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Ein Tropfen aus einem heißen Stein

    Zugegeben, im (Kauf-)Rausch der Mineralientage 2006 hat der Stein besser ausgesehen, als er qualitativ wirklich ist. Ich hab jedenfalls keinen schöneren gefunden und er gefällt mir total gut. Aber, sehen wir einfach mal, was man draus machen kann:
    Rohstück Aus diesem Rohstück bildete ich mir einen tropfenförmigen Kettenanhänger ein, der in diese fertig gekaufte goldene Fassung (14 kt) passen soll. Für tropfenförmige Steine gibt es zwei Fachbegriffe, Briolette oder Pendeloque, die aber wohl eher facettierte Schliffe bezeichnen.
    Schleifmaschine Zuerst sägte ich ein geiziges Stück ab, das sich aber als zu sparsam erwies, weil der Rohstein an der Oberund Unterseite gegenläufige starke Wellenform hat und somit wenig kompaktes Volumen. Also wurde es dann der zweite Abschnitt.
    Genau messen! So. Da müsste der Tropfen reinpassen.
    Vorzeichnung Die Vorzeichnung ist ganz einfach ein Kreis mit zwei konvergenten Linien, die dem Winkel der goldenen Fassung entsprechen. Zunächst säge und schleife ich ein regelmäßig quaderförmiges Klötzchen und zeichne dann die Form genauer auf:
    Sorgfältig placieren Man muss den Stein sorgfältig von allen Seiten betrachten, wo die Form räumlich genau placiert werden soll.
    Erneut vorzeichnen Nachdem die ersten beiden gegenüberliegenden Schrägen geschliffen sind, wird auf die neu entstandenen Flächen erneut aufgezeichnet.
    Pyramidenstumpf So entsteht mit dem Schliff der nächsten beiden gegenüber liegenden Schrägen ein sehr hoher vierseitiger Pyramidenstumpf mit einem verbleibenden Sockel, in dem eine Kugel räumlich Platz haben muss.

    Der Sockel kann nun mit Hilfe eines vorgezeichneten Kreises auf dem Boden (im Bild nicht sichtbar) zu einer zylindrischen Grundform geschliffen werden.

    Hilfslinien anzeichnen Hilfslinien kann man mit einem waagrecht liegenden Bleistift in der gewünschten Höhe anzeichnen.
    Hilfslinien Die beiden Linien im Bild rahmen den Bereich ein, wo die dickste Stelle des Tropfens sein soll. Hier darf nichts weg geschliffen werden.

    Oberhalb der oberen Hilfslinie wird die hohe Pyramide zum Kegel geschliffen, indem man den Stein waagrecht am Schleifrad der Genie ansetzt und jeweils bis zu dem kleinen Kreis an der Spitze und gleichzeitig zum oberen „Bauchring“ schleift.

    Unterhalb der unteren Linie wird eine schwächere Schräge rundum geschliffen. Am Boden ist entsprechend ein Kreis vorgezeichnet, der einen etwa 1 - 1,5 mm kleineren Radius als der Rohling hat.

    Die Vorgehensweise ist insgesamt ähnlich wie beim Cabochonschliff, nur muss man alles frei Hand schleifen, da man keine flache Unterseite zum Auflegen hat.
    weitere Hilfslinien Eine weitere Hilfslinie wird nun auf den unten entstandenen Konus gezeichnet und ein kleiner Kreis auf den Boden. Diese letzte Schräge wird geschliffen wie die beiden vorhergehenden. Die Grobform ist dann fertig. Anschließend wird alles frei Hand gerundet, wie beim Cabochon auch, und bis zum 3000er Korn in der Oberflächenbehandlung vollendet.
    Von einer Politur hab ich abgesehen, da die körnige Qualität des Steins mir das zu riskant erscheinen ließ. Bei diesem nicht so kompakten Chrysopras besteht die Gefahr des Auswaschens, wenn man zu lange herumdoktert.

    So. Ist doch nicht schlecht, oder?

    Super!
    Christiane Lange, November 2006

    Anfragen können gestellt werden an die Verfasserin:
    Christine Lange, München


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    Last update 28.01.2008


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