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Sardinienrundfahrt 1998

Hermann Bunner und Ludwig KochWer Sardinien in seinem buntesten Erscheinungsbild antreffen will, der sollte seinen Urlaub im Mai starten. Zu dieser Zeit blüht es in allen Farben aus allen Ritzen. Am 1. Mai verließen wir also mit 2 Campern in Golfo Aranci das Fährschiff, um unsere Rundfahrt anzutreten. Dabei wollten wir auch einige uns aus früheren Unternehmungen bekannte Mineralienfundstellen anfahren.

Als erstes besuchten wir die malerische Costa Smeralda, hielten uns dann einige Zeit in der Gallura auf, wo wir neben einigen prähistorischen Stätten vor allem die imponierende Landschaft mit ihren vom Wind modellierten Granitfelsen bewundern konnten.

Unser nächstes Ziel war die für Zeolithsammler sehr interessante Fundstelle Osilo.
Auf dem Weg dorthin wurden wir bei dem kleinen Ort Nulvi auf frisches, weißes, kreideartiges Aushubmaterial aufmerksam, das auf einem freien Platz an der Straße gelagert war. Nach kurzem Suchen wurden wir bereits fündig und konnten versteinerte Muscheln und Seeigelgehäuse in guter Qualität bergen.
Von unserem eigentlichen Ziel Osilo waren wir jedoch enttäuscht. Der obere Steinbruch, in dem jahrzehntelang wunderbare Amethyste gefunden werden konnten, ist mittlerweile Materiallager einer Baufirma. Die Hauptfundstelle für Amethyst ist zu einer Höhle geworden, in der sich bequem ein Auto unterstellen läßt. Auch das letzte Quarzäderchen ist herausgearbeitet.
Der untere Steinbruch ,,Crastu Muradu" ist inzwischen aufgelassen und man kann das Gelände unbehelligt absuchen. Jedoch ist die Verwitterung sehr stark fortgeschritten und die oberen Partien des Bruches sind zugeschüttet. Darauf weiden bereits wieder Schafe. Trotzdem konnten wir noch einige recht hübsche Zepterquarze bergen.

Unsere Fahrt führte uns weiter über Alghero in Richtung Bosa. Leider mußten wir diesen Abschnitt bei strömendem Regen befahren. Von der herrlichen Aussicht auf der sogenannten Strada Panoramica also leider keine Spur. Nach einer kurzen Besichtigung von Bosa war unser nächstes Ziel die Costa Verde, ein Küstenabschnitt, der wegen seiner Abgeschiedenheit nur von Kennern besucht wird. Neben idyllischen grünen Küstenabschnitten trafen wir auf eine Dünenlandschaft, die hier kein Mensch erwartet. Die Dünen aus feinem roten Sand erstrecken sich kilometerweit hinein ins Land.
EsplosivoIm Hinterland befinden sich die ausgedehnten Bergbauanlagen der inzwischen stillgelegten Mine Montevecchio. Eine uralte Verladebahnstrecke führt von dort hinaus zum Meer zu einer verfallenen Verladestation. Die alten Erzloren stehen heute verloren im Sand. Im Hof des nahen "Hotels de Dune" können noch viele andere alte Bergbaugerätschaften besichtigt werden.

Unsere Route führte uns weiter nach Fluminimaggiore. Von hier aus besuchten wir die alten Tagebaue hoch über der Stadt. An Mineralien konnten wir lediglich einige Belegstücke von Fluorit, Bleiglanz und Baryt einsammeln. Dafür wurden wir jedoch mit einem herrlichen Ausblick auf Fluminimaggiore und Umgebung belohnt.
Über eine denkbar schlechte Straße fuhren wir dann - vorbei an den Ruinen des punisch-römischen Tempio di Antas - hinauf zum riesigen Tagebau von Arenas. In Malacalzetta machten wir Station und besichtigten die verbliebenen Reste der alten Bergbauanlagen. Auf den alten verwachsenen Halden fanden wir zwar keine bergenswerten Mineralien, aber dafür mehrere Arten zauberhafter Orchideen.

Arenas selbst ist ein El Dorado für Mineraliensammler. Jeder kann nach Herzenslust Steine klopfen seit der Abbaubetrieb vor einigen Jahren eingestellt wurde. Hier wurden wir endlich fündig. Unter anderem fanden wir beim Zerlegen von Barytblöcken schöne Barythauben, besetzt mit hochglänzenden doppelendigen Quarzkristallen, desweiteren gut ausgebildete Aurichalcitkriställchen und Kombinationen von Bergkristall und Fluorit. Auch eine Anzahl schöner Hydrozinkitstufen konnten wir bergen.

FluminimaggioreVorbei an den alten Abbauen der aufgelassenen Mine von Sa Duchessa durch die Grotta di S. Giovanni fuhren wir ab Domusnovas in östliche Richtung bis Dolianova und hielten von hier aus in Richtung Nord auf die Berge zu, denn wir wollten die restlichen Tage bis zu unserer Rückreise noch einige Bergtouren im Gennargentu unternehmen. Durch herrliche Landschaften, vorbei an hunderten unbeschreiblich bunter Blumenwiesen, erreichten wir endlich Aritzo, den Ausgangspunkt unserer bergsteigerischen Unternehmungen. Nach einer wunderschönen Rundtour in den Bergen von Aritzo machte uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die Begehung des P. la Marmore und der Bruncu Spina mußten wir leider abblasen, - ein Grund für uns, wieder einmal hier her zu reisen -. Aber die Tour in den "Aritzo-Bergen" wird uns in nachhaltiger Erinnerung bleiben, denn die Orchideenflora, die wir hier vorgefunden haben, ist einmalig.
Auf der weiteren Fahrt in Richtung Olbia genossen wir die wunderschöne Landschaft in vollen Zügen. Besonders die Strecke entlang dem Sopramonte-Gebirge hatte es uns angetan.

Nach einigen Ausruhtagen an einem einsamen malerischen Strandstück unweit von Olbia war der Urlaub wieder einmal zu Ende und die Nachtfähre brachte uns von Golfo Aranci aus wieder wohlbehalten zurück zum Festland.

Hermann Brunner


Last update 17.08.1998

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