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Mineralien, Miles & More
Iberia-Exkursion September 2002

Autor: Thomas Stuhrmann

Monokulturen Es ist Freitag Nachmittag. Ich packe meine Reisetasche und Rucksack mit Werkzeug ins Auto und fahre zu Pauli. Unser Reise Equipment samt Proviant für eine Woche muss in den für die Exkursion angemieteten Sprinter verstaut werden. Stefan kommt etwas später dazu und packt mit an. Um 19.00 Uhr holen wir Nuffi, Kuhni und Ernstl wie vereinbart ab.

Es geht los. Wir fahren in die Nacht. 2400 km liegen vor uns bis nach Cordoba, unserem ersten Etappenziel. Via Geneve, Lyon fahren wir im Morgengrauen an Barcelona vorbei, weiter Richtung Valencia. Beeindruckende gigantische und zugleich erschreckend öde wirkende Orangen , Oliven und Weizenmonokulturen säumen unseren Weg nach Cordoba.

Geschafft! Wir sind nach gerade mal 20 Stunden Reisezeit ganz in der Nähe unserer ersten Fundstelle und erspähen auch gleich eine geeignete Campingstelle. Eine ebene Fläche unter dem schattenspendenden Dach von Pinien, daneben ein Bach welcher von blühendem Oleander eingesäumt ist. Doch bevor wir unser Quartier aufbauen feiern wir mit einer kühlen Dose Bier unsere Ankunft. Das Wetter ist gut und es hat jetzt abends immer noch 28° C.

Ein eingespieltes Team So, jetzt heißt es noch schnell vor Einbruch der Dunkelheit die Zelte und unsere Küche aufbauen. Wir sind ein eingespieltes Team: Zwei Mann stellen die Zelte auf während die anderen unsere Küche in Betrieb nehmen, den Klapptisch aufstellen, die ersten Büchsen aufmachen, Salat putzen und schneiden. Jeder Handgriff sitzt.
Es wird Dunkel und beim Schein einer Gaslampe essen wir, trinken noch ein paar Gläschen Wein und horchen dem "Sammlerlatein" was unsere Erwartungen in den morgigen Tag noch steigert. Ob das Funkeln unserer Augen auf die unglaublichen Geschichten oder den Weingenuss zurückzuführen ist, ich weiß es nicht mehr. An nächsten Morgen werden wir schon unerwartet früh aus dem Schlaf gerissen. Marschmusik aus den Lautsprechern einer benachbarten Kaserne beschallt nicht nur die Soldatenunterkünfte. Ein kurzes Frühstück und auf geht's zur Fundstelle.

Auf geht's zur FundstelleEin Schlagbaum, gesichert mit Schloss und Kette versperrt die Weiterfahrt direkt zu dem noch in Betrieb befindlichen Steinbruch. Dort aufgestellte Blechschilder mit Beschriftung in spanischer Sprache können wir leider nicht übersetzen und verstehen. Wer weiß, vielleicht hat dies auch etwas Gutes. Unsere Rucksäcke, vollgepackt mit Werkzeug, Brotzeit und Getränke, müssen wir jetzt in einem etwa halbstündigen Fußmarsch, bergauf zum Fundgebiet schleppen. Bei Temperaturen über 30° C eine schweißtreibende Angelegenheit.

Oben angekommen teilen wir uns auf und erkunden das Gebiet. Erste am Boden liegende Quarzscherben weisen uns den Weg zu Felswänden mit Quarzbändern. An einer zum Arbeiten geeigneten Stelle setzen wir Hammer und Meißel an und fördern durch harte Arbeit die ersten Quarzstufen und Einzelkristalle. An einer weiteren Stelle bergen wir Rauchquarze und schon mittags ist der Rucksack voll Steine und die Mineralwasserflaschen sind leer. Ganz nett für's Erste.

