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Schneebergtour 03.-05. Juli 2009

Am Anfang war es wohl das Silber, das die Bergleute zum Schneeberg lockte und das letztlich zum höchstgelegenen Bergwerk in Europa führte. Das Knappendorf lag auf rund 2300 m Höhe und gab in seiner Hochblüte im 15. Jahrhundert bis zu 1000 Beschäftigten Arbeit. Das waren aber nicht allein Bergleute, sondern viele Handwerker, die man zum Betrieb und zur Versorgung eines Bergwerks in dieser abgelegenen Lage und Höhe braucht.
Von den vielen anderen Erzen war besonders das Bleierz wichtig, das man beim Einschmelzen des Silbers zur Trennung von den übrigen Mineralien benötigt. Damit ist verständlich, dass die erste nachweisliche, urkundliche Erwähnung des Bergbaus im Jahre 1237 das Silber betraf: argentum bonum de Sneberch – das gute Silber vom Schneeberg. Bezogen auf diesen Zeitpunkt lässt sich heute von 800 Jahren Bergbau sprechen. Viele Hinweise sprechen aber dafür, dass bereits vor unserer Zeitrechnung im Schneeberggebiet Erze abgebaut wurden („Kupferlöcher“ in der Steilwand des Himmelreichs). Die Zeit des prähistorischen Bergbaus liegt jedoch im Dunkeln. Wir aber wollten es genauer wissen und haben eine dreitägige Tour in dieses geschichtsträchtige Gebiet unternommen.
Für die an der Geschichte des Bergwerks interessierten Besucher wurde am Ende des Ridnauntals (Nähe Sterzing) im Ortsteil Maiern auf dem Gelände der ehemaligen Aufbereitungsanlage der Schneeberger Erze der wirklich sehenswert gestaltete Museumsbereich „Bergbauwelt Ridnaun – Schneeberg“ geschaffen. Dort waren wir nach der Anfahrt mit dem Bus aus München am Vormittag angekommen und trafen dort auch unseren fachkundigen Führer (Dr. Volkmar Mair aus Südtirol) für die nächsten Stunden und Tage. Einen Vorgeschmack auf die kommende Begehung der „echten“ Stollen am Nachmittag bekamen wir schon beim Einkleiden (wasserfester Umhang, Helm) für den Rundgang im Schaustollen.


Im Schaustollen

Dort zeigt man die verschiedenen Abbautechniken und Fördermethoden vom Mittelalter bis heute. Es ist schon erstaunlich, was die Bergleute über die Zeit hinweg bei ihrer anstrengenden Arbeit in schlechtem Licht (Kerzen, Öllampen), nur mit Hammer und Meissel bei meist schlechter Luft ertragen haben. Mit fortschreitender Technik kam dann noch der nahezu unerträgliche Lärm der pressluftbetriebenen Geräte wie Bohrer, Meissel, Überkopflader und sogar Beleuchtung hinzu, was auch live vorgeführt wurde. Für uns als Besucher beinahe unvorstellbare Verhältnisse.
Extrem laut war’s auch, wieder im Freien, in den dort stehenden, funktionsfähig restaurierten Aufbereitungsanlagen, in denen das vom Schneeberg angelieferte Erz erst gebrochen und dann zermahlen wurde für das anschließende chemische Aufschließen der Mineralien.


Erzmühle noch betriebsfähig

In eigenen Schmelzwerken wurde neben Blei und Zink auch noch etwas Silber und Cadmium gewonnen. Aber im Jahr 1985 war dann Schluß, der Bergbau rentierte sich nicht mehr.
Nach dem Rundgang – Mittagessen, dann Aufbruch zum Schneeberg. Zunächst mit neuer Einkleidung, diesmal vollständiger mit Gummistiefel, Umhang, Helm mit Stirnlampe und Akkugürtel. Nach kurzer Busfahrt auf abenteuerlich schmalem Weg zum Poschhausstollen sollte es dort in diesen hineingehen (3,6 km) mit der „original“-erhaltenen, elektrischen Grubenbahn.


Stolleneingang

Die aber hatte gerade einen „Anfall von Altersschwäche“ und die meisten von uns mussten diesen Stollenabschnitt zu Fuß zurücklegen. Im Stollen wechseln sich Schotter, Gleisschwellen und knöcheltiefes Wasser ab, machten das Laufen aber noch nicht allzu schwer. Als dann alle am Ende des Poschhausstollens versammelt waren, ging’s weiter in den Karlsstollen (2,1 km) hinein.


