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Micromounter im Siegerland
(Autor: Dr. Manfred Seitz)

In den vergangenen Jahren waren wir immer ins Ausland gefahren. Cornwall, die Toskana, die Slowakei; das waren die Ziele für unsere Hauptexkursion in den letzten Jahren. In diesem Jahr aber wollten wir ein Fundgebiet in Deutschland kennen lernen.

Friedel Pfeiffer von der Bezirksgruppe Herborn der VfMG hatte uns angeboten, eine Führung in den Fundgebieten des rechtsrheinischen Schiefergebirges für uns vorzubereiten. Dieses Angebot nahmen wir gerne an.

Am 4.5. (einem Samstag) ging es los. Weil die Gruppe mit nur 7 Sammlern viel kleiner war als sonst, hatte sich die Anmietung eines Busses nicht gelohnt; wir reisten mit privaten PKW. In Breitscheid bei Herborn nahmen wir für eine Woche Quartier in der Pension von Günther Kolb.

Wir haben uns in dieser einfachen und sauberen Pension überaus wohl gefühlt. Günther Kolb ist ein Herbergsvater im positivsten Sinne. Bei ihm und seiner Familie kann man sich uneingeschränkt zu Hause fühlen. Egal ob man sich einmal zurückziehen möchte, ob man Karten spielen will oder Fernsehen, ob man in kleiner Runde ein Thema diskutieren oder ob ein gemeinsamer Vortrag ansteht: für alles gibt es einen Platz. Sogar ein beheiztes Schwimmbad und eine Sauna sind im Angebot.

Am Sonntag war unser erster Sammeltag. Im Gebiet des Vogelsberges sammelten wir in insgesamt drei Steinbrüchen (bei Ortenberg, Gedern und Langd) die typischen Zeolith-Mineralien dieses Gebietes. Neben Friedel Pfeiffer und Helmut Tepel, die uns schon morgens an der Pension abgeholt hatten, waren noch andere Sammler aus Herborn und Wetzlar an den Fundstellen. Sie waren extra gekommen, um uns zu treffen und mit uns zusammen zu suchen.


"Die Münchener Micromounter mit Herborner Freunden im Vogelsberger Revier"

Der Vogelsberg ist das größte geschlossene Vulkangebiet des europäischen Festlandes. Die frühesten Ausbrüche fanden vor 20 Millionen Jahren statt und erstreckten sich über einen Zeitraum von 13 Millionen Jahren. Betrachtet man die Landschaft heute, dann kann man sich dies nur noch schwer feststellen. Das Relief des Gebietes ist das Ergebnis allseitig wirkender Abtragungskräfte, von Hebungsvorgängen und gewaltigen Staubstürmen, durch die meterdicke Lößschichten über dem Basalt abgelagert wurden. Die gewaltigen Basaltsteinbrüche, die für uns Mineraliensammler von Bedeutung sind, bringen die erdgeschichtlichen Vorgänge in dieser Landschaft jedoch in Erinnerung.

Auch am Montag, den 6.5., holten uns unsere beiden Führer schon früh an der Pension ab. Heute sammelten wir im Siegerland-Wied-Distrikt, einem lagerstättenkundlich herausragenden Gebiet des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Hier wurde über 2000 Jahre lang Bergbau auf hydrothermalen Erzgängen betrieben. Vor allem Siderit wurde abgebaut, in kleinerem Umfang auch Buntmetallerze.

