Logo  Münchener Mineralienfreunde e.V.
   Verein zur Förderung der Geowissenschaften, MM e.V.
   Schriftführung Ingrid Bode
   Ideeller Träger der Frühjahrsmesse und der Mineralientage München

Zurück
zum Archiv


Exkursion der Schleifergruppe nach Idar-Oberstein
(Autor Klaus Grasl)

Wie schon seit Jahren, hieß das Motto der Frühjahrsexkursion unserer Schleifergruppe wieder einmal Idar-Oberstein. Wie so oft schon - für mich war es dieses Jahr jedenfalls die Premiere. Während meiner 2-jährigen Teilnahme an den Treffen der Gruppe hatte ich zwar schon öfter den Wunsch daran teilzunehmen gehegt, aus terminlichen Gründen ließ sich dieser Wunsch aber bis jetzt nicht in die Realität umsetzen. Fundortbezeichnungen wie Freisen, Berschweiler, Rimsberg, Leißberg u. a. hatte ich auf Grund der Materialien, welche in der Gruppe verschliffen wurden, schon zur Genüge im Ohr, aber jetzt war es endlich so weit. Sie alle warteten nur auf mein Erscheinen. Darüber hinaus hatte ich das Glück den letzten noch freien Platz in Michaels VW-Bus zu erhalten und so blieb mir angenehmerweise die 500 km lange Fahrt mit dem eigenen PKW erspart. Michael sei an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt.

Am Freitag, den 8. März um 08:00 Uhr nahm die Exkursion ihren Lauf. Treffpunkt, dies scheint Usus zu sein war das Frühstücksbuffet in Michaels Heim. Nach ausgiebiger Stärkung aller Beteiligten, insgesamt hatten sich 5 Personen zur Mitfahrt angekündigt und alle waren auch vollzählig und gut ausgerüstet erschienen, gings dann um 10:00 Uhr los. Unseren Zielpunkt, die Pension Schmehler (23Euro EZ/T) in Herborn, einem kleinen Ort ca. 6 Kilometer nördlich Idar-Obersteins, erreichten wir gegen 15:00 Uhr. Zimmer in Beschlag nehmen und das Verstauen der fürs erste nicht benötigten Dinge wurde schnell absolviert. Viel Zeit blieb auch nicht, da sich Heinrich Zeitvogel, der Leiter der Schleifergruppe, fungierend auch als Exkursionsleiter wie Organisator per Handy für 15:30 Uhr angekündigt hatte. Es wollte sich auch niemand mehr als nötig Zeit lassen, da es jeden raus auf die Felder und hin zu den Achaten drängte.

Heinrich kam dann auch pünktlich und mit einem prallen Koffer voller Vorschläge was wir an diesem Wochenende alles in Angriff nehmen könnten. Auf einen Schlag war klar, dass dazu selbst eine Woche zu kurz sein würde und das Motto mitunter Selektion und Einschränkung heißen würde. Nach kurzer Besprechung stand fest, dass als erstes der im LAPIS-Bericht (Ausg. Feb. 2002) erwähnte Fundort am Finkenberg bei Idar (Richtung Tiefenstein) in Augenschein genommen werden sollte. Leider fanden wir an besagter Stelle keine Baugruben vor, in deren Aushub wir uns betätigen hätten können. So fuhren wir ohne große Verzögerungen weiter zu unserem nächsten Ziel nach Heinbach. Vor dem Ausschwärmen in die Umgebung des Heinbacher Hofs (Gasthof) wurden wir von Heinrich nochmals darauf eingeschworen nur nichtbestellte Felder zu betreten. Bis zum Einbruch der Dunkelheit konnten die ersten Achatfunde getätigt werden
(Fundpunkt FP1) . Für diesen Tag hieß es danach nur noch zurück zur Pension und im Anschluss ab zum Abendessen. Natürlich war der Abend damit noch nicht zu Ende, schließlich mussten noch einige Fundstücke in der Runde gezeigt werden. Da Elisabeth und Michael vorgesorgt hatten ging dies und noch die eine und andere Stunde nicht zu trocken über die Bühne.
Zusammenstellung der Funde Fundpunkt 1 - 3
Zusammenstellung einiger Funde der Fundpunkte 1 und 2 (FP1-FP2)

