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Rumänienfahrt 10.-22.09.2009

Nach Planung und Erkundungstour (Festlegung der Details vor Ort) ging's mit dem eigenen Bus (ca. 34 Personen) am 10. September in aller Frühe los.

1. Tag
Abfahrt pünktlich, durch Österreich (Mittagessen in Heiligenkreuz, beeindruckende Wallfahrtskirche) bis nach Ungarn zum Hotel Venusz am Ballaton-See. Nette Unterkunft, ruhige Lage zur Übernachtung. Dort treffen wir unseren Begleiter für die nächsten Tage: Lajos - gebürtiger Rumäne, jetzt in Ungarn lebend, bekannt von den Mineralientagen.
Erster Geldumtausch, 1 Euro sind rund 250 Forint. Anschließend gemeinsames Abendessen im Ort, stilvolles Restaurant, gute - auch einheimische - Küche. Danach Besuch des privaten Mineralienmuseums von Lajos (erste Einkaufsmöglichkeiten). Zurück zum Hotel, doch einige Müdigkeit nach 750 km Fahrt.
Ab ins Bett, für einige vorher noch ein kleiner Schlaftrunk.

2. Tag
Frühstück um 7 Uhr. Abfahrt 8 Uhr nach Rumänien. Vor der Grenze zweiter Geldumtausch,1 Euro sind rund 4 Lei.
Kontrolle der Papiere im Bus. Weiterfahrt übers Land nach Kapnic, dort unser Quartier für die nächsten Tage, Haupthaus für 18 - Nebenhaus über den Bach hinüber - für sieben Personen. Erstes, gemeinsames Abendessen.
Ab in die Betten.


Unser Quartier in Kapnic

3. Tag
Ab heute Frühstück um 8 Uhr, Abfahrt um 9 Uhr. Das sind auch die Termine für die weiteren Tage.
Heute erster Exkursionstag. Mit Lajos und mit Peter (einem früheren Bergman aus der Nachbarschaft) nach Krebsdorf. Ein schönes Tal hinauf, verlassen wir den Bus bei einer periodisch artesischen kalten Quelle, die etwa alle 5 Minuten unter Brausen und Zischen aus ihrem Schlund hochsteigt und überläuft. Trinkbar - heißt es. Wird auch fleißig getestet.
Wir lassen den Bus zurück und steigen zur Fundstelle weiter das Tal hinauf. Erste Klopfereien. Mineralien: Chalkopyrit, Bleiglanz, Zinkblende - das glitzert ganz lustig, auch etwas Quarz und Kalzit.


Chalcopyrit etc.

4.Tag
Erste Tageshälfte: Kulturtag - beginnend mit einem rumänischen Flohmarkt (das ist auch Kultur) in der nächstgelegenen größeren Stadt. Das Angebot wurde von unseren Besuchern stark abwertend beurteilt; es gibt aber durchaus den dortigen Lebensstandard wieder.
Besuch einer erst 20 Jahre alten orthodoxen Kirche. Beeindruckend. Daneben eine Katholische "Barock"-Kirche, aber für unsre Begriffe etwas anders ausgestaltet.


Kirchenschiff

Mittagessen und wieder Richtung Quartier. Unterwegs die nächste Fundstelle, direkt neben der Strasse. Überbleibsel einer Zubringer/Abfüllstation und Reste der früher dort angelieferten Gesteine und Erze. Schöner Rhodochrosit/Rhodonit, vergesellschaftet mit Bleiglanz und Zinkblende. Hohe Qualität auch größerer Stücke, daher wurden wohl einige "Gartensteine" im Bereich etlicher Kilogramme mitgenommen. Die besten Stücke findet man im Bachbett, wohl von der Zubringerbahn weiter oben runtergekugelt. Vielleicht deshalb auch noch nicht zu sehr "entdeckt", weil von graugrünen Bewuchs oder Algenbelag im Bach überzogen. Aber nach dem Aufschlagen zeigte sich eine sensationelle Qualität. Schönstes Rosa bis zu tiefroten Streifen, teilweise in Bleiglanz und Zinkblende eingefasst. So richtig was für das Schleiferherz.


