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Gruppenfahrt ins Elsaß
Fahrt der Senioren- und Anfängergruppe vom 16. bis 24.6.2001 unter Leitung von Gerhard Voges

Mineraliensuchen, Kennenlernen von Land und Leuten und last not least der Besuch der Mineralienbörse in Sainte-Marie aux Mines waren angesagt.

Wie schon oft durchgeführt, waren alle Teilnehmer am Samstagmorgen zur Stelle und der Bus mit Fahrer Schorsch konnte pünktlich abfahren. Auf der Autobahn ging es mit einigen Zwischenstopps bis kurz vor Mühlhausen, wo wir gleich nach der Grenze Claude Venus begrüßten, unseren wohlbekannten französischen Führer. Wir fuhren weiter nach Guebwiller, wo wir zuerst das Museum aufsuchten, um uns vorab zu informieren, welche Mineralien wir in den Vogesen finden können. Dann kamen wir in unser Quartier, das Hotel du Lac, wo wir eine Woche logieren wollten. Das Hotel bestand aus drei Häusern mit verschiedenen Restaurants, die uns in den kommenden Tagen viele Rätsel aufgaben, da wir nie genau wussten, wo unser Abendessen stattfand.

Am Stolleneingang der Bleimine Saint NicolasFür den nächsten Tag war der Besuch der historischen Eisenmine in Borbach-Le-Bas angesagt. Die Besichtigung der Mine fiel leider buchstäblich ins Wasser, da die Mine durch Verschüttung des Mundloches überflutet war. Wenn schon keine Mineralien, dann gehen wir eben auf den großen Flohmarkt in Thann, wurde entschieden. Auf der Fahrt dorthin lernten wir ein Stück der elsässischen Weinstraße, der Route du Vin d'Alsace kennen. Störche und Reiher begleiteten uns. Auf dem Flohmarkt wurde fast jeder fündig. Nur das Wetter spielte verrückt: Schirm auf, Schirm zu, so ging es die ganze Zeit. Die Verkäufer schoben bei jedem Regenguss einfach eine Plane über ihre Sachen, das war dann ein Gewühle.

Weiter ging es nach Steinbach zu der alten Bleimine Mine Saint Nicolas, wo Minenarchäologie betrieben wird. In den Minen von Steinbach wurde in der Zeit vom Ende des 15. Jahrhundert bis 1918 Blei abgebaut. Nach einer Begehung der jetzt für Besucher zugänglichen Mine haben wir auf einer Halde vornehmlich nach Pyromorphit gesucht. Auch Quarz, Baryt, Bleiglanz, Pyrit und Honigblende wurden gefunden, ebenso einige schöne grüne Pyromophit-Tönnchen. Wie erzählt wurde, hatte ein Mineralienfreund seine Brille vergessen und darum alles mitgenommen, was grün war. Wie sich herausstellte, war auch Moos dabei.

Am folgenden Tag stand Kultur auf dem Programm. Wir fuhren auf den Mont Ste. Odile, den Odilienberg. Dort wo jetzt ein Kloster über dem Grab der hl. Odilie steht - es ist heute eine Wallfahrtsstätte - war früher ein keltisches Heiligtum. Ein Stück der " Keltenmauer", der mur paien, ist noch zu sehen. Anschließend spazierten wir durch das alte Städtchen Obernai und fuhren dann über die Route du Vin und die Route des Vosges nach Riquewihr, um ein weiteres sehr pittoreskes Weinstädtchen mit alten Fachwerkhäusern und engen Gassen kennenzulernen. Solch ein malerischer Winkel zieht natürlich viele Besucher an, aber jeder fand ein ruhiges Eckerl, wo er nach Gusto ein Glas Wein, eine Quiche oder etwas anderes Typisches zu sich nehmen konnte.

Hämatitfundstelle Stahlberg Für den kommenden Tag war eine kleine Bergtour zu einer Hämatitfundstelle angesagt. Auf ging es nach Rimbach. Zuerst besuchten wir Anton Iltis. Herr Iltis arbeitete im Kalisalzbergbau . Seine hochinteressante Kalisalzsammlung hat es uns besonders angetan. Wer hat schon solch schöne durchsichtige blau/weiß/orange Salzplatten. Weiter gings dann auf einem Forstweg auf den Stahlberg, wo wir mit Erlaubnis suchen durften und schöne Hämatite, sogar Hämatitrosen und Quarzstufen fanden. Ganz Eifrige wühlten sich tief in den Berg hinein. Die Hämatite zeichnen sich durch einen sehr intensiven Glanz aus. Endlich ein Tag ohne Regen.
Botanisch Interessierte bewunderten den überall blühenden Fingerhut und verschiedene Orchideen wie Knabenkräuter, weißes Waldvögelein u.a. Sowohl im anstehenden Gestein als auch unter den lose herumliegenden Brocken konnten wir gute Funde machen und schwerbeladen ging es wieder hinunter zum Bus und zurück in unser Quartier.