Auf dem Rückweg zu unserem Auto begegnen wir einheimischen Sammlern. Sie zeigen uns ihre Funde, Amethyste im schönstem dunkelviolett. Der erste Rucksack voll Steine wird am Auto abgeladen. Mit frischem Mineralwasser versorgt laufen wir noch einmal den Berg hinauf, den Amethysten entgegen, zu der von den Sammelkollegen beschriebenen Stelle. Ein gewaltiger Felsbruch hat sich hier vor kurzem ereignet. Was wir in dem Geröllfeld finden lässt das Sammlerherz höher schlagen, unter anderem gelbe Fluoritwürfel auf violettem Amethyst.

Am nächsten Tag fahren wir weiter in Richtung Norden mit dem Ziel Bendada in Portugal. Pauli beschreibt uns die Fundstelle: Metergroße Rauchquarzkristalle kann man dort quasi nebenbei mitnehmen. Dort angekommen finden wir nach einigem Suchen und Nachfragen auch den beschriebenen Steinbruch. Doch der Bruch ist seit vielen Jahren aufgelassen und als solcher kaum noch zu erkennen. Die Vegetation hat sich das Areal längst zurückerobert. Wir arbeiten gemeinsam an einer Erfolg verheißenden Stelle, finden auch einige kleinere Belegstücke, brechen dann aber unsere Suche ab. Der Wettergott ist uns heute nicht wohlgesonnen. Aus dem tiefschwarzen, wolkenverhangenem Himmel fallen zunächst einige Tropfen, dann einzelne kräftige Regenschauer welche in sintflutartige Regengüsse übergehen.

An Zeltaufbau ist heute nicht zu denken. Wir suchen uns ein Hotel zum Übernachten. 3 Tage Wild Camping und Arbeit im Steinbruch lassen eine warme Dusche und frische Kleidung zu einem Hochgenuss werden. Das gemeinsame mehrgängige Abendessen im Hotel rundet dieses Gefühl ab.

Franzosenwand in Berbes Am nächsten Morgen nach dem Frühstück geht's weiter. Wir fahren in Portugal weiter bis zur Grenze nach Galizien. Die Landschaft zeigt sich in frischem Grün. Wälder mit stattlichen Bäumen wechseln sich mit landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf welchen Obst, Wein und Gemüse angebaut wird, ab. Nicht mehr metergroße Rauchquarzkristalle - nein, mit nur kleinen Smaragden wären wir heute schon sehr zufrieden. Wir suchen den in der Fachliteratur beschriebenen Aufschluss, halten immer wieder an und begutachten die Straßenböschung auf eventuelle Pegmatitgänge. Leider alles erfolglos, begleitet von heftigen Regenschauern. Am Abend mieten wir uns einen Bungalow auf einem Campingplatz, kochen einen kräftigen Eintopf aus frischen Gemüse, Speck und Würstchen. Weiter auf unsere Miles & More Tour. Wir fressen die Kilometer nach Esturien in Nordostspanien. Die Autobahn ist hervorragend ausgebaut und mautfrei zu befahren. Der Weg führt uns durch eine grandiose Hochgebirgslandschaft bis auf fast 1400 m Passhöhe. Am Abend ist Berbes an der Atlantikküste erreicht. Sammler assoziieren mit Berbes Bilder von außergewöhnlich großen und schönem Fluorit und Baryt.

Oberhalb der Steilküste, auf einer kleinen Wiese, direkt neben der "Franzosenwand" schlagen wir unser Nachtquartier auf. Die sogenannte "Franzosenwand" ist die mit den begehrten Mineralien durchsetzte Felswand. Wir sehen die Abendsonne im Atlantik versinken. Wieder gutes Wetter. Ein gutes Omen? Morgen werden wir es wissen.

Sonnenuntergang in Berbes Diese Nacht schlafen Pauli und ich sehr unruhig in unserem Zelt. Ist es die Aufregung und Hoffnung auf neue spektakuläre Mineralfunde? Ist das Kribbeln in den Armen und Beinen ein Zeichen? Wir erwachen schon sehr früh aus unserem Schlaf und kommen auf des Rätsels Lösung: Es ist eine Ameisenstraße, welche durch unser Zelt verläuft.