Rodochrosit

5. Tag
Besuch der berühmten, 76 Meter hohen Holzkirche von Sudesti. Imponierender Bau. Das alte Holz hat eine eigenartige Ausstrahlung. Um die Kirche in scheinbar ungeordneter Anlage Gräber in verschiedensten Größen und Ausprägungen: Eisenkreuze, Steinkreuze und sargähnliche, nach oben offene Wannen.


Kirchturm von Sudesti (76m)

Weiter dann zur nächsten Fundstelle, nach Razoare zu einer aufgelassenen Verarbeitungsstelle von Manganerzen. Dort im wesentlichen eingewachsene Hessonite.
Etwas weiter eine Fundstelle von Tremolith, ein weißes, sternförmig auskristallisiertes Mineral im weißen Muttergestein. Das Ganze eher etwas unscheinbar.

6. Tag
Als erstes Besuch einer Halde mit dem Bergmann Ferenz bei Suior, verschiedene Erze, Quarze.
Weiter zum Bodi-See auf ca. 1000 Meter Höhe. Ein wunderschöner Ausflugsort, der mit seiner Lage und Umgebung sehr an unsere Vorgebirgsgegend erinnert. Von dort aus gibt's sogar einen Skilift auf den nächstgelegenen Gipfel.
Nach kurzer Rast weiter zu einer Halde beim "Stollen 5". Dort verschiedenes: Arsenopyrit, Bournomit, Antimonit und einiges vom auffällig roten Realgar.

7. Tag
Ruhetag, zur freien Verfügung. Diverse kleinere Ausflüge von Personengruppen verschiedener Zusammensetzung.
Jeder wie er's wollte vom Haus aus in die nähere Umgebung.

8. Tag
Besuch einer weiteren alten Holzkirche (Plopis), sehr guter Zustand mit bunter Innenausstattung. 150 Jahre altes Kirchenbuch wurde gezeigt. Auffallend farbige Ausführung der Gräber in der unmittelbaren Umgebung der Kirche.


Plopis-Vorraum

Weiter nach Kötelesmesö, einem Dorf an einem weiten Talhang, wo auf Wiesen und Feldern (Mais und Kartoffeln) kleine Chalzedon-Bruchstücke zu finden waren.
Einige der Bauern haben natürlich bei der Bestellung der Felder im Frühjahr und bei der Ernte im Herbst auch schon selbst gesucht und verkaufen ihre Funde ab Hof: verschiedene Qualitäten, teilweise recht günstig.
Man muß halt ein wenig handeln, wie überall.


Beim Chalcedon-Bauern

Unsere Mannschaft hat sich zur Suche sehr bald in kleinste Grüppchen aufgeteilt, was dem Finden nicht hinderlich war, den Kontakt zur sehr gastfreundlichen Bevölkerung förderte. Nach jeder Begrüßung muß erst mal mit dem selbstgebrannten Obstschnaps angestoßen werden und an diesem Tag wurde recht fleißig begrüßt.
Abends wieder zu Hause großes Gulasch-Fest, aus dem großen Topf, der schon am Vorabend über dem offenen Feuer angeköchelt worden war.


Selbstversorger

9. Tag
Auf dem Weg zur nächsten Fundstelle den ehemaligen Bergmann Peter von seinem Haus abgeholt. Er hat, wie viele Ehemalige, den Garten voller großer und kleiner Mineralienstufen. Gelegenheit zur Besichtigung und zum Einkauf. Möglichkeit zum Betreten und Fotografieren seines Wohnhauses mit der typischen Einrichtung eines Bergarbeiters und ebenfalls voller Mineralien.
Weiter mit ihm nach Erzsebetbanya - ein früher sehr bekanntes Bergwerk. Viele inzwischen geschlossene und verschlossene Stollen, daher keine Besichtigung möglich. Jede Menge schon erheblich verfallene Gebäude, die damals der Erzgewinnung und Aufbereitung gedient haben.


Nach-5-Jahren

Weiter zu zwei Fundstellen: Eine Gruppe zu einer Halde mit kleineren Quarzkristallen, die andere Gruppe nach Programm mit 15 Minuten Aufstieg zu einer sehr ergiebigen Stelle mit Quarzen, vergesellschaftet mit Erzen (Bleiglanz, Zinkblende) und Kalziten.