Wir besuchten an diesem Tag die Halden der Gruben "Brüderbund" und "Neue Hoffnung". Seit vielen Jahren schon wird kein frisches Material mehr angeliefert. Unzählige Sammler haben das Haldenmaterial umgegraben und das Rohmaterial systematisch immer mehr zerkleinert. Und dennoch: Im Micromount-Bereich lassen sich immer wieder hübsche Funde machen. Dabei ist es im Grunde gar nicht so wichtig, mit welcher Technik man an die Mineraliensuche herangeht. Ob man sich tief in die Halde gräbt, ob man sich auf die Halde setzt und systematisch jeden Stein umdreht, ob man über die Halde spaziert und eher zufällig den einen oder anderen Stein auf seinen eventuellen Inhalt prüft: wer in irgendeiner Weise fleißig arbeitet, der wird auch heute noch mit dem notwendigen Glück und hübschen Funden belohnt. Auf der Halde der Grube Neue Hoffnung
"Auf der Halde der Grube Neue Hoffnung"

Den Vogel schoß heute Erwin Schuhbauer ab, der einen perfekt ausgebildeten Bornit-Kristall in einer hübschen Druse frei aufgewachsen fand, und zwar in einer Qualität, wie sie keiner unserer Siegerländer Freunde (und auch heute wieder waren wieder einige mit uns zusammen auf den Fundstellen) in ihren Sammlungen hatten.

Den Abend beschloss ein weiterer Leckerbissen. Friedel Pfeiffer zeigte uns Lichtbilder über die Fundstelle des nächsten Tages und ihre Mineralien, die weltberühmte Grube Rotläufchen.

Am Dienstag Vormittag stand zunächst die Befahrung der Grube Fortuna auf dem Programm. Im Jahr 1983 war die letzte Schicht in diesem Betrieb gefahren worden. Nicht die Erschöpfung der Erzvorräte, sondern die zu hohen Förderkosten und der damit einhergehende Absatzmangel zwangen zur Stilllegung dieses letzten, noch in Betrieb befindlichen Werkes des hessischen Eisenerzbergbaus.

Am Nachmittag sammelten wir auf den Halden der Grube Rotläufchen. Aktiver Bergbau wurde in größerem Umfang nur zwischen 1898 und 1906 betrieben. Die wirtschaftliche Bedeutung war aber auch zu dieser Zeit nicht besonders groß. Insgesamt wurden ungefähr 9000 Tonnen Brauneisen-Manganerz abgebaut. Die Bedeutung dieser Fundstelle für Sammler ist aber wegen der dort zu findenden Phosphatmineralien umso höher.

"Man muß tief graben, bevor man auf die begehrten Brauneisenknollen stößt"

Die Phosphate finden sich in den Hohlräumen von Brauneisenknollen. Die flachen Halden im Wald sind erwartungsgemäß stark abgesucht. Die besten Fundmöglichkeiten sind gegeben, wenn man sich tief in diese Halden hineingräbt in der Hoffnung, dort auf die begehrten Knollen zu stoßen. Das Erdreich ist lehmig, schwer und zäh. Die Arbeit ist entsprechend anstrengend. Ob man auf gutes Material stößt ist ungewiss. Und wie gut die Ausbeute an Stufen ist, das erfährt man letztlich erst zu Hause, wenn die Brocken vom Lehm befreit, gewaschen, getrocknet und aufgebrochen sind.

Am Abend dieses Tages erzählte uns Günther Langer anhand von Dias von seinen Sammelreisen nach Mexiko mit den Schwerpunkten in Baja California, den Bergbaugebieten in der Gegen von Fresnillo und Sombrerete, von den Abenteueren unter Tage in der Ojuela Mine und von der einsamen Weite um die Tellurlagerstätten bei Moctezuma. Träume wurden wach, auch wenn sie für manche von uns für immer unerfüllt bleiben sollten.

Eine ähnliche Situation wie am Vortag fanden wir am Mittwoch Vormittag vor. Die Halde der Grube "Schöne Aussicht" bei Dernbach liefert sekundäre Mineralien der Eisen- und Blei-Paragenese, insbesondere Sulfate und Arsenate. Die Halden sind hier deutlich höher, so dass wir die Möglichkeit hatten, uns von der Seite her in das Haldenmaterial hinein zu arbeiten. Dadurch wurde die körperliche Arbeit wenigstens etwas leichter. Und dennoch: immer wieder waren Aussagen der Art zu hören "gegen Bezahlung würde ich so etwas nie machen", oder "Hauptsache, wir sind von der Straße weg". Auch bei dieser Fundstelle besteht das Ziel der Suche darin, lehmverschmierte Brauneisenknollen zu finden, die man dann zu Hause reinigt, aufbricht und unter dem Mikroskop auf ihren Inhalt untersucht.
Wiederverfüllen der Löcher
"Das nachträgliche Verfüllen aufgegrabener Löcher ist fast so anstrengend wie das Ausheben der Löcher selbst"