Ein neuer Morgen ein neues Glück. Die Arbeit am zähen Gestein mit Vorschlaghammer, Fäustel und Meißel hat sich für jeden gelohnt. Am Ende des Tages hat jeder passable Stücke für die eigene Sammlung oder zum Tausch gefunden. Wir genießen noch einmal den Ausblick auf die untergehende Sonne hier und fahren morgen landeinwärts nach Navajun.

Je weiter wir uns von der Atlantikküste entfernen um so mehr weicht das frische Grün den Gelb- und Ockertönen. Bis wir uns schließlich, wie umgeben von den Kulissen eines Wildwestfilmes, in der Ortschaft Navajun befinden.

Welcher Fluch hängt über dieser halbverfallenen Geisterstadt? Geier kreisen, flüchtig bemerkt man Leute in die Häuser huschen. Die Türen und Fenster der wenigen scheinbar bewohnten Häuser verriegeln sich. Keine Spur von der Dorfbar wo man um Erlaubnis zum Besuch der Pyritmine bitten soll. Wir klopfen an den Türen einiger Häuser bis diese vorsichtig einen Spalt breit geöffnet werden. Wir fragen nach der Bar und dem Weg zur Mine Es gibt keine Mine! ist die einheitliche knappe Antwort. Sofort schließen sich die Türen wieder.

Das Alpha-Männchen bei der Arbeit Wir sind hartnäckig und finden den Weg zur Mine auf eigene Faust. El Dorado! Goldenglänzende Pyritwürfel, mit einer Kantenlänge bis zu 5 cm, eingebettet in weichen, leicht zu bearbeitendem Talk. Hier werden Sammlerträume war, überall die begehrten Steine, soviel man tragen kann.

Nach etwa zwei Stunden, unser Rucksäcke sind bis obenauf gefüllt, alles Stücke vom Feinsten , bekommen wir Besuch. Zwei Herren im Geländewagen halten an, steigen aus und begrüßen uns mit kräftiger Stimme. Selbstverständlich dürfen wir unsere Funde mitnehmen. Wir wissen diese freundliche Geste zu schätzen und zeigen uns mit 40 Euro erkenntlich, dafür werden wir auch noch zurück bis zur Hauptstraße begleitet.

Wir fahren in Richtung Zaragossa unser Alpha Männchen hält Ausschau nach einer geeigneten Stelle zum Aufbau des Nachtquartiers. Der Rest der Truppe murrt mit Blick auf einen bedrohlich wirkenden schwarzen Himmel. Bei Tarazzona finden wir eine Pension für die Nacht und der Himmel öffnet seine Wasserschleusen.

Die letzte Fundstelle dieser Reise liegt bei Fuentes del Ebro. Hier werden aus Sedimentgestein Gipskugeln und -konglomerate mit einem Durchmesser bis zu zwei Meter Durchmesser abgebaut. Unser Interesse gilt wasserklaren Gipskristallen. Nach kurzer Suche entdecken wir auch die Schichtung, in welcher die Hohlräume mit den begehrte Kristallen sind. Kuni unser Geburtstagskind macht sich selbst heute das schönste Geschenk. Es ist eine außergewöhnlich große Stufe, über und über bestückt mit Kristallen bis zu 10 cm Größe. Die Ausbeute für gerade mal zwei Stunden Arbeit ist riesig. Wir befüllen alle noch verfügbaren Kisten mit Kristallstufen. Sichtlich zufrieden mit Freude und einem Lachen im Gesicht machen wir ein letztes Mal Brotzeit in Spanien und treten gegen 15.00 Uhr die Heimreise an.
1700 km liegen vor uns. Via Barcelona, Lyon, Geneve erreichen wir München am nächsten Morgen.

In 8 Tagen legten wir insgesamt 6500 km zurück. Die weiteste Etappe war München Cordoba, 2400 km in 20 Stunden. Wir besuchten in Spanien und Portugal 7 verschiedene Fundstellen, an vier wurden wir fündig.


Last update 25.05.2003


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