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    Reisebericht Mont Blanc


    Wir, das ist eine Mineraliensammlergemeinschaft, im Kern bestehend aus 4 Männern (Werner Böck, Werner Kuhn, Ernst Schweiger, Hans Nuffert), alle aus der Umgebung Münchens, fahren seit vielen Jahren jeweils eine Woche jährlich zum Mineraliensammeln in die Alpen. Dabei fährt mal der eine oder andere Sammlerkollege (Schäfer Paul, Dr. Rustemeyer, Rose Hannes) noch mit, je nach Lust und Laune.

    Nachdem wir die Ostalpen (Zillertal, Venediger, Rauris, Goldberggruppe) oftmals besucht hatten, orientierten wir uns, angeregt durch Funde und Tourenbeschreibungen von Hannes Rose, in Richtung Frankreich. Seit einigen Jahren besuchen wir nun das Mont-Blanc-Massiv.

    Zuerst waren wir einige Male auf der Argentiere-Hütte. Schöne Rauchquarzfunde, Adular, Epidot, etwas Hämatit waren die eine Seite. Nach einem Wechsel des Hüttenwirtes, der (zumindest damals) mit seinen deutschsprachigen Gästen nicht viel anfangen konnte, fuhren wir im Juli 1994 auf die italienische Seite. Neuer Stützpunkt war die Turiner Hütte (3369m hoch), oberhalb von Courmayeur gelegen. Freundliches Personal, gutes und reichliches Essen und ein traumhafter Ausblick sorgen seitdem für Wohlbefinden. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, daß wir uns im hochalpinen Bereich befinden. Die Beachtung der "Spielregeln" für Fels- und Eisregionen ist unbedingte Voraussetzung.

    Die Granitfelsen dieser Gegend weisen - oftmals in bizarrer Form eine hohe Kluftdichte aus. Vor allem sind die Klüfte i.d.R. größer als in den Ostalpen.

    Zuversichtlich gingen wir auf Suche. Wir waren in dem warmen Sommer 1994 unterwegs, dem ein schneearmer Winter vorausging. Schon 300 m ostwärts der Hütte, an den ersten Aufschwüngen zur Aig. Marbrees, schaute ein Felsbuckel aus dem frisch geschmolzenen Schnee, der über und über mit Rauchquarzen bedeckt war, die in der Sonne funkelten. Leider lag die Mehrzahl der Kristalle flach auf dem Muttergestein, so daß nur einige Spitzen zu bergen waren. Der Rest hätte sich nicht zerstörungsfrei entfernen lassen und so blieben diese Kristalle weiter in der Sonne funkelnd zurück.

    Die Aig. Marbrees ist ein Berg zwischen der Turiner Hütte und dem oft fotografierten Dent du Geant. Die Südflanke fällt extrem steil ab ins Val Ferret. In den Wänden der Nord- und Westseite gibt es sehr viele, z.T. große Klüfte, an die ohne Kletterausrüstung aber nicht mehr heranzukommen ist. Die leicht zugänglichen Klüfte sind natürlich schon lange ausgeräumt. Wir umrundeten die Aig. Marbrees und machten am Col du Rochefort Brotzeit.

    Meine Kameraden waren bereits in der Südflanke und Richtung Gipfel unterwegs. Ich suchte den Gipfelgrat hinauf. Ca. 50 m oberhalb des Brotzeitplatzes sah ich etwa 10 m unterhalb des Grates einige Rauchquarzsplitter liegen. Sie mußten direkt vom Grat heruntergefallen sein. und tatsächlich, direkt auf dem Grat befand sich eine - leider schon ausgeräumte Rauchquarzkluft. Sie war im Durchschnitt 0,50 m breit, stand fast senkrecht und verlor sich im Blockwerk. Aber: Von dieser senkrechten Kluft zweigte, gerade aus dem Eis hervorlugend eine waagerechte Tasche ab, die mit Eis, Chlorit und..... mit ca. 30 kg Rauchquarzkristallen und Kristallstufen gefüllt war. Die Kluft war reif, der Frost hatte den Rauchquarz weitgehend vom Muttergestein weggesprengt. Größe der Seitenkluft ca. 1,50 m breit, ca.1,50 m tief und 10 bis 30 cm hoch.

    Schon nach dem Bergen des 1. Solozapfens war klar: Weihnachten, Ostern und Geburtstag fallen auf den heutigen Tag. Es war Bescherung. Ich hörte Glocken läuten, wahrscheinlich war es der immer schnellerwerdende Puls.

    Zunächst war der Arbeitsplatz zu präparieren. Störende Felsbrocken wegräumen, Standplatz bauen, Unterlage für liegende Arbeit bereiten. Dann ging ich daran die Kluft auszuräumen. Zuerst vorsichtig, mit bloßen Händen, dann auch mit dem Strahleisen Eis und Chloritsand heraus räumen und den Sand auf Schwimmer-Kristalle untersuchen. Dann kommen größere Einzelkristalle, die von der Decke und vom Boden abgebrochen waren. Dazwischen größere Stufen, bis hin zu Tellergröße, welche sich allein durch Wackeln mit den Händen oder durch leichten Meißeleinsatz vom Muttergestein lösen ließen. Vom Quarz aufgeschnittene Fingerkuppen, eiskalte Hände und Füße taten der Freude keinen Abbruch. Die Funde lege ich im Schatten eines Felsens ab, damit sie durch den Temperaturunterschied keinen Schaden nehmen.

    Nach 3 Stunden Arbeit geht es ans Einpacken. Handschuhe, Mütze, Faserpelzjacke, Reservesocken, Reserveunterwäsche, Brotzeitbeutel, Klopapier, alles muß als Verpackungsmaterial herhalten. Zusammen mit der üblichen Ausrüstung ergaben sich mehr als 40 kg Rucksacklast, die ich gerne - trotz eines Hilfeangebotes meiner Freunde - alleine zur Hütte schleppte. Die Nacharbeit meiner Sammlerkollegen ergab dann noch einmal 10 kg Material, so daß wir rundum zufrieden waren.

    Am nächsten Tag fuhren wir mit der Seilbahn nach Courmayeur runter. Funde waschen im Bach, eine erste genauere Sichtung und das Verpacken im Auto waren angesagt.

    Ergebnis:

    30 kg Rauchquarze, schön mittelbraun, teils klar, teils leicht mit Chlorit bestäubt, eine Stufe mit Blättercalcit und die Besonderheit: Rund 15 Gwindel, z.T. lose und z.T. auf Rauchquarzstufen mit aufgewachsen. Das größte Gwindel mißt 10 x 10 cm der größte Einzelkristall ist ca. 11 cm hoch und 7 cm im Durchmesser. Die größte Stufe ist 23 x 20 cm groß.

    Einige Gwindel und Rauchquarze an Freunde verteilt, nochmal und nochmal durchgemustert liegt der Fund jetzt unverkäuflich in meiner Sammlung. Ab 05. Mai 1998 werden wir einen Teil dieser Funde in der Vereinsvitrine der Münchener Mineralienfreunde im Museum Reich der Kristalle ausstellen.

    Am 02.02.1998 Hans Nuffert

    Wir bedanken uns für diesen Bericht bei Johann Nuffert.


    Last update 08.03.1998

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