Im Stollen

Der war nun etwas „wilder“. Zunächst in vielen Krümmungen ging’s eben dahin, dann mittendrin ein Aufstieg über 60 Höhenmeter, 300 Treppenstufen, wenig gute Luft und ausgerechnet hier auf der Treppe Gegenverkehr. Etwas später ein sehr enger, senkrechter Abstieg, dazu Rucksack nach vorne auf die Brust, unten dann ein stark fließender, teilweise wadentiefer Bach, der uns bis zum Tor am Stollenmund begleitete. Dort fehlte zunächst der Schlüssel in die Freiheit.
Nach einiger Zeit, für viele im eiskalten, schnell dahinschießenden Bach, wurde uns unter großem Jubel aufgetan. Also dann: Runter mit den Gummistiefeln, rein in die Bergstiefel und Aufstieg zur Schneeberghütte nach St. Martin auf 2355 m; das letzte Stück, entlang eines ehemaligen Bremsbergs für den Abtransport der Erzes, vielleicht „ein wenig steil“.


Letztes Steilstück

Im letzten Licht des Tages bekam man hier schon einen ersten Eindruck von der großartigen Lage der Schutzhütte.


Schneeberg-Hochtal

Sie steht inmitten des phantastischen Panoramas eines Bergkessels, umgeben von Bergen, die es mit ihrer Höhe durchaus mit unserer Zugspitze aufnehmen können, wie beispielsweise der nächstgelegene „Schneeberger Weißen“. Die Quartiere in der Schneeberghütte recht komfortabel und bereits verteilt, konnten sofort bezogen werden.


Schneeberg-Hütte

Das Abendessen, reichlich und sehr geschmackvoll, Nachtruhe ab 22 Uhr.
Frühstück ab 8 Uhr. Fachmännische Einführung durch Volkmar in die Geologie, Mineralogie und Historie des „Museumsbereich Schneeberg-Passeier“ und eine Führung durch den Ort (Schmiede und Museum zur Historie der Schneebergsiedlung) folgten ab 9 Uhr.


Schneeberg – Im Museum

War auch sehr interessant, vieles aber im zerstörten Zustand oder ganz verschwunden. Dann endlich: Berg frei zum Fotografieren und vor allem Mineraliensammeln für den Rest des Tages. „Brauchsch net weit gehn, isch alles glei bei dr Hüttn“ - so unser mineralogischer Führer. Mit „net weit“ waren tatsächlich nur etwa 300 m gemeint. Neben der Zinkblende und dem Bleiglanz und vielen gebietstypischen Erzen und ihren Verbindungen gab es auch jede Menge Granate (Almandine) in unterschiedlichen Begleitmineralen, die schönsten und größten natürlich in Quarz.


Beutestück

Am Abend wurde im Schatten des wunderbar restaurierten Knappenkirchleins die Beute dann herumgezeigt, bewertet, verglichen, fachmännisch aussortiert, bewundert und verpackt.


Knappenkirchlein

Am nächsten Tag wieder Frühstück um 8 Uhr, alles Einpacken und Beginn des gemeinsamen Rückwegs eine Stunde später. Zunächst steil hinauf und über die letzten Schneefelder des Jahres zum Kaindljoch mit einer kurzen Rast. Von da an ging’s bergab, zur zweiten Rast auf einem kurzen Flachstück.


Abstieg im Junischnee

Nochmal ein Steilstück, dann war das letzte Ziel, die Moarer Alm erreicht, wo es die abschließende Brotzeit gab, bevor uns der „Bergbus“ zur Rückfahrt den Berg hinunter nach Maiern abholte. Dort hieß es, die Stollenausrüstung abliefern und sich auf bequem umziehen. Dann wurden wir von „unserem“ Bus, dessen Fahrer uns die drei Tage tapfer begleitet hatte, zurück nach München gebracht.


De Stoanasammla

Nicht unerwähnt sollte bleiben, wie selbstverständlich und uneigennützlich den etwas schwächelnden und untrainierten Teilnehmern unserer Truppe im Stollen und auf den Bergpfaden beim Rucksacktragen oder einfach nur beim Auf- und Absteigen von den anderen geholfen wurde.
Mit dem Wetter hatten wir überwiegend Glück gehabt, der den Sammlern gewidmete Samstag war dem Anspruch auf schönes Wetter voll gerecht geworden. Damit ging in Maiern eine tolle, wohlorganisierte, aufregende und für einige auch ergiebige Stollen-/Berg-Tour zu Ende.

Dieter Fahry, im Juli 2009