-Wölsendorf, Donaustauf und Lam.- Katalog der Mineralientage München 1995 - Fluorit, S. 82 - 90, München.
Slotta, R. (1983): Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland - Der Metallerzbergbau.- Bd. 4, Teil II, S. 1451 - 1455, Bochum.
Weiss, K. (1977): 25 Jahre Bergknappenverein Stulln, Knappenverein Cäcilia, Schwarzenfeld, Bergknappenverein Marienschacht, Wölsendorf,- Stulln.

Umfangreiche Informationen zu Wölsendorf sind auf der Home-Page von Berthold Weber zu finden.

Armin Hanneberg 2001


Last update 01.05.2001

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