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Einschlüsse in Quarz ...


    ... sind eigentlich etwas höchst ärgerliches. Etwas, das ich normalerweise mit allen Mitteln, die mir als Edelsteinschleifer zur Verfügung stehen, vermeide. Ganz, ganz selten aber laufen mir Rohsteine über den Weg, die zwar von Einschlüssen gepeinigt sind, aber durch deren Ästhetik und/oder Regelmäßigkeit eine absolute Herausforderung darstellen. Wer hat noch nicht den perfekten Brillantschliff von John Bailey mit der einen, exakt in die Mitte – sozusagen in die „optische Achse“ – eines ansonsten völlig klaren Bergkristalls orientierten Rutilnadel bewundert? Und vermutlich genauso hat sich fast jeder von uns einmal (oder öfter) die Füße auf der Börse wundgelaufen und doch nichts vergleichbares gefunden. Die meisten Rutile in Quarz sind völlig „chaotisch“ also unregelmäßig in alle möglichen Richtungen eingelagert (bzw. vom Quarz umschlossen, um der Reihenfolge der Entstehung gerecht zu werdxen). Viele dieser Exemplare zeigen nach dem Schliff durch vielfache Reflexionen ein nur noch diffuses Bild ohne das sich einzelne Rutile noch mit dem Auge erfassen lassen. Im Herbst 2004 war ich, wie so oft, auf der Suche nach Rutilquarzen, und wurde diesmal fündig. Aber nicht auf einer Börse, sondern typisch für heute im Internet. Auch habe ich nicht die eine perfekte Nadel im Heuhaufen/Rutilnadel im Quarz gefunden, sondern eine Steigerung hiervon. Der Rohstein, ein nachpolierter Pseudo-Kristall (welch scheußliche Untat an so einem edlen Stein...) muss treffender als Sagenit-Quarz bezeichnet werden, da die Anordnung der Einschlüsse eben keinem üblichen Rutil sondern dessen Varietät Sagenit entsprechen.

    Rutilquarz Rohstein
    Der Sagenit-Quarz als nachpolierter Pseudo-Kristall.

    Zum Glück war mir der Händler aus Österreich persönlich bekannt, so das ich ihn dazu bewegen konnte, mir das fast 5 cm große Prachtexemplar sofort ohne die üblichen eBay-Laufzeiten (und Mitbieter) zu verkaufen. Nachdem dieser Rohstein mit zahlreichen anderen endlich bei mir eintraf, zeigten sich leider Schwierigkeiten, die auf dem Angebotsbild nicht ersichtlich waren, vielleicht wollte ich diese auch nicht sehen. Der Sagenit ist hier als ein Hauptstamm ausgebildet, der knapp unter der größten Seitenfläche verläuft und jeweils seitlich und nacht unten im für den Sagenit typischen Winkel einzelne Äste abzweigen lässt. Entfernt erinnert diese Struktur an einen Tannenbaum. Die Problematik beim Schleifen war, das von der derzeitigen Oberfläche bis zur künftigen Tafel höchsten ein halber Millimeter Material abgetragen werden dürfte, damit der Hauptstamm erhalten bleibt.

    Sagenit-Quarz 33,52 Karat Sagenit Quarz 33,52 Karat

    Nach vielen Überlegungen habe ich für diesen Sagenit-Quarz einen Schliff abgewandelt, der ein variables Oberteil hat (Cornered). So musste ich mich während des Pavillon-Schliffs nicht auf den Millimeter genau festlegen, sondern konnte die Tafelebene mit einem relativen hohen Maß an Flexibilität schleifen und auch „Kompromiß“-Facetten vermeiden. Die Anordnung der langen und dünnen Facetten im Unterteil in Kombination mit eher kompakten Facetten im Oberteil bewirkt hierbei ein kontrastreiches Reflexbild. Die Gesamtzahl der Facetten (45 zzgl. 8 an der Rondiste) ist für die Größe des Steines (33,52 Karat, 21,3 x 14,3 mm) eher gering, was der Wirkung der einzelnen Nadeln zu Gute kommt.
    Trotz intensiver Suche auf zahlreichen Messen habe ich seither keinen vergleichbaren Einschlussquarz mehr finden können...

    Sagenit-Quarz 33.52 Karat

    Für diesen Einschluss-Quarz wurde mir auf der Weihnachtsfeier (18.12.2007) der Schleifergruppe von den Münchener Mineralienfreunden den 1. Platz im diesjährigen Schleiferwettbewerb verliehen!
Urkunde

Anfragen können gestellt werden an den Verfasser:
Uli Zeisberg
Implerstrasse 90
81371 München
Tel.:089 72015239
e-mail


Last update 23.01.2008


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