Was wir schon aus der Ferne gesehen hatten, heute sollten wir sie besuchen, die Königsburg ´Le Haut-Koenigsbourg`, eine riesige Burganlage hoch über der Rheinebene. Ein Symbol germanischer Macht an der westlichen Grenze des damaligen Reiches. Erbaut im 12 Jh. wurde sie mehrmals zerstört. Als Letzter baute sie der Hohenzollernkaiser Wilhelm II. wieder auf. 1919 war die Restaurierung fertig und nun kann man sie besichtigen.
Am Nachmittag suchten wir mit Genehmigung der zuständigen Gemeinde Achate am Schlüsselstein, den wir auf einem schlammigen, steilen Weg erklommen. Einige schöne Gangachate wurden gefunden.

Hämatitfundstelle StahlbergAm nächsten Tag fuhren wir zuerst in den Weinort Eguisheim. Weinberge soweit das Auge reicht, wer soll das alles trinken? Eguisheim gehört zu den ältesten Orten des Elsaß. 1865 wurden bei Grabungen erste Spuren des ´Cro magnon- Menschen` gefunden. Der Ort liegt malerisch unterhalb des Schlossberges. Hier wurde 1002 Papst Leo IX. geboren. Wir genossen einen beschaulichen Rundgang am frühen Vormittag noch ohne andere Touristen. Nachmittags steuerten wir Bergheim an. In einem schattigen Café trafen wir uns alle wieder. Aber es war hier noch etwas anderes vorgesehen. Auf einem Weingut durften wir Fluorite suchen. Wir haben schöne weiße und amethystfarbene Fluorite sowie auch Baryte gefunden. Da die Fluoritfundstelle an einem hoch bewachsenen Hang lag, sah man nur sich bewegende Stauden, aber keinen Menschen. Nur ab und zu tauchte ein hochrotes Gesicht auf. Es war sehr heiß. Zu dem Weingut gehört ein Acker, auf dem ehemals ein Gipsabbau stattfand. Dort haben wir schöne Fasergipse sowie roten und gelben Gips gefunden. Langsam wurde es eng in unseren Rucksäcken und Schachteln. Anschließend gab es noch eine Weinprobe, wo wir alle Sorten des hier wachsenden ökologisch angebauten Weines probieren und kaufen konnten.

Jetzt stand Colmar auf dem Programm. Zuerst machten wir eine Stadtbesichtigung. Einige Bauwerke sind schon sehenswert z. B. die Dominikanerkirche mit dem Marienbild `Madonna im Rosenhaag´ von Martin Schongauer 1473 gemalt, der Dom, das Pfisterhaus, der Kornspeicher, die Markthalle und das malerische Viertel `Klein-Venedig´. Danach zerstreuten wir uns. ´Isenheimer Altar` anschauen, Essen und Bummeln waren angesagt. Aber auch noch Geld aus dem Automaten fassen, denn am nächsten Tag ging es ja auf die bekannte Mineralienmesse in Sainte-Marie aux Mines.

Für uns von unserer Münchener Mineralienmesse Verwöhnte bot sich auf dem Messegelände in Ste. Marie ein ungewöhnlicher, ja fast fremder Anblick. Die Messe fand hauptsächlich im Freien statt und zwar reihten sich weiße Türkenzelte nebeneinander entlang der Wege, was bei dem strahlenden Wetter märchenhaft aussah. Das ganze Ambiente war gemütlich, fast familiär. Aber auch in den angrenzenden Gebäuden gab es Steine über Steine. Neu für uns waren Quarzkristalle als Japanerzwillinge im Zepterhabitus. Eine Vorführung über das Herstellen von Steinzeitwerkzeugen, die aus Feuersteinen mittels eines Geweihstückes geschlagen wurden, war ebenfalls sehr interessant. Manche Händler kannten wir. Auch andere Münchener Mineralienfreunde trafen wir hier. Wir hatten den ganzen Tag Zeit und genossen die Messe trotz der Hitze.

Am nächsten Tag fuhren wir - voll mit neuen Eindrücken und schwerem Gepäck - wieder nach Hause.

Glück auf

Renate Polatzek


Last update 01.11.2001

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