Als wir zur Nachmittagsschicht bei der Grube Friedrichssegen in der Nähe von Bad Ems antraten, waren die meisten von uns schon so abgearbeitet, dass sie keinen Auftrieb mehr für ein wirklich ernsthaftes Sammeln hatten. Dies war einerseits verständlich, andererseits bedauerlich.

Verständlich, weil man auch auf dieser Halde tief graben muß, wenn man auf gutes Material stoßen möchte. Da diese große und langgestreckte Halde aber sehr hoch, sehr steil und völlig unbewachsen ist, macht es besonders viel Mühe, ein Loch zu graben, das nicht sofort durch von oben nachrückendes Material wieder verschüttet wird.

Bedauerlich, weil es hier eine besonders vielfältige Mineralisation auf Blei-, Zink-, Kupfer-, Eisen-, Silber-, Antimon-Arsen-, Nickel-, Kobalt- und Quecksilberbasis gibt.
An den Halden der Grube Friedrichssegen
"An den Halden der Grube Friedrichssegen; man könnte natürlich auch arbeiten"

Unsere Pension steht übrigens direkt über einer Tropfsteinhöhle, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist. Es bleibt Speleologen vorbehalten, sich z.B. durch den Spalt im Garten der Pension in die Tiefe der Höhle hinein abzuseilen. Wir mussten uns damit bescheiden, an diesem Abend einige interessante Video-Filme anzusehen, die (vor allem für das Fernsehen) in der Höhle aufgenommen worden waren.

Am Donnerstag, den 9.5. besuchten wir zwei Fundstellen im Bereich der Siegerländer Siderit- und Buntmetallmineralisation. An der Grube "Grüne Hoffnung" ging es uns vor allem um Pyromorphite und andere Blei-, Zink- und Kupfer-Sekundärmineralien. Die Ausbeute war an diesem Morgen eher bescheiden. Wir gaben unsere Bemühungen vollends auf, als wir aus der Haldenböschung eine ganze Feursalamander-Familie ausgruben. Jetzt ging es vor uns allem darum, diese Tiere wieder in den Schutz ihrer feuchten und dunklen Behausung zurückzubringen.

Am Nachmittag machten wir das umfangreiche Haldengebiet der Grube "Peterszeche" unsicher, ebenfalls im Buchhellertal gelegen. Hier wurde der aktive Bergbau schon 1917 eingestellt. Auf den Halden lassen sich aber auch heute noch Galenit, Sphalerit, Chalkopyrit, Tennantit, Siegenit, Millerit und zahlreiche Sekundärminerale finden.

Der Abend brachte einen weiteren Höhepunkt unserer Reise. Eine ganze Reihe Siegerländer Sammler kam der Einladung von Friedel Pfeiffer nach und besuchte uns in der Pension. Sie hatten ihr Tauschmaterial mitgebracht. Soweit wir unser eigenes Material mit dabei hatten, begannen rege Tauschaktivitäten. Soweit wir kein eigenes Material zum Tauschen mitgebracht hatten, konnten wir zu sehr, sehr günstigen Preisen lokales Material kaufen. Wir machten fast alle von dieser Möglichkeit Gebrauch. Schließlich wußten wir ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was wir selbst gefunden hatten. Und zudem ist es gerade bei Micromounts immer von großer Bedeutung, sicher bestimmte Vergleichsstücke zu haben, die bei der Bearbeitung des eigenen Fundmaterials herangezogen werden können. Wichtiger aber als das Tauschen und Kaufen war die aufgeschlossene Atmosphäre dieses Abends. Wir waren unter Freunden.
Abendessen in der Pension
"Beim Abendessen in unserer Pension"