Samstag 09. März 2002
Um dem Tag einen angemessenen Start zu verpassen war der Besuch bei Otto Bühl in Idar Oberstein geplant. Hier trafen wir dann auch die restlichen Exkursionsteilnehmer. 3 Kollegen vom Würzburger Mineralienverein hatten sich uns angeschlossen. Nun waren wir, nachdem am späten Abend des Vortags noch 2 Münchner Teilnehmer nachgekommen waren insgesamt zu zwölft. In dieser Stärke stürmten wir daraufhin die Räumlichkeiten von Otto Bühl. Durch die Freundlichkeit von ihm und seiner Frau waren uns alle Räume und Schubladen zum Stöbern weit geöffnet. Die ganze Bandbreite an Steinen, vom Rohmaterial bis zu fertig geschliffenen Stücken, konnte begutachtet und erworben werden. Darüber hinaus gibt es bei Otto Bühl ein reichhaltiges Angebot an Schleifzubehör. Besonders in Augenschein genommen wurden natürlich unzählige Schleif- und Schneidemaschinen. Gebrauchte und neue Maschinen in vielen Variationen und Größen wurden hier gesichtet. Besondere Aufmerksamkeit wurde Ottos Steinhaufen erteilt. In ihm findet man bemerkenswertes Material und da er von Zeit zu Zeit wieder aufgefüllt, daraufhin von den Besuchern durchwühlt und neu geordnet wird, kann es sich allemal lohnen ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

Im Anschluss ging's nach Sonnenberg. Hier wurde erst eine Stelle in Augenschein genommen, welche im Vorjahr gute Fundergebnisse lieferte. Zu unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass sämtliche in Frage kommenden Stellen bereits bewachsen und aus diesem Grund für uns tabu waren. Einige hundert Meter weiter sollten sich aber die Gegebenheiten zu unseren Gunsten ändern. Weite unbestellte Äcker, welche bereits im letzten Herbst umgepflügt worden waren. Die darin befindlichen Steine waren durch den seither gefallenen Regen vom Erdreich einigermaßen freigewaschen. Kurz gesagt - der Idealzustand fürs Sammlerherz. Rückblickend betrachtet war dies, in Anbetracht der Ergiebigkeit die beste Fundstelle. Gelber und roter Jaspis in ausreichender Menge konnte hier (FP2) und an der nächsten Anlaufstelle zwischen Eckersweiler u. Reichweiler (FP3) eingesammelt werden. Im Folgenden wurde das nicht allzu weit entfernte Berschweiler aufgesucht (FP4) . Funde der letztjährigen Exkursion beflügelten manch Phantasie. Entsprechende Enttäuschung war erkennbar, als im Bereich des Friedhofs die entsprechenden Felder bereits eingewachsen waren. Im Umkreis konnten aber noch andere Stellen begangen werden. Das Fundglück schien dieses Mal unterschiedlich verteilt zu sein. Zu finden gab es, vorausgesetzt das Glück half etwas mit, Achatmandeln in der Größenordnung von fingernagelgroß bis wenige Zentimeter. Spuren von Rauchquarzkristallen und Bruchstücke von Kristallrasen rundeten das Bild ab.
Rauchquarz Sonnenberg
Dem Autor selbst gelang der Fund einer 10x7 cm großen Druse gefüllt mit sehr dunklen Rauchquarzen/Morionen (s.o.).

