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Oberfranken-Exkursion 18.April 2012

Exkursion nach Marktredwitz und Wunsiedel am 18. April 2012

Heinrich Zeitvogel hatte diese Exkursion angeregt:
Ziele der Exkursion waren das Steinarchiv Wunsiedel, angeregt durch einen Bericht in der Zeitschrift „Lapis“. Außerdem sollte das Geotop 39, ein Naturdenkmal unterhalb des Weißensteins bei Stammbach wg. des dort vorkommenden Eklogits besichtigt werden.

Auf Vorschlag von Franz Wolf sollten wir auch die Schleifscheibenfabrik Sebald in Marktredwitz kennenlernen.

Nicht geplant, aber dennoch gelungen, war die Empfehlung von Hr. Meier (Fa. Sebald) bei Gefrees nach Chiastolith-Schiefer zu suchen.

Siehe Karte am Ende des Berichts.

Lage des Geotops:
Der Weißenstein ist ein 668 m ü. NN hoher Berg auf der Münchberger Hochfläche im Übergangsbereich vom Frankenwald zum Fichtelgebirge. Hier treffen die Landkreise Hof, Bayreuth und Kulmbach zusammen. Er ist der Hausberg der Marktgemeinde Stammbach, auf dessen Gebiet sich auch der höchste Punkt befindet. Auf dem Gipfel wurden ein Gasthaus und ein Aussichtsturm errichtet. Die Besonderheit des Weißensteines ist seine Beschaffenheit. Der Weißenstein besteht im Wesentlichen aus Eklogiten.

Beim Schleifertreffen am Vorabend (17.4.12) führte uns Frau Dr. Melanie Kaliwoda in die Entstehung der Tiefengesteine Eklogit, Gabbro und Meta-Gabbro ein.
Dafür unseren herzlichen Dank.

Weitere Details zum Geotops “Eklogit am Weißenstein“ und die Entstehung des Eklogits ist auf der Homepage des Bayr. LfU nachzulesen.

So vorbereitet, trafen die 17 Teilnehmer in vier Fahrzeugen von München und Ingolstadt um 9:30 in Marktredwitz bei der Schleifscheibenfabrik Sebald ein.

Die Schleifscheibenfabrik Sebald in Marktredwitz
Herr Meier, ein Mitarbeiter der Fa. Sebald und fachkundiger Mineralienexperte und ein Kollege führten uns – in zwei Gruppen geteilt - durch das Kornlager, in die Fertigungshalle. Hier werden die Kornsorten mit Bindemitteln (Kunststoff oder Keramik) gemischt und in Formen gefüllt. Mit Hochdruckpressen werden die Scheiben in den Formen gepresst und dann in Öfen „gebacken“. Schließlich werden die Schleifscheiben in Drehmaschinen in Form gebracht, mit Flaschen/Naben versehen und ausgewuchtet. Für die Anwender der Schleifscheiben ist es wichtig, dass die Scheiben für die Metall- oder Steinbearbeitung die optimale Wirkung bei möglichst geringem Verschleiß haben. Zudem soll das Schleifmittel möglichst wenig mit zu bearbeitendem Material wechselwirken und dessen Eigenschaften nicht verändern.

Herr Meier führte im Schleiflabor das Flachschleifen von Steinen vor. Die Fa. Sebald hat für die Anwendung in der Flex Schleifring-Adapter entwickelt. Klettscheiben können plan auf die Adapter geklebt werden, so dass die Schleifwirkung über die zu bearbeitende Fläche gleichmäßig ist.
Leider war der Verkauf von Schleifmitteln und Zubehör an diesem Tag geschlossen.

Auf alle Fälle war der Einblick in diese Fabrik mit vielen Erkenntnissen ein Ereignis!

Das Natursteinarchiv in Wunsiedel
Nach der Mittagspause führte Hr. Meier unsere Wagenkolonne nach Wunsiedel zum Deutschen Naturstein-Archiv.

Das Museum ist allein wg. der 6000 Musterplatten mit ihren vielen Gesteinsarten und deren Varianten, Mustern und Farben aus den Herkunftsländern der ganzen Welt sehr beeindruckend und wohl einzigartig. Zumal auch die Anordnung an den Stellwänden und die Beleuchtung für die Besucher guten Zugang und Einblick ermöglichen.