10. Tag
Als erstes der Besuch des Mineralienmuseums in Baia Mare. Architektonisch modern gestaltetes zweistöckiges Gebäude mit großartigen Prachtstücken aus der hiesigen Bergbau-Provinz Maramuresch. Wahrhaftig beste Ausstellungsstücke aus Quarz, Antimonit, Chalzit, Gips, Pyrit, Schwefel, Realgar, ...
Da gingen einem die Augen über und in die Kameras wurden beachtliche Mengen an Megapixeln abgefüllt. Dieses auch international bekannte Museum ist ein absolutes Muß für jeden Mineralienfreund, der einmal in die Gegend kommen sollte.


Kalzit-Männchen im Mineralienmuseum von Baia Mare

Besuch einer alten Bergwerkskirche. Weiter mit Bergmann Tibor zur nächsten Fundstelle. Aufstieg durch den Wald, am kleinen blauen See vorbei zu einem Steilhang und einem Stollen (ca. 30 Meter Tiefe) voller Lehm und Baryten.
Für die Lehmabbauer war volle "Arbeitskleidung" angesagt. Hellbrauner, fetter, kornloser Lehm, der sich schnell überall festsetzt und sich nur schwer entfernen ließ.
Der Lehm soll zum Schutz der Kristalle über den Baryt-Stufen bis zurück nach München dranbleiben.
Der Stollen befindet sich in unmittelbarer Nähe einer 200 Meter tiefen Kluft,die sich von dort den Hang hinabzieht. Enthielt früher reichlich Gold. Tibors Großvater soll noch hier gearbeitet haben.
Auf der Heimfahrt noch Kurzbesuch bei Tibor: Speckbrot und Palinka für alle. Auch einige Mineralien zu kaufen, wer noch will.

11. Tag
Kulturtag. Besuch des Dorfes Budesti. Besichtigung einer alten Kirche und einer uralten Wohnung mit ebenso uralten Bewohnerinnen. Gang durchs Dorf, viele typische Häuser mit teilweise riesigen geschnitzten Holztoren am Garteneingang.


Holztor

Weiter zu einer berühmten Klosteranlage (Barsana) mit vielen großen Holzhäusern und Holzkirchen. Die beeindruckende Anlage ist, ausnahmsweise, neueren Datums, wird auch weiterhin noch erweitert. Absolut sehenswert, alles eingebettet in eine herrliche Gartenanlage mit Teichen.


Barsana-Osttor

Abends : Letztes Aussortieren der "Beute" und Einpacken für den frühen Start am nächsten Morgen.

12. Tag
Beginn der Heimreise, zunächst bis zum bereits bekannten Hotel "Venusz" am Plattensee. Bei Ankunft wunderschöne Abendstimmung am Seeufer. Abendessen im schon bei der Hinfahrt besuchten und für sehr gut befundenen Restaurant.

13. Tag
Rückfahrt auf fast gleicher Route. Mittagessen wieder in Heiligenkreuz. Nur ein paar Kilometer weg von der Autobahn, abseits des Verkehrslärms ruhigste Lage, Restaurant und Biergarten. Gute Küche auf schnelle Bedienung eingerichtet, speziell für Omnibusfahrgäste. Immer empfehlenswert, wenn man auf dem Weg von oder nach Wien oder gerade mal in der Umgebung ist und man dem Magen etwas Gutes antun will.
Es lohnt sich auch eine Besichtigung der wunderschönen Klosterkirche. Und der Papst war kürzlich auch da, muß also schon was dran sein an Heiligenkreuz.
Fast pünktliche Ankunft in München. Möglich, dass manch einer Gewichtsprobleme hatte, nicht mit sich selbst, eher mit dem Beipack.

Resumee:
Dank bester Planung wurde das vorgesehene Programm voll erfüllt.
Keine (befürchteten) Schwierigkeiten an der Grenze, weder bei Einreise noch bei Ausreise.
Keine Probleme auf der Fahrt, klar wenn man einen solchen Spitzenchauffeur hat.
Prima auch dessen "Erinnerungs"- Postkartenaktion.

Dieter Fahry, im September 2009