Am Freitag hatten wir zunächst einmal eine lange Anfahrt zu bewältigen. Fast zwei Stunden waren wir unterwegs, bevor wir den Blei- und Zinkerzbergbau bei Ramsbeck im Bergrevier von Brilon erreichten. Die Besichtigung des Schaubergwerkes war eher von allgemeintouristischem Interesse. Wir hätten uns anlässlich dieser Führung etwas mehr an Informationen über die geologischen und montanhistorischen Hintergründe gewünscht.

Der Nachmittag sah uns dann wieder auf den Halden der Grube Alexander am "Vereinigten Bastenberg und Dörnberg". Sulfidische Erzminerale und eine vielfältige Paragenese von Oxidationsmineralien können hier gefunden werden. Leider war uns der Wettergott an diesem Tag nicht gnädig. Es nieselte des ganzen Nachmittag. Nicht nur, dass das Arbeiten unter diesen Bedingungen sehr anstrengend und schmutzig ist. Problematisch ist auch die Tatsache, dass es bei Regen fast unmöglich ist zu beurteilen, ob ein Stück Rohmaterial des Mitnehmens wert ist oder nicht.

So beendeten wir unsere Sammeltätigkeit relativ früh, stärkten uns in einem Cafe an hervorragendem Apfelkuchen und machten uns auf den langen Rückweg in unsere gemütliche Pension nach Breitscheid. Am Abend war dann noch Zeit, uns gedanklich auf den nächsten Tag vorzubereiten. Friedel Pfeiffer zeigte uns Dias und erklärte damit die Geologie und Paragenese der Grube Wildermann.

Am Samstag war unser letzter Sammeltag. Wieder war eine weltbekannte Fundstelle das Ziel des Tages. Wir fuhren nach Müsen, besichtigten das kleine Bergwerks- und Mineralienmuseum, machten eine Stollenbefahrung und erreichten am späteren Vormittag die Halden der Grube Wildermann. Nochmals mobilisierten wir unsere Kräfte, um an das begehrte Rohmaterial mit den darin enthaltenen Erz- und Sekundärmineralien zu kommen.
Ausklang am Pulverhäuschen der Grube Wildermann)
"Ausklang am Pulverhäuschen der Grube Wildermann"

Als Gott die Welt erschuf, hat er am 7. Tag einen Ruhetag eingelegt. Wir hätten uns daran ein Beispiel nehmen sollen. Auch wenn man die Erschaffung der Welt nicht vergleichen kann mit dem Graben in alten Abraumhalden: Für uns war dies heute der 7. Sammeltag ohne Pause, und wir sehnten einen Ruhetag herbei. Wir waren froh, als wir den Sammeltag bei einer Flasche Bier am ehemaligen Sprengstoff-Lagerhäuschen ausklingen lassen konnten.

Für den Abend hatte uns Günther Kolb in der Pension ein reichhaltiges kaltes Buffet vorbereitet. Unsere Siegerländer Freunde verbrachten den Abend nochmals in fröhlicher Runde mit uns.

Am Sonntag traten wir die Heimreise nach München an. Alle, die an dieser Sammelexkursion teilgenommen hatten, waren sich in ihrem Urteil einig. Man muss nicht ins Ausland fahren, um eine interessante Sammelwoche zu erleben. Vor allem aber begeisterte uns die Intensität und Herzlichkeit, mit der uns unsere Siegerländer Freunde, insbesondere Friedel Pfeiffer und Helmut Tepel, während der gesamten Woche betreuten. Dafür den beiden nochmals unser aller Dank.

Anfragen senden Sie bitte an:
Dr. Manfred Seitz
Lohäckerstr. 1
D-85551 Kirchheim
Tel.: 089/9038625, Fax: 089/90469588
e-mail: Dr. Manfred Seitz

Last update 25.09.2002


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