Das Natursteinarchiv in Wunsiedel
Foto G. Backhaus

In beleuchteten Vitrinen sind weitere 4000 Handstücke als petrografische Lehrsammlung ausgestellt.
Vitrinenausschnitt im Natursteinarchiv
Foto G. Backhaus

Vortrag von Hr. Meier - Foto Harald Bögl
Vortrag von Hr. Meier - Foto Harald Bögl

Die Schleifergruppe - Foto Harald Bögl
Die Schleifergruppe - Foto Harald Bögl

Abschließend bekam jeder von uns eine polierte Steinplatte zur Erinnerung an den Besuch des Naturstein-Archivs geschenkt.

Erinnerungssteine - Foto G. Backhaus
Erinnerungssteine - Foto G. Backhaus

Das Naturstein-Archiv gehört zum Steinzentrum Wunsiedel, wo Steinmetze, Steintechniker und Meister ausgebildet werden.
Steinmetzarbeiten
Steinmetzarbeiten

Der Chiastolithschiefer auf den Feldern um Gefrees
Irgendwie ergab es sich, dass Harald Bögl auf ein Mineral gestoßen war, dass es auch in dieser Gegend geben soll. Er hatte es sogar im Steinarchiv fotografiert.

Chiastolithschiefer - Foto H. Bögl
Chiastolithschiefer - Foto H. Bögl

Gegen 16:30 machten wir uns auf den Weg nach Gefrees zu Feldern, wo Chiastolith-Schiefer zu finden sein sollte – eine interessante Ergänzung unserer Exkursion. Auf den Feldern fanden wir viele Schieferstücke. Dass es die richtigen Fundstücke waren, zeigte sich sofort nach dem Aufbrechen einiger Schieferbrocken.

Chiastolithschiefer - Foto G. Backhaus
Chiastolithschiefer - Foto G. Backhaus

Chiastolith-Schiefer mit Kristallnadeln - Foto G. Backhaus
Chiastolith-Schiefer mit Kristallnadeln - Foto G. Backhaus

Chiastolith mit typischer Kreuzstruktur im Schiefer - Mikroskopie G. Backhaus
Chiastolith mit typischer Kreuzstruktur im Schiefer - Mikroskopie G. Backhaus

Der Eklogit vom Weißenstein

Von hier aus war es dann nicht mehr weit zum Weißenstein bei Stammbach. Auf einer Schotterpiste zum Weißenstein hielten wir an einer Auffahrt zu einer Wiese und wurden sofort fündig. Im Geotop 39 (Weißenstein) ist das Steinsammeln nicht gestattet.

Erste Eklogitfunde - Foto K. Martin
Erste Eklogitfunde - Foto K. Martin

Ein vorbeikommender Einheimischer empfahl uns ein Stück weiter zu gehen, weil dort Forstwege erweitert worden waren. In den freigelegten Wegrändern waren die Eklogite sichtbar und leicht zugänglich. Auch Quarze fanden sich.
Sicher habe alle Freunde reichlich Eklogite sammeln können.

Eklogit-Bruchfläche – Foto G.Backhaus
Eklogit-Bruchfläche – Foto G.Backhaus

Eklogit (Poliert und gescannt) H. Zeitvogel
Eklogit (Poliert und gescannt) H. Zeitvogel

Gegen 19:00 traten wir die Rückreise an. Es war ein langer Tag geworden - mit vielen neuen Eindrücken, guten Gesprächen, Erkenntnissen und vielen Funden.
Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, es blieb trocken, und manchmal war es sonnig.

Vielen Dank an die Organisatoren.
Glückauf!

Verfasser: Gerd Backhaus 21.5.2012

Beteiligte:
Brünhilde Arlt
Gerd Backhaus
Helmut Bürger
Heidi Bürger
Elisabeth Eberle
Klaus Eberle
Günther Kammermayer
Karl Kuffner
Sieglinde Lammers
Karina Martin
Hermann Spicker
Erwin Urbainczyk
Heinrich Zeitvogel
Ursula Zeitvogel

Gäste:
Stefan Meier (Fa. Sebald)
Harald Bögl
Stephan Obermeier
Peter Knuth

Karte unserer Stationen
Karte unserer Stationen
1 - Marktredwitz Fa. Sebald
2 - Wunsiedel Deutsches Naturstein- Archiv
3 - Fundort Chiastolith-Schiefer
4 - Fundort Weißenstein (Eklogit)

Fotos:
Karina Martin
Gerd Backhaus
Harald Bögl
Heinrich Zeitvogel

Anfragen können gestellt werden an den Vorsitzenden der Schleifergruppe:
Heinrich Zeitvogel
Scheffelstr. 11
D-85055 Ingolstadt
Tel.: 0841-956193
Fax: 0841-920133
e-mail


Last update 29.07.2012

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