Die "Farbe" stammt nicht von Einschlüssen, sondern wird durch die Strahlung im Boden verursacht. Dieses Phänomen der Farbänderung kann mancherorts auch an den im Boden auffindbaren Glasbruchstücken beobachtet werden. Gewöhnliches Glas nimmt nach einigen Jahren Verweildauer im Erdreich eine rosa bis lila Färbung an. Als letzte Stelle an diesem Tag wurde die Umgebung des Sportplatzes auf- und abgesucht (FP5) . Der Sonnenuntergang setzte den Schlussstrich unter unsere Suchtätigkeit. Ein ganz besonderer Höhepunkt, welcher hier nicht unerwähnt bleiben soll stand noch auf dem Programm - das "Spießbraten-Essen". Tagsüber waren schon Bemerkungen der Vorfreude darauf gefallen und fast kam der Verdacht auf, dass möglicherweise manch einer in erster Linie wegen dem Spießbraten und nicht wegen der Achate an der Exkursion teilnahm. Nach Einverleibung dieser örtlichen Spezialität haben sich alle überaus löblich hinsichtlich Geschmack und Menge geäußert. Der Autor, seit den Skandalen rund ums Fleisch und Vieh überzeugter Vegetarier, konnte immerhin noch die Auswahl zwischen Salat "mit" Pommes und "ohne" treffen. Bei manch guten Tropfen endete auch dieser Tag in geselliger Runde im Gemeinschaftsraum unserer Pension.

Sonntag 10. März 2002
Die Zeit drängte, der letzte Tag war angebrochen. Das übliche Zimmerräumen wurde schnellstmöglich über die Bühne gebracht. Unser Gepäck konnten wir bis zum Nachmittag in der Pension unterstellen. Erste Station für diesen Tag war Rimsberg bei Birkfeld (FP6) . Rechts am Gemeindehaus vorbei ging's ab in die Natur. Auch hier war der Enthusiasmus etwas eingebremst, da auf dem höffigen Feld bereits das Wintergetreide spross. Es gelang uns abermals durch Suchen auf benachbarten Feldern den ohnehin kaum noch vorhandenen freien Stauraum im VW-Bus durch weitere Achate/Karneole nochmals zu minimieren.
Objekt der Begierde
An dieser Stelle gelang dem Autor der Fund einer geschlossenen "Achatkartoffel" (siehe oben).
Mit dieser "Kartoffel" soll noch einiges geschehen. Näheres dazu am Ende vom Bericht. Das Aufsuchen der nächsten Fundstelle wurde etwas kontrovers diskutiert. Ein generelles Grabungsverbot liegt über dem Achatvorkommen am Leißberg bei Oberthal. Obwohl die Fundaussichten dementsprechend gering waren, entschlossen wir uns dennoch die Stelle einer optischen Kontrolle zu unterziehen. Der Weg zur Teufelskanzel zieht sich durch den Nohfelder Rhyolith. In ihm liegt das Vorkommen der Lithophysen-Achate (FP7) . Nur 1 Meter neben dem Anstiegsweg zur besagten Stelle lag ein 10x10x6 cm großes Fundstück. Dies sollte auch der größte Fund bleiben. An der Stelle des Grabungsverbots war ersichtlich, dass kürzlich Abholzmaßnahmen stattgefunden hatten. Aus diesem Grunde konnten trotz Respektierung des Verbots einige kleine Funde an der Oberfläche getätigt werden.

Auf dem Rückweg zu unserer Pension, mittlerweile war die Zeit zum Aufbruch nähergerückt wurde noch ein Abstecher zum Edelsteindorado bei Freisen unternommen. Die Örtlichkeiten wurden von außen inspiziert und Erkundigungen über Preise eingeholt. Im Edelsteindorado, einem eingezäunten Gebiet von 25000 qm besteht die Möglichkeit durch Abtragen der oberen Schicht durch den Betreiber an die darunter liegenden noch unversehrten Achatknollen zu gelangen. Der Eintrittspreis beginnt bei 5 Euro/Std. und ermäßigt sich bei längerer Verweildauer. Weitere ausführliche Informationen sind unter www.edelsteindorado.de ersichtlich. Die dahineilende Zeit ließ uns keine Möglichkeit das Angebot in Anspruch zu nehmen. Als zukünftigen Anlaufpunkt bei weiteren Exkursionen wird man es aber nicht aus dem Blickwinkel verlieren. Da der Aufbruch nun unausweichlich war begaben wir uns schweren Herzens und noch schwererem Gefährt zurück zu unserer Unterkunft. Dort wurden die restlichen Gepäckstücke fein säuberlich verstaut. Angesichts der getätigten Funde grenzt es an ein kleines Wunder, dass alles seinen Platz fand und niemand zurückgelassen werden musste. Nach Verabschiedung von unseren Würzburger Sammlerkollegen traten auch wir die Heimfahrt an. An dieser Stelle möchte ich auf die am 24.11.2002 stattfindende Mineralienbörse der Mineralien- und Fossilienfreunde Würzburg hinweisen. Näheres unter www.mineralienboerse-wuerzburg.de.vu . Nicht von ungefähr führte unser Heimweg Richtung Alzey. Liegt doch der kleine Ort Nack in unmittelbarer Umgebung (FP8) . Während der letzten Sonnenstrahlen bis zum Einbruch der völligen Dunkelheit konnte man uns nochmals mit gebücktem Rücken im Nacker Weinberg rumlaufen sehen, auf der Suche nach den dortigen im Rotliegenden vorkommenden Achaten. Die Suche war nicht sehr ergiebig, aber immerhin konnte das eine und andere Stück vor der herannahenden Verwitterung in Sicherheit gebracht werden. Was noch aussteht ist ein dickes Lob an Michael, der uns nicht nur sicher und schnellstmöglich zurück nach München brachte, sondern auch während der Exkursion von Such(t)stelle zu Such(t)stelle. Ebenso gebührt auch Heinrich herzlicher Dank für die gute Organisation und den reibungslosen Ablauf und darüber hinaus für die Weitergabe seines Kenntnisstandes die Fundstellen betreffend.
Zusammenstellung einiger Funde
Zusammenstellung einiger Funde verschiedener Fundpunkte (FP).

Sollte weiteres Interesse an den Achaten rund um Idar-Oberstein bestehen empfehle ich die Seiten von Diplom Schmuck- und Edelsteindesigner Klaus Schäfer unter www.mineralworld.de

Aktion "Achatkartoffel":
Um den bei der Exkursion nicht beteiligten Mitgliedern der Schleifergruppe die Möglichkeit zu bieten an der Sache zu partizipieren, hat sich der Autor dazu entschlossen, die größte von ihm gefundene noch geschlossene Achatknolle (ca. 6x4cm - siehe auch Bild oben) zu Gunsten der Gruppenkasse zur Versteigerung freizugeben. Schlusstag der Versteigerung soll das Treffen im November sein. Das Stück soll dann in den darauffolgenden Tagen geschnitten und anlässlich unserer Weihnachtsfeier im Dezember dem Ersteigerer übergeben werden. Damit der Achat bis zur Weihnachtszeit wenigstens stückweise das Licht des Tages erblicken kann, wurde er an einer bereits vorhandenen Anschlagstelle etwas angeschliffen. Vielleicht bildet der Erlös den Grundstock dazu, künftige Exkursionen vom Tageslicht unabhängig zu machen.

Das Ergebnis der A(u)ktion inklusive Innenleben der "Kartoffel" und natürlich auch Fundstücke der Exkursionsteilnehmer in geschliffener Form wird man einer unserer nächsten Ausgaben entnehmen können.

Glück auf

Anfragen an:

Heinrich Zeitvogel
Scheffelstr. 11
D-85055 Ingolstadt
Tel.: 0841-956193
Fax: 0841-920133
e-mail


Last update 12.05.2002


Münchener Mineralienfreunde e.V., Münchener Straße 23, 